Asset-Herausgeber

null BZ-Interview mit Wolfgang Bosbach (08.02.2020)

BZ-Interview mit Wolfgang Bosbach (08.02.2020)

BORKEN/RAESFELD. Am kommenden Mittwoch ist Wolfgang Bosbach Gastredner beim traditionellen Moos-Dinner des Lions-Clubs Borken. Vorab sprach BZ-Redakteur Peter Berger mit dem bekannten CDU-Politiker.

BZ: Wie bewerten Sie Ablauf und Ergebnis der Ministerpräsidentenwahl in Thüringen und welche Schlüsse sollte die CDU daraus ziehen?
Wolfgang Bosbach: Die CDU hat aus guten Gründen auf einen eigenen Kandidaten verzichtet, um nicht auf die Stimmen der Höcke-AfD angewiesen zu sein – und stimmt dann mit ihr gemeinsam für den Kandidaten der FDP. In der Politik geht es auch um Vertrauen und Verlässlichkeit. Für die Union muss das heißen: Auf uns könnt Ihr Euch verlassen! Wir machen keine gemeinsame Sache mit AfD oder Linkspartei. Auch in Erfurt hätte man diese Linie durchhalten müssen.

BZ: Sie werden beim Moos-Dinner des Lions-Clubs Borken vor allem über die aktuelle Arbeit der GroKo sprechen. Plaudern Sie vorab ein wenig aus dem Nähkästchen…Hält die Koalition bis zum Ende der Legislaturperiode Ende 2021?
Bosbach: Zu gut 90 Prozent ja, aber ein Restrisiko des Scheiterns kann ich natürlich nicht ausschließen. Die SPD ist in einem historischen Tief und für den Fall des Koalitionsausstieges käme es wohl zu Neuwahlen. Dann würde vermutlich ein Drittel der SPD-Abgeordneten nicht mehr in den Bundestag zurückkehren. Und da auch die Union zurzeit demoskopisch nicht in Hochform ist, wird auch sie an der Koalition festhalten und hoffen, dass die Zustimmung zu ihrer Politik bis Herbst 2021 wieder steigt.

BZ:  Wann wird das Kabinett umgebaut?
Bosbach: Es steht ja nicht einmal fest, ob überhaupt, geschweige denn wann. Über die im Koalitionsvertrag verteilten Ressorts und die jeweiligen Minister und Ministerinnen entscheiden die Parteien souverän. Auch über das Ob und das Wann.

BZ: Wer wird nächste/nächster Kanzlerkandidatin/Kandidat der Union?
Bosbach: Da kann ich endlich mal eine präzise Auskunft geben: Der- oder diejenige, auf den sich CDU und CSU einigen. Mein Rat: Nicht schon jetzt Personaldebatten führen, die frühestens im Herbst entschieden werden müssen.

BZ:  Was wird aus Friedrich Merz?
Bosbach: Aus Friedrich Merz muss nicht erst noch etwas werden, er ist schon seit Jahrzehnten ein herausragender politischer Akteur, sei es mit oder ohne öffentlichem Amt. Er hat einen klaren ordnungspolitischen Kompass, ist ein glänzender Redner und hat ein hohes Ansehen. Alles weitere: Schau’n mer mal....

BZ:  Was gibt’s sonst so Neues in Berlin?
Bosbach: Gute Frage. Hätte fast gesagt: Im Osten nichts Neues – bis auf die Neuigkeiten aus Thüringen, aber auf die hätte ich gut verzichten können. Ich warte wie viele andere mit Spannung darauf, ob diese Koalition jetzt einen fulminanten Endspurt hinlegt oder auch die nächsten anderthalb Jahre in einer Art politischem „Infight“ verharrt.

BZ:  Haben Sie jemals mit einem Ministerposten geliebäugelt?
Bosbach: Ich hätte mich gegen ein Ministeramt nicht ernsthaft gewehrt und 2005 hatte ich ja auch die nicht unberechtigte Hoffnung, in ein solches befördert zu werden. Diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt, mir war klar, sie wird sich auch nie erfüllen, aber darunter habe ich nicht gelitten. Die meisten, die gerne Minister würden, werden es nicht. So ist das Leben.

BZ:  Sie haben sich aus der ersten Reihe der Bundespolitik zurückgezogen. Inwieweit hatten Sie inzwischen Gelegenheit zum Verschnaufen?
Bosbach: Wenn es eines Tages soweit sein sollte, sage ich sofort Bescheid. Bis jetzt hat sich nicht viel geändert.

BZ:  Nach Schwächeanfällen zweier Abgeordneter kam eine Debatte darüber auf, wie stressig der Job eines Parlamentariers ist. Wie haben Sie, auch mit Blick auf Ihre Erkrankungen, die Belastung als Berufspolitiker wahrgenommen?
Bosbach: Für mich waren die Belastungen nie ein größeres Problem. Weder zeitlich, noch physisch, noch psychisch. Ernsthaft erkrankt war ich ja schon vorher. Wer in die Politik geht und dort leidenschaftlich arbeitet, muss wissen: Mit Wellness hat das nichts zu tun.

BZ:  Angriffe gegen Politiker, insbesondere Kommunalpolitiker, häufen sich. Was ist dagegen zu tun?
Bosbach: Ernst nehmen, aber nicht einschüchtern lassen, enge Kooperation mit den Sicherheitsbehörden, deren Rat ernst nehmen aber nicht allzu sehr öffentlich darüber sprechen, das animiert nur Nachahmungstäter.

BZ:  Ihren Bekanntheitsgrad haben Sie auch Ihren zahlreichen Auftritten in Talkshows und politikfernen Engagements wie der Mitwirkung in der Miss-Germany-Jury zu verdanken. Wie schmal ist der Grat zwischen nüchterner Sachpolitik und dem Boulevard?
Bosbach: Der Grat ist schmal, aber die Politik wird nicht besser, wenn die Politiker nur Politik und nichts anderes im Kopf haben, wenn sie komplett humorbefreit agieren, oder nicht auch mal über sich selber lachen können. Bei mir im Büro wurde immer hart gearbeitet – und trotzdem viel gelacht. Wieso soll nicht beides zugleich möglich sein?

BZ: Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, den Sie an Frau Merkel richten könnten: Was würden Sie ihr sagen?
Bosbach: Liebe Angela, es gibt auch ein Leben nach der Politik. Genieße es!