Wirtschaftsministerin zu Besuch

 

Unprätentiös und entspannt trat Nicole Hoffmeister-Kraut am Montag Abend, 11.3.2019, beim gemeinsamen Clubabend der beiden Balinger Lionsclubs auf. Die Balingerin genoss das Treffen mit vielen langjährigen Weggefährten sichtlich. Eingeladen zum Vortrag hatten die beiden Clubpräsidenten, Simone Mehrer und Joachim Calmbach. „Das Auto wird zum zweiten Mal erfunden“, so die Überschrift des Vortrags. Dabei hatte die Ministerin auch jede Menge brandaktuelle Infos aus dem landespolitischen Nähkästchen mitgebracht.

Und aus China. Hoffmeister-Kraut ist quasi erst wieder im Ländle gelandet nach der Delegationsreise ins Reich der Mitte. Die Handelszölle („Das ist ein Tabubruch von Trump“) machen auch vielen chinesischen Mittelständlern zu schaffen. Das Wachstum schwäche sich ab. Aber: die chinesische Regierung hat ein Milliardenpaket an staatlicher Förderung für den Aufbruch ins digitale Zeitalter ausgeschüttet.

„Die Chinesen haben die WeChat-App auf dem Handy“, berichtet die Ministerin. Damit werde bezahlt, Termine beim Arzt vereinbart oder der Tisch im Restaurant gebucht. Praktisch für den Nutzer, umgekehrt hat die App die Kontrolle über eine Milliarde Anwender.

„Wir sind in Sachen google und amazon längst abgehängt“, weiß Hoffmeister-Kraut. „Es gibt kein europäisches facebook.“ Aufholen könne man in diesem Bereich im Ländle nicht mehr, sagt sie realistisch. Aber es gelte, finanzielle Mittel für die Unternehmen zur Verfügung zu stellen, um die hiesigen Kernkompetenzen zu stärken. Baden-Württemberg sei noch immer ein starkes Industrieland, zu dem China aufblicke.

Anders als dort gibt es im Ländle keine großen Metropolen. Viele weltweit agierend Firmen verstecken sich in kleinen Orten. Von dort aus gehe die Digitalisierung hinaus, wenngleich die Ministerin auch einräumen muss, dass es mit dem Breitbandausbau so einfach nicht sei. Wolle man zum Beispiel Albstadt flächendeckend verkabeln, würde dies 80 Millionen Euro kosten. Die Alternative wären Mobilfunkmasten. Aber da sei es wie mit der Windkraft: „Jeder will das, aber keiner will einen Mast bei sich.“

Ideen hat die Balingerin. Den Soli abschaffen, zum Beispiel, und die Gelder in die Zukunftsförderung stecken. Die sieht sie zum Beispiel in der Entwicklung künstlicher Intelligenz, das Land unterstützt die Unternehmen bereits. „Hier sind wir an führender Position unterwegs.“ Die Welt sortiere sich gerade neu. Auch in Sachen Auto. „Mir ist nicht bang, dass Baden-Württemberg den elektrischen Antrieb erfolgreich auf den Markt bringt.“

Die Bauwirtschaft boome, dem Handwerk gehe es gut. Aber in einem Bundesland, in dem jeder dritte Job vom Export abhänge, berge die Welt auch Risiken. Stichwort Brexit. Den 29. März hat Hoffmeister-Kraut sich freigehalten. „Ich glaube aber nicht, dass dieses Datum gehalten werden kann.“

​​​​​​​Von Silke Thiercy