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Wir müssen zeigen, dass ehrenamtliches Engagement Freude bereitet.

Chefredakteur Ulrich Stoltenberg für den LION: Welches Motto hat sich der neue Governorrat gesetzt und was verbirgt sich dahinter?

Fabian Rüsch, Governorratsvorsitzender 2019/20: Der GR 2019/20 folgt der Empfehlung der internationalen Präsidenten der Jahre 2017 bis 2020. Auf der International Convention 2017 in Chicago sind wir gebeten worden, in den auf die 100-Jahr Feier folgenden drei Jahren mit dem Motto „We Serve“ zu arbeiten. Das ist das alle Lions verbindende Motto. Die Verwendung nur dieses einen Mottos weltweit soll ein Zeichen für unsere internationale Verbundenheit sein. Lions ist mehr als ein Club. Wir sind ein weltweiter Verbund von Menschen, die sich dem freiwilligen Engagement verschrieben haben. Wir sind, worauf LCI zu Recht und mit Stolz hinweist, die größte Organisation von Volunteers. Das wollen wir auch so darstellen. LCI hat hierfür die „Campaign 100“ entwickelt die die Lions weltweit anspornen soll, anlässlich unseres Jubiläums besonders aktiv zu sein. In Deutschland beginnen wir mit der Campaign 100 in diesem Jahr. Wir wollen innerhalb der nächsten drei Jahre an 100 Schulen in 100 Städten die umfassende Implementierung von Lions-Quest ermöglichen und neben dem bewährten Lions-„Lichtblicke für Kinder“-Spendenmarathon weitere internationale Projekte verwirklichen, passend zum diesjährigen Kongressthema mit großen Wasserprojekten in Mali, Tschad, Niger und Südsudan.

LION: Welche weiteren Ziele stehen ebenfalls oben an?

Rüsch: Wir haben in Kiel den Weg der Zusammenführung von Hilfswerk der Lions (HDL) und Stiftung der Lions konsequent weiterverfolgt und die Auflösung des HDL beschlossen. Die Arbeit des HDL wird künftig durch die Stiftung fortgeführt. Die Stiftung wird in Zukunft gemeinsam mit dem Multi-Distrikt unter der gemeinsamen Dachmarke „Lions Deutschland“ auftreten. Verbunden hiermit ist der Wunsch einer eng miteinander verzahnten Arbeit nicht nur im Ehrenamt, sondern vor allem auch der Mitarbeiter in der Geschäftsstelle und in der Stiftung. Im Ehrenamt wollen wir dies durch die Mitarbeit der Distrikt-Governor im Stiftungsrat erreichen. Im Hauptamt, indem wir gemeinsame Stabsstellen, zum Beispiel für die Kommunikation und die Buchhaltung, schaffen.

LION: Welchen Stellenwert hat die Governor Crew beim Erreichen der gesteckten Ziele?

 

Erfolge erzielen wir nur im Team.

 

Rüsch: Erfolge erzielen wir nur im Team. Das heißt, dass wir bei der Frage, wie wir beispielsweise die Zuständigkeiten in Geschäftsstelle und Stiftung gestalten wollen, an einem Strang ziehen. Hier ist selbstverständlich nicht nur der Governorrat wichtig, sondern auch der Stiftungsrat und der Stiftungsvorstand sowie die Mitarbeiter. Wir werden einiges an Gremienarbeit leisten müssen. Auch bei der Verwirklichung der „Campaign100“ Projekte geht es meiner Überzeugung nach am besten gemeinsam. Natürlich ist jeder Governor gefragt, sich in seinem Distrikt für die Projektziele einzusetzen und die Clubs zu motivieren mitzumachen, damit wir die Kampagne in drei Jahren erfolgreich abschließen können. Im Governorrat wird aber der Weg hierfür zu erörtern sein.

LION: Um jetzt einmal ausschließlich nach den Frauen zu fragen, immerhin hatten wir gerade erstmals eine Frau an der Spitze der Lions-Bewegung: Was wollen Sie in Ihrem Governorjahr für „Frauen bei Lions“ erreichen/tun?

Rüsch: Die Frage, ob der Lion männlich oder weiblich ist, muss zunehmend zurücktreten. Es muss schlicht völlig normal sein, dass Menschen jeden Geschlechts zusammenarbeiten. Zurzeit ist das leider noch nicht der Fall. Es gilt, in den rein männlichen und den rein weiblichen Lions Clubs für eine Öffnung zu werben. In den Gegenden, wo es nur rein männliche oder weibliche Clubs gibt, muss durch die Gründung gemischter Clubs die Möglichkeit geschaffen werden, sich unabhängig vom Geschlecht bei Lions engagieren zu können.

LION: Jetzt haben wir gerade die Internationale Convention in Mailand hinter uns, welcher Teil davon hat Dich besonders bewegt?

 

Die Welt ein wenig besser zu machen.

 

Rüsch: Kein separater Teil, wie etwa die fröhliche Parade, der wieder sehr gut organisierte deutsche Empfang, sondern das Gemeinschaftserlebnis. Es ist immer wieder beeindruckend zu erleben, wenn Lions aus den unterschiedlichsten Ländern zusammenkommen und die Gemeinschaft feiern. Der Konsens, den man überall spürt. Der Wille, gemeinsam etwas zu erreichen. Die Welt ein wenig besser zu machen. Etwas Positives zu erreichen. „Aufzubauen und nicht einzureißen“, wie es in unseren Ethischen Grundsätzen steht. Und wenn man, wie ich, schon einige Jahre dabei ist, bereits ein internationales Amt bei Lions bekleidet hat und mehrere Conventions besucht hat, dann trifft man natürlich auch persönliche Bekannte und Freunde wieder.

LION: Wie wichtig ist unsere Kooperation mit dem Spendenmarathon bei RTL, in diesem Jahr für Tansania zum 9. Mal?

Rüsch: Erst die Kooperation ermöglicht es uns, unser Projekt zu verwirklichen. Wir wollen eine Augenklinik in Mwanza in Tansania am Viktoriasee errichten. Dafür spenden wir. Das Projektvolumen beträgt gut 1,5 Millionen Euro. Hiervon werden wir, wie in den vergangenen Jahren, gut ein Drittel aufbringen und erhalten dann einen Zuschuss der RTL-Stiftung von 500.000 Euro und beantragen einen Zuschuss des BMZ von bis zu 500.000 Euro. Ohne RTL und auch ohne die öffentlichen Zuschüsse geht es nicht. Vielen Dank bereits an dieser Stelle dafür!

LION: Stichwort sinkende Bereitschaft ein Ehrenamt zu übernehmen?

 

Ein Ehrenamt zu übernehmen bedeutet Arbeit und Verantwortung. Und: Wir müssen zeigen, dass ehrenamtliches Engagement Freude bereitet.

 

Rüsch: Ein Ehrenamt zu übernehmen bedeutet Arbeit und Verantwortung. Hierzu sind zunehmend weniger Menschen bereit. Diese Entwicklung ist nicht nur im Ehrenamt zu beobachten. Auch im Arbeitsleben nimmt die Bereitschaft zu Leistung und Verantwortung ab. Stichwort Generation Y bzw. Work-Life-Balance. Viele freiberuflich Tätige beklagen, dass sie keine Mitarbeiter finden, die bereit sind, Partner der Praxis oder Kanzlei zu werden. Angestellt ja, aber unternehmerische Verantwortung? Wir müssen zeigen, dass ehrenamtliches Engagement Freude bereitet. Ich denke, es geht nur über Vorbilder, sowohl beruflich wie im Ehrenamt. Dass es sich nicht um lästige, zusätzliche Arbeit handelt, die einem die Freizeit beschneidet, sondern um eine sinnvolle und befriedigende Beschäftigung. Ein Gutteil können wir in unseren Clubs aber auch dadurch beitragen, dass wir unsere jeweiligen Amtsträger wertschätzen und sie unterstützen. Das beginnt dabei, dass man regelmäßig an den Clubabenden teilnimmt, sich an-, bzw. abmeldet und auch mal aus eigenem Antrieb eine Aufgabe übernimmt. Das Ehrenamt im Club bzw. auch darüber hinaus wird dann Freude bereiten, die man ausstrahlt und die andere begeistert.

LION: Vielen Dank für das interessante Gespräch.

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