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Raum der freien Fantasie


Heute, am 22. Juni 2012, lerne ich einen besonderen Raum kennen. Er befindet sich im Keller des Haupthauses unseres Kinderhauses Berlin-Mitte e.V. Dort haben die Instrumente, die ich Euch gleich beschreiben werde, einen idealen Platz gefunden. Der Raum ist klein, aber fein. Hier stehen ein Keybord und ein großes Schlagzeug. Ich entdecke ein Tischschlagzeug, E-Gitarren, eine Gitarre, Mikrofone, ein Tamburin und Bongos, zwei Didgeridoos, Verstärker und große Boxen. Ich probiere einige Instrumente aus. Zuerst die Gitarre, dann das Schlagzeug und anschließend das Keybord. Jedes Instrument begeistert mich, obwohl ich keine idealen Töne hervorbringe. Aber darum geht es auch nicht. Ich spüre, dass es schön ist, Töne und Melodien zu spielen und dabei dem Klang zu lauschen. Die Gitarre ist zu groß für mich. Ich zupfe an den Saiten und halte sie dabei schon sehr professionell. Beim Schlagzeug muss ich erst einmal lernen, den Takt mit dem Fuß zu halten, bevor ich trommle. Ich muss mich sehr konzentrieren. Das Keybord-Spielen ist einfacher. Ich klimpere „Hänschen klein, ging allein“. Aus dem Didgeridoo bekomme ich keinen Ton raus. Dafür ist meine Lunge wohl noch zu klein.
 
Inzwischen sind drei Kinder aus der Clearinggruppe mit ihrem Betreuer Schmu in den Musikraum gekommen. Der kleine Marcel will das Schlagzeug ausprobieren. Das macht er gut, auch wenn der Hocker für ihn zu hoch ist. Marry Ann und Anh Hong setzen sich ans Keybord. Schmu erklärt ihnen, das die dunklen Tasten für die traurigen und die weißen für die fröhlichen Töne sind. Da Marcel noch nie in ein Mikrofon gesprochen hat, will er es ausprobieren. Wie ein Rapper spricht er ins Mikrofon immer wieder den Satz: „Ich bin der Kaiser von China.“ Als ich wissen will, ob er weiß, wer das ist, schüttelt er den Kopf. Macht nichts. Mein Lieblingsinstrument ist nicht dabei. Es ist das Saxophon. Seit Mai lerne ich, Alt-Saxophon zu spielen. Ich habe noch kein eigenes Instrument und übe deshalb ohne, um meine Finger zu trainieren. Das geht gut.
 
Der Musikraum begeistert nicht nur mich. Marcel ist stolz auf seine ersten Rap-Versuche. Marry Ann und Anh Hong erfreut das Keyboard-Spielen. Für mich ist Musik sehr wichtig, weil ich dabei entspannen kann. Musik zeigt mir auch, in welcher Stimmung ich bin. „Deshalb werden die Instrumente auch für therapeutische Zwecke für die Kinder und Jugendlichen aller Gruppen eingesetzt“, erzählt Uwe Passing, stellvertretender pädagogischer Leiter des Kinderhauses und verantwortlich für den Musikraum. „Die Kinder und Jugendlichen sollen erfahren, wie eigenes Musizieren ihren Alltag bereichert, welches Instrument ihnen am besten liegt, wie ihre Kreativität, aber auch der Mut, vor anderen zu spielen, gefördert wird. Wer musiziert, offenbart viel von sich selbst. Musik hilft Gefühle zu zeigen, was die Sprache nicht immer vermag. Der griechische Philosophen Platon sagt, dass die Erziehung zur Musik von höchster Wichtigkeit ist, weil Rhythmus und Harmonie machtvoll in das Innerste der Seele dringen und helfen das auszudrücken, auf dem sonst Schweigen liegt.“ 
Ohne den Lionsclub Berlin-Kurfürstendamm würde es dem Musikraum nicht geben. Deshalb sage wir vielen, vielen herzlichen Dank. Einen Namen für den Musikraum habe ich mir auch schon überlegt: „Raum der freien Fantasie“. 
Justine, unterstützt von BP

 

www.kinderhaus-berlin.de