Kein Kind zurücklassen (16.1.2018)

Kein Kind zurücklassen (16.1.2018)

BORKEN. (ska) Damit Kinder aus – wie es früher hieß – einfachen Verhältnissen an Klassenfahrten teilnehmen oder die Musikschule besuchen können, gibt es seit einigen Jahren das Bildungs- und Teilhabepaket. Kinder aus Familien, die Hartz IV oder andere Sozialleistungen (siehe Zum Thema) beziehen, werden so über die Kommune finanziell unterstützt. „Es gibt aber auch Familien, die diese Voraussetzungen knapp verfehlen, bei denen es für Klassenfahrten oder eine neue Jacke trotzdem nicht reicht“, sagt Willy Hetkamp. Um diese Lücke zu schließen, hat der Lions Club, zu dessen Mitgliedern Hetkamp zählt, ein neues Programm ins Leben gerufen: „Finanzielle Unterstützung bedürftiger Kinder in Borken und Umgebung“.

Die Idee: Da einspringen, wo die finanzielle Unterstützung der Ämter und Schulträger endet. Um das Ganze so unbürokratisch wie möglich abwickeln zu können, haben die Lions die Schulen direkt ins Boot geholt. „Die Lehrer sind doch am nächsten dran“, erklärt Hetkamp.

In einer Testphase haben die Gesamtschule Borken-Raesfeld, die Jodocus-Nünning-Gesamtschule und die Cordula-Grundschule das Programm getestet. „Das ist eine tolle Sache“, schwärmt Christel Bernard, Rektorin der Grundschule in Gemen, weil es „ein beruhigendes Polster“ für Notfälle schaffe. In welchen Fällen ein Zuschuss nötig ist, entscheidet die Schule selbst. Der Lions Club will nur wissen, wann wie viel Geld für welchen Zweck ausgegeben wurde – die Kinder bleiben anonym.

Den Schulen stellen die Lions über deren Fördervereine 1000 Euro (für weiterführende Schulen) beziehungsweise 500 Euro (für Grundschulen) zur Verfügung. Ist das Budget aufgebraucht, wird Nachschub beantragt. Einen solchen Antrag hat Friederike Krämer-Brand gerade gestellt. „Eine sehr gute Angelegenheit“, findet die Leiterin der Jodocus-Nünning-Gesamtschule, bei der es darauf ankommt, die einzelnen Fälle genau zu prüfen.

„Am Anfang hatte ich etwas Bauchschmerzen“, gibt Axel Heinz, Leiter der Gesamtschule Borken-Raesfeld, zu. Denn über finanzielle Unterstützung zu entscheiden, gehört gemeinhin nicht zu den Aufgaben von Lehrern. Diese Bedenken sind weg: „Ich bin froh, dass wir das haben.“

Der Lions Club will nun einen griffigen Namen finden und das Programm auf andere Schulen in Borken, Heiden, Raesfeld, Reken und Velen ausweiten. Was das insgesamt kostet, ist noch gar nicht klar, erklärt der aktuelle Lions-Präsident Dr. Markus Bourry. „Mal sehen, wie weit wir mit unseren Mitteln kommen“, sagt er. Der Lions Club hofft, Unternehmen als Sponsoren für das Programm zu gewinnen.

lions.de/web/borken/