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Kalemie - eine Krankenstation im Kongo

Kalemie - eine Krankenstation im Kongo

Krankenstation in Kalemie

(Bericht von Joachim Franzke)


 

Die Stadt Kalemie liegt am Westufer des Tanganjikasees in der Demokratischen Republik Kongo (Provinz Katanga). Dort befindet sich eine Krankenstation für Lebra- und Tuberkuloseerkrankungen (CATAL), die seit 1971 von der Steinheimer Bevölkerung und den Mitgliedern der Pfarrgemeinde Sankt Barbara aus Köln unterstützt – ja, man darf sicherlich auch sagen – finanziert wird. Mit den jährlichen Spendengeldern aus Deutschland ist es den Verantwortlichen vor Ort möglich, den Patienten der Station die erforderliche ärztliche Versorgung und der Bevölkerung vielfältige Hilfeleistungen zuteil werden zu lassen. Das Spektrum der Erkrankungen reicht von Augenentzündungen und Wundbrand bis hin zu Lepra- und Aids-Erkrankungen. Die Mittel werden zum Teil auch dafür eingesetzt, Hygiene- und Personalschulungen durchzuführen, um damit Grundlagenarbeit für eine bessere Gesundheitsvorsoge zu leisten.

Nur durch den jährlichen außerordentlichen Spendenbeitrag ist die lebensnotwendige medizinische Versorgung in der Krankenstation bis heute sichergestellt. Allerdings ist eine weitere finanzielle Hilfe unverändert dringend notwendig, wie der aktuelle Hilferuf des gebürtigen Steinheimer Paters Helmut Simonowski bestätigt. Da Pater Simonowski auch direkt vor Ort tätig ist lässt sich gewährleisten, dass die Spendengelder unmittelbar bei den Hilfebedürftigen ankommen und nicht für Verwaltungstätigkeit, Werbung, etc. zweckentfremdet werden.

Häufig fehlt es an Medikamenten zur Bekämpfung von Tuberkulose und Lepra. Die jährlichen Spenden ermöglichen es, nicht nur den Mitarbeitern monatlich etwa 90 US-Dollar zu zahlen, sondern auch den stationären Aufenthalt und das Essen der Patienten. Ebenso werden die Medikamente für die oft mittellosen Patienten finanziert. Die Patienten kommen aus einer Entfernung von bis zu 200 Kilometern. Die Ärzte selbst bekommen vielfach kein Gehalt sondern nur Prämien. Ausschließlich der Unterstützung aus Deutschland ist es zu verdanken, dass sich die ca. 50 Jahre alten Gebäude in Kalemie in einem sauberen und ordentlichen Zustand befinden und sich dadurch die medizinische Versorgung über viele, sehr unterschiedliche Bereiche erstrecken kann. Bei den nachfolgend ausgewiesenen Zahlen handelt es sich um durchschnittliche Werte der vergangenen Jahre:


 

1. Tuberkulose
Diagnostik und Behandlung von 293 neuen Fällen, davon 236 Fälle von Lungentuberkulose, 57 Sonderfälle von Tuberkulose. Zum Ende des Jahres 2017 waren noch ca. 100 Tuberkulosekranke in Behandlung. Aktuell liegt der Prozentanteil der Heilung / Genesung bei fast 88%.

Der Kostenaufwand für die stationäre Behandlung sowie der Wiederherstellung der Versorge gehen zu lasten von CATAL, ermöglicht durch die Unterstützung der Stadt Steinheim.

Im Durchschnitt werden 10 bis 20 Kranke stationär behandelt, etwa 90 % sind in ambulanter Behandlung.


2. Lepra
Diagnose und Beginn der Behandlung von 17 neuen Fällen. Am Ende des Jahres waren noch 45 in einer zweijährigen Behandlung, 65 unter Beobachtung nach zweijähriger Behandlung.

Die Krankheitshäufigkeit liegt nach Auskunft der Verantwortlichhen bei 4,44%. Bedenkt man, dass die Diagnose häufig sehr spät gestellt werden kann, liegt der Prozentsatz der körperlichen Schäden noch bei 11%. Der Anteil der Heilung liegt aktuell bei 89%.


3. Diabetes
Diagnostik und Behandlung von 32 neuen Fällen. Am Ende des Jahres waren noch 127 Fälle in Behandlung, der eine monatliche Kontrolle folgt, davon waren 113 auf Insulin angewiesen.12 befinden sich in einer kontrollierten Diät. Die Anzahl der monatlichen Konsultationen liegt bei bis zu 900.

4. Der Dienst für die Epileptiker
Die Zahl der monatliche Konsultation ist stark schwankend. Zum Jahresende 2017 waren 31 Patienten in Behandlung. Inzwischen sind diese Kranken an ihren Arbeitsplätzen, in den Schulen, selbst an der Universität in Kalemie akzeptiert; etwas, das vor 20 Jahren noch undenkbar gewesen wäre.

5. Augenärztlicher Dienst
Die Anzahl der neuen Behandlungsfälle liegt bei 578. Es wurden 270 Brillen ausgegeben. Die Anzahl der Operationen am „Grauen Star“ liegt bei 103, andere Operationen bei 26. Die Behandlungen und Vorsorgemaßnahmen um der Erblindung vorzubeugen liegt bei 17.

6. Bluttransfusion
Anzahl der Blutspenden 3.173, Durchführung von HIV-Tests 3.348, hiervon waren 3.173 negativ und 175 positiv. Von den Hepatitis B und C Tests waren 197 positiv, infolge dessen mussten 372 Blutspender herausgenommen werden. Die Hauptschwierigkeit bei den Blutübertragungen bleibt die Blutarmut (Sumpfgebiete). Die Kampagne für die Benutzung imprägnierter Moskitonetze hat trotz aller Aufklärung bislang noch keinen großen Erfolg gezeigt.

7. Labor

Die Station verfügt über ein eigenes Labor. Dort wurden im vergangenen Jahr Proben auf z.B. Malaria (237), Hämoglobin (1778) und TBC (1250) untersucht.

8. Betrieb / Tätigkeiten
Bei der ständig sinkenden Kaufkraft ist das Leben für die einfache Bevölkerung extrem hart. Das Personal und die Kranken vor Ort kämpfen täglich um ihr Überleben, so die Aussage der Verantwortlichen. Die Anzahl der medizinischen Beschäftigten ist seit Jahren gleichbleibend, jedoch bei den Arbeitern aus finanziellen Gründen leicht rückläufig:

  • 1 Arzt

  • 10 Krankenpfleger/-innen und ein in Augenheilkunde ausgebildeter Pfleger.

  • 6 Arbeiter/Arbeiterinnen für die Unterhaltung der Gebäude, des Geländes, der Küche und der Wäscherei, der Bewachung der Krankenstation usw.

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