Hilfsprojekt im Niger (11.04.2018)

Hilfsprojekt im Niger (11.04.2018)

BORKEN/DIFFA. Seit Jahren sind schlechte Nachrichten aus Zentralafrika an der Tagesordnung. Millionen Menschen sind vor Terror, Krieg und Hunger auf der Flucht. Experten sprechen insgesamt von etwa zehn Millionen Vertriebenen, die in die jeweiligen Nachbarländer geflohen sind – wo die Lebensverhältnisse in der Regel ebenso katastrophal sind. Etwa 250.000 Flüchtlinge leben allein in der Region Diffa im Osten des Niger unter desolaten hygienischen Bedingungen. Sie leiden in den Flüchtlings-Camps vor allem an Mangelernährung und medizinischer Unterversorgung. Die unzähligen Kinder, die vor den Gräueltaten der nigerianischen Terror-Organisation Boko Haram flohen und dringend psychosozialer Betreuung bedürfen, sind die besonders Leidtragenden.
Anlass genug für den Lions Club Borken, Hilfe zu leisten. In Zusammenarbeit mit dem Hilfswerk Deutscher Lions (HDL), dem christlichen Hilfswerk World Vision und mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes ist Anfang 2017 das Kinderschutzprojekt WaSH (Wasser, Sanitär, Hygiene) ins Leben gerufen worden. Das finanzielle Gesamtvolumen, das in dieses Projekt investiert wurde, beläuft sich auf rund 560.000 Euro. Allein 66.000 Euro steuerte der Lions Club Borken zusammen mit der Kastellstiftung bei.
Über die Arbeit vor Ort und den aktuellen Stand des Projekts konnten sich die Lions am Montagabend bei einem Vortrag im Hotel Lindenhof überzeugen. Die World-Vision-Mitarbeiter Albrecht Hartmann (Agrar-Ingenieur und Director Transformational Development International Programs) und Georg Kessler (Senior Referent Philanthropie) berichteten aus dem Niger.
„World Vision unterstützt derzeit 272 Projekte in 72 Ländern. Dabei geht es unserem Hilfswerk, das sich seit über 60 Jahren den Armen dieser Welt verpflichtet fühlt, um langfristige und nachhaltige Entwicklungs-Zusammenarbeit“, erklärte Kessler einführend die Arbeit des Hilfswerks.
„Die Bevölkerung im Niger leidet seit vielen Jahren unter andauernder Lebensmittel- und Wasserknappheit. Das so genannte Armenhaus der Welt steht auf dem Wohlstandsindikator, der 189 Staaten erfasst, auf dem vorletzten Platz“, leitete Albrecht Hartmann, als Fachmann häufiger vor Ort, seinen Vortrag ein. „Mit Hilfe der Lions Borken konnten wir nun innerhalb eines Jahres nördlich der Stadt Diffa in der Peripherie des Tschadsees fünf Brunnen sowie dringend benötigte Sanitäranlagen bauen. Bevor die Bohrungen, die in der Region bis auf rund 80 Meter Tiefe geführt werden müssen, allerdings beginnen konnten, waren zunächst geologische und hydrologische Gutachten einzuholen, um die nachhaltige Ergiebigkeit der Brunnen sicherzustellen.“
Die Arbeiten vor Ort fanden aufgrund der angespannten Sicherheitslage unter ständiger Begleitung bewaffneter Sicherheitskräfte statt. Dennoch sei es den Teams gelungen, neben dem Bau der Anlagen über 50 Einheimische so intensiv in den technischen Details zu unterweisen, dass sie langfristig die Anlagen warten und auch instandsetzen können, beschreibt Hartmann die Begleitumstände.
Unter großem Beifall der rund 40 Gäste nahm Dr. Karl-Wilhelm Stell, Senior der Lions Borken, ein Präsent aus der Region für sein Engagement entgegen.