Über sich selbst verliert Eberhard J. Wirfs kaum ein Wort. Fragen nach seiner Person oder dem Familienunternehmen beantwortet der 67-Jährige knapp und effizient, um sofort wieder auf sein großes Thema zurückzukommen. Der Internationale Präsident der Lions Clubs International will seine Organisation noch größer und einflussreicher machen. Zum ersten Mal seit der Gründung der Lions 1917 in den USA steht für ein Jahr ein Deutscher an der Spitze einer der weltweit größten Hilfsorganisationen, die eng mit den Vereinten Nationen und der Weltgesundheitsorganisation zusammenarbeitet.
Wirfs war jetzt beim Neujahrsempfang der Lions Niedersachsen und Bremen im Maritim Grand Hotel zu Gast und die Stadt lud ihn ein, sich ins Goldene Buch einzutragen. Mit 1,3 Millionen Mitgliedern sind die Lions Clubs International eine der größten Nichtregierungsorganisationen – und sie wollen weiter wachsen. Der Weltpräsident berichtet, die Lions werben verstärkt um jüngere Leute, um Frauen, gründen Campusclubs und Familienclubs. In Städten wie Sao Paulo, San Francisco oder Chicago bieten die Lions den großen Einwanderergruppen, ob Japaner, Chinesen oder Polen, die Möglichkeit, eigene Gruppen zu gründen. „Die Clubs vor Ort sind die entscheidende Größe, weil hier die einzelnen Mitglieder aktiv sind. Für uns zählt der persönliche Einsatz“, sagt Wirfs. Es gehe den Lions um Leute, die selbst im Leben Erfolg haben und einen Beitrag für die Gesellschaft leisten wollen.
In der Region Hannover sind 16 Clubs aktiv, in den beiden Distrikten Niedersachsen und Bremen 190, die im vergangenen Jahr mit ihren Aktionen mehr als 2,5 Millionen Euro für soziale Zwecke zusammengebracht haben. Doch der Blick des 92. Lions International-Präsidenten reicht aktuell wesentlich weiter. Den Lions ist es gelungen, in China einen großen Coup zu landen. Sie gehen mit ihrem Programm „Lions Quest“, das Kinder und Jugendliche in ihrer Persönlichkeitsentwicklung unterstützen soll, an chinesische Schulen. „Es war für mich ein großes Erlebnis, dass wir dafür das Okay der chinesischen Regierung bekommen haben“, sagt Wirfs. Das Programm läuft in mehr als 70 Ländern und wird jeweils auf die regionalen Traditionen angepasst. Bei der chinesischen Führung, die misstrauisch auf westliche Einflüsse reagiert, haben die Lions mit ihrer Unterstützung für Erdbebenopfer und der medizinischen Hilfe für Blinde gepunktet. „Wir mussten sie überzeugen, dass wir keine Systemveränderer sind.“ Für die Lions stehen auch in China die Zeichen auf Expansion. Aus jetzt drei Distrikten sollen bald zehn und mehr werden. „Unsere Präsens ermöglicht es, dass dort Aktivitäten und Spenden entstehen, die wieder anderen zugute kommen“, sagt der Lions-Präsident.
Auf dem Weg zur Lions-Spitze musste Wirfs sich bei allen Weltregionen vorstellen, und hat zwei Jahre als zweiter und dann als erster Vize hinter sich. „Das ist ein Vollzeitjob“, betont er. In der Lions-Zentrale in Chicago sind 300 Mitarbeiter tätig. Aus dem eigenen Unternehmen, einer Importfirma für internationale Spezialitäten in Frankfurt, hat Wirfs sich deshalb bereits vor einiger Zeit einigermaßen zurückgezogen. „Teilpensioniert“ nennt er das. Es gebe als Ersatz für ihn dort seine beiden Söhne und eine sehr gute zweite Führungsebene.
Der Unternehmer aus Kelkheim am Taunus wird noch ein halbes Jahr für die Lions um die Welt touren. Von Hannover aus geht es nach Marrakesch zu einer Afrika-Konferenz der Lions, dann nach Argentinien, Chile, Brasilien. Am 1. Juli rückt nach einem Jahr der Stellvertreter auf, ein US-Amerikaner wie alle zwei Jahre. Wirfs wird dann ein Jahr lang als Finanzchef den Einsatz der Spenden steuern. Bärbel Hilbig









