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Bildungslotesn für Duisburg e.V. hilft Integration durch Vorbilder

Bildungslotsin mit Schützling

ANNEGRET ANGERHAUSEN-REUTER UND INGRID BROMMUNDT

Lotsen geleiten als erfahrene Nautiker durch Untiefen, gewähren sicheres Geleit im wechselhaften Strom der Zeit und haben eine Beraterfunktion inne. Ihre Hauptaufgabe ist der Schutz von Mensch und Umwelt. Diesem Leitbild folgend, hat sich der Verein „Bildungslotsen für Duisburg e.V.“ etabliert und ist ein Musterbeispiel für eine gelungene Kooperation von Stadt und engagierter Stadtgesellschaft. Vor rund drei Jahren wurde der Verein vom LC Duisburg Concordia gegründet, um die Bildungsgerechtigkeit in der Mercatorstadt zu erhöhen. Begleitet wird der Verein durch das Projekt „Lernen vorOrt“, von dem Büro Bildungsregion Duisburg, dem Jugendamt der Stadt Duisburg, dem Kommunalen Integrationszentrum sowie der Volkshochschule Duisburg. Um im Bild des Lotsen zu bleiben: Die ehrenamtlich tätigen Bildungslotsen helfen Kindern aus sozial benachteiligten Familien beim Übergang von der Kindertagesstätte in das „unbekannte Gewässer“ Grundschule. Sie unterstützen die Kinder sowohl im sprachlichen als auch im kognitiven und (fein)motorischen Bereich, damit diese im Vergleich zu ihren Mitschülern aus sozial stabilen Strukturen nicht schon benachteiligt „in See“ - sprich: in den Grundschulalltag - stechen.

 Tätigkeitsfeld der Lotsen ist breit gefächert Die Lotsenkinder sind dabei regelmäßig im Kindergartenalter. Das Tätigkeitsfeld der Lotsen ist deshalb auch breit gefächert und ganzheitlich ausgerichtet. Ihrem Schützling Geschichten zu erzählen und vorzulesen, gehört ebenso zum Repertoire wie der gemeinsame Besuch von Stadtbüchereien, Theatern, Museen oder Schwimmkursen. Hinzu kommt die Vermittlung eines Zahlenverständnisses sowie kindlichen Erfahrungswissens im Bereich der Sachkunde, etwa über Tiere, Pflanzen und Farben oder andere naturwissenschaftliche Phänomene. Hervorzuheben ist, dass die Bildungslotsen ihr Engagement maßgeschneidert an die individuellen Bedürfnisse der von ihnen betreuten Jungen und Mädchen anpassen. Das bedeutet, dass bei Bedarf der Umgang mit Stift und Schere fürs Schreiben und Basteln gelehrt oder das Fahrradfahren trainiert wird. Das alles geschieht stets planvoll und in enger Abstimmung mit der jeweiligen Bildungseinrichtung. Auch die Lehrerinnen und Lehrer wissen diese Förderung zu schätzen und sehen in den „Bildungslotsen für Duisburg“ eine wichtige Begleitung beim Bildungsübergang von der Kindertagesstätte in die Grundschule.

 

Integrationslotsen für die gesamte Familie Oftmals wenden sich daher Lehrerinnen und Lehrer an den Lotsen, der als Mittler die Pädagogen mit der Familie vernetzt. „Wir sind uns sicher, dass die „Bildungslotsten für Duisburg“ eine erhöhte Bildungsgerechtigkeit schaffen, indem sie Kindern aus sozial benachteiligten Familien mit und ohne Migrationshintergrund nachhaltig beim Schuleinstieg helfen“, so Ursula Baaten, erste Vorsitzende des Vereins Bildungslotsen für Duisburg e.V. und Gründungspräsidentin des LC Duisburg- Concordia. Betreuen die Bildungslotsen Kinder mit Migrationshintergrund, fungieren sie oft auch als Integrationslotsen für die gesamte Familie. So gehen sie zum Beispiel auch oft mit zu Behörden. Und auch nach dem immens wichtigen ersten Grundschuljahr geht der Lotse meist nicht von Bord. Vielmehr ist es in der Mehrzahl der Fälle so, dass eine nachhaltige, langjährige Begleitung der gesamten Familie beidseitig gewünscht wird. „Damit sind die Bildungslotsen ein immenser Gewinn für alle: Die Bildungschancen von Kindern aus bildungsfernen oder sozial benachteiligten Milieus steigen in der Stadt“, betont Thomas Krützberg, der Dezernent für Familie, Bildung und Kultur der Stadt. Darüber hinaus erleben die Lotsen das Engagement als menschlich wie interkulturell bereicherndes Ehrenamt. Eine von diesen Bildungslotsen ist Ursula Winkels aus Duisburg-Ungelsheim. Sie betreut die fünfköpfige Familie Tran aus Vietnam. Angesprochen darauf, warum sie sich für diese Form des Ehrenamts entschieden hat, antwortet Winkels: „…weil es mir ein Anliegen und eine Freude ist, Menschen, insbesondere Kindern, aus anderen Ländern zur Seite zu stehen. Sei es im Alltag, beim Kennenlernen der deutschen Sprache und Kultur oder beim Übergang von der Kita in die Schule. Damit bauen beide Seiten Unsicherheiten ab. Auch kann ich dadurch zu mehr Integration beitragen. Den Zugang zu einer fremden Kultur empfinde ich als Geschenk. Dieses Ehrenamt hat mir schon viele Glücksmomente beschert, die ich nicht missen möchte.“

 

Anforderungen an ehrenamtliche Bildungslotsen

  • Erweitertes polizeiliches Führungszeugnis für den Bereich der Jugendhilfe
  • durchschnittlicheVerfügbarkeit pro Woche: mindestens vier Stunden
  • Bereitschaft, mindestens 18 Monate lang das Ehrenamt auszufüllen
  • Teilnahme an Fortbildung, Supervision und gemeinsamen Teambesprechungen
  • offene und tolerante Grundhaltung gegenüber den zu betreuenden Kindern und Familien
  • die Fähigkeit, den Familien auf Augenhöhe zu begegnen
  • interkulturelle und soziale Kompetenz
  • Wohnort in Duisburg
  • gute Kenntnisse über den Stadtteil des Lotsenkindes
  • Mobilität
  • gute Deutschkenntnisse undWissen über das Bildungssystem
  • pädagogische Vorerfahrung von Vorteil
  • Referenzen
  • Interessen, Hobbys, die in die Arbeit eingebracht werden können.

Gesucht werden also Persönlichkeiten, die „kultursensibel“ und mit Freude mit
den beteiligten Familien und Institutionen arbeiten können und wollen.