Der Höhepunkt des Tages kam ganz zum Schluss: Fechtolympiasiegerin Anja Fichtel, Schirmherrin des Kinderherztages, zog die Losgewinne aus dem gläsernen Würfel. Reisen, Ballonfahrten, Hotelübernachtungen, Rundflüge und ein Fernglas fanden glückliche Gewinner.
Alle Preise waren zugunsten des 1. Bad Mergentheimer Kinderherztages am 3. Oktober gestiftet worden und zeigten eines noch einmal deutlich: die enorme Spendenbereitschaft zugunsten herzkranker Kinder in der Region. Eine rundum positive Bilanz zog daher Privatdozent Dr. Reiner Buchhorn, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim und Initiator des Kinderherztages: „Die Resonanz hat unsere Erwartungen bei weitem übertroffen.“ Mit der Veranstaltung habe man wichtige Impulse zugunsten herzkranker Kinder in der gesamten Region gesetzt.
„Herzfehler sind die häufigste Organfehlbildung bei Neugeborenen. Jedes 100. Kind kommt mit einem angeborenen Herzfehler zur Welt“, erläutert Privatdozent Dr. Buchhorn den Hintergrund seiner Initiative. „Durch die Fortschritte der Kinderherzchirurgie erreichen heute mehr als 90 % der Patienten das Erwachsenenalter.“ Allerdings stelle die oft jahrelange Betreuung Ärzte, Patienten und deren Familien vor große Herausforderungen. Der Chefarzt hat in den vergangenen Jahren eine kinderkardiologische Spezialsprechstunde am Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim etabliert. Mit dem 1. Bad Mergentheimer Kinderherztag wollte er auf das Schicksal dieser Kinder und ihrer Familien aufmerksam machen.
Der Vormittag startete im Kursaal vor rund 200 Interessierten mit Vorträgen und Patientenberichten zu angeborenen Herzfehlern unterschiedlicher Schweregrade. Spannend war dabei der Perspektivwechsel zwischen den nüchternen Vorträgen der medizinischen Experten einerseits und den emotionalen Schilderungen der Eltern und Betroffenen andererseits. PD Dr. Buchhorn berichtete zunächst von den Fortschritten der medikamentösen Therapie bei einfachen Herzfehlern etwa mit Betablockern und stellte die heute gängigen OP-Methoden bei einfachen angeborenen Herzfehlern vor. Prof. Dr. Dr. Ziemer, Chefarzt der Thorax-, Herz-, Gefäßchirurgie an der Universitätsklinik Tübingen, demonstrierte die Möglichkeiten der Herzchirurgie, auch komplexe angeborene Herzfehler operativ zu korrigieren. Vom Erfolg dieser Therapien bei ihren Kindern erzählten in bewegten Worten die Eltern der heute gesunden Kinder Anna, Moritz und Hannes. Die beruflichen und sozialen Einschnitte durch eine angeborene Herzerkrankung thematisierte Prof. Dr. Geyer, Leiter der Forschungs- und Lehreinheit an der Med. Hochschule Hannover. Als Beispiel einer gelungenen Integration ins Berufsleben präsentierte sich anschließend der heute 29jährige Martin, der trotz seiner Herzkrankheit mitten im Arbeitsleben steht.
Die Grenzen der medizinischen Möglichkeiten machte der Leidensbericht der Mutter des kleinen Elias aus Buchen deutlich, der nach siebenmonatiger Intensivtherapie, mehreren Operationen und Noteingriffen schließlich in den Armen seiner Mutter verstarb. „Wechseln Sie öfter die Perspektive“, appellierte sie an die Ärzte, „sehen Sie die Kinder nicht nur aus Sicht des Mediziners sondern auch aus Elternsicht!“ Welche ethischen Leitlinien bei diesen schwierigen Behandlungsentscheidungen schwer kranker Kinder Orientierung geben können, stellte Dr. Sigrid Graumann, Universität Oldenburg, vor. Grundsätzlich müsse die Belastung durch eine medizinische Behandlung mit dem Beitrag zum Wohlergehen des Kindes gerechtfertigt werden können, führte die Humanbiologin und Ethikerin aus. Konkrete Ergebnisse konnten in den Workshops am Nachmittag erarbeitet werden.
Schon am 13. Januar 2010 startet eine Herzsportgruppe speziell für herzkranke Kinder. Jeden Mittwoch können die Kinder unter Aufsicht eines Arztes und Anleitung eines speziell ausgebildeten Trainers Sport machen und ihre Grenzen austesten. Die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin arbeitet dabei eng mit den verschiedenen Sparten des TV Bad Mergentheim zusammen, so dass Ball- und Mannschaftssportarten, Turnen und Outdoorsport angeboten werden können. Auch Reiten steht für die Kinder auf dem Programm. Fast 20 Familien meldeten sich außerdem für die erste Elternkontaktgruppe in der Region an.
Beide Projekte werden ausschließlich durch Spendengelder finanziert. Schon im Vorfeld des Kinderherztages stellte die Otto-und-Maria-Blaschek-Stiftung aus Buchen dafür 15.000 Euro zur Verfügung. Bei der bunten Benefizveranstaltung am Abend verzichteten alle Gruppen auf ihre Gage und stellten sich in den Dienst der guten Sache.
Bei der vom Lionsclub Bad Mergentheim organisierten Benefizveranstaltung wurde durch den Verkauf von Tombolalosen, Essen und Getränken sowie durch zwei Großspenden von den Lionsfreunden Karl Reischmann und Manfred Wittenstein ein Betrag von insgesamt 7.000 Euro eingenommen. Am 8.12.09 erfolgte die feierliche Übergabe dieses Betrag an die Organisatoren der Herzsportgruppe im Caritas-Krankenhaus.








