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Rauchverbot Smoke Gets in Your Eyes

Erinnerungen wie diese von Marcel Proust sind längst Vergangenheit. Nichtrauchergesetze, Werbeverbote für Tabak und Aufklärungs- kampagnen zeigen Wirkung. Rauchen ist nicht mehr schick. Schon vor Jahren mutmaßte der "Spiegel", werden wir eines Tages Teile des "Zauberbergs" von Thomas Mann nicht mehr begreifen. Zum Beispiel jenen nicht, in dem er Hans Castorp sagen lässt:
"Ich verstehe nicht, wie jemand nicht rauchen kann, – er bringt sich doch, sozusagen, um des Lebens bestes Teil und jedenfalls um ein ganz eminentes Vergnügen! Wenn ich aufwache, so freue ich mich, dass ich tagsüber werde rauchen dürfen, und wenn ich esse, so freue ich mich wieder darauf, ja ich kann sagen, dass ich eigentlich bloß esse, um rauchen zu können".                                                                                                                                           
In den 1950er-Jahren gehörte es noch zum guten Ton, dass der Gastgeber nach dem Essen Zigaretten reichte. Heute frieren rauchende Gäste - zumeist freiwillig - auf dem Balkon. Wer einen Blick in die Zukunft werfen will, der schaue nach Belmont bei San Francisco. Dort dürfen nur noch Bewohner freistehender Einfamilienhäuser unbeschwert zur Zigarette greifen.  
Um gleich Missverständnisse auszuräumen: Rauchen stinkt, ist ungesund und oft sogar tödlich. Selbstverständlich muss das Rauchen an Orten verboten sein, wo Nichtraucher ohne Alternative dem Rauch nicht ausweichen können. Niemand zweifelt die Rationalität solcher Argumente an. Deshalb setzen sich Lions auch tatkräftig dafür ein, dass Kinder und Jugendliche erst gar nicht mit dem Rauchen anzufangen. Etwa im Rahmen von „Klasse2000", dem bundesweit größten Programm zur Gesundheitsförderung, Sucht- und Gewaltvorbeugung in der Grundschule.                                                                                                                                                    
Doch vielen Rauchern geht es um etwas anderes. Ihr Eindruck ist, dass sich aus einer wünschenswerten Kampagne zum Schutz von Nichtrauchern in kürzester Zeit eine aggressive Kampagne gegen Raucher entwickelte. Sie beklagen die Unbarmherzigkeit, die hier exorzistisch am Werk ist und fragen sich, ob es noch um Nichtraucherschutz geht oder einfach bloß um missionarische Gängelei?                                                                                                                                                                                 
Zu den Zielen von Lions Clubs International gehört es, die offene Diskussion aller Angelegenheiten von öffentlichem Interesse zu pflegen, ohne jedoch politische Fragen parteiisch und religiöse Fragen unduldsam zu behandeln. Aus dieser guten Tradition heraus haben wir zwei Experten eingeladen, Stellung zum Thema „Rauchverbot" zu beziehen. Beide sind Mitglied bei Lions Clubs International.
Karl-Heinz Florenz ist Gründungsmitglied des LC Neukirchen-Vluyn und seit 1989 Europaabgeordneter der CDU für Nordrhein-Westfalen. Umweltpolitik und Gesundheitsschutz sind die Schwerpunkte seiner politischen Arbeit in Brüssel und Straßburg. Im Europaparlament ist er Mitglied des Ausschusses für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit sowie der Delegation für die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten. Ferner ist er u.a. Stellvertreter des Ausschusses für Binnenmarkt und Verbraucherschutz sowie Berichterstatter im Ausschuss des Europäischen Parlaments zum Klimawandel und für das Grünbuch "Für ein rauchfreies Europa". Zum Beitrag

Alexander U. Martens ist Gründungsmitglied im LC Darmstadt-Castrum und Ehrenmitglied im LC Quedlingburg. 1998/99 war er Governor im District 111 MS und brachte die erste – und bis heute einzige – gemeinsame Activity auf nationaler Ebene mit den Rotariern auf den Weg: Die Wiederherstellung des denkmalgeschützten Hauses „Weingarten 22" in Quedlinburg, das seit 2003 als „Haus der Lions und Rotarier" der dortigen Lebenshilfe als Wohnheim für leicht Behinderte dient. Eberhard Wirfs zeichnete ihn dafür im Juni mit dem „International Presidents Award" aus. Vielen ist Martens als langjähriger ASPEKTE-Moderator und als Leiter und Moderator der ZDF/3sat-Reihe "Wissenschaft im Kreuzverhör – Nachdenken über die Gesellschaft von morgen" in Erinnerung. Er arbeitete zuvor in verschiedenen deutschen Verlagen tätig und war von 1964-75 Kommunikationschef des Börsenverein des Deutschen Buchhandels und der Frankfurter Buchmesse. 2005 initiierte er die "Neuen Darmstädter Gespräche" und leitet diese Gesprächsreihe in Kooperation mit dem Staatstheater Darmstadt. Zum Beitrag

Autor: Martin Kreymann