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  • Bericht zum Jubiläumskonzert 28.01.2017

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    Bericht und Bilder KRAICHGAU NEWS

     

    Am Ende saßen sie alle drei am Flügel. Dirigent Frank Dupree und die beiden Pianistinnen Marina und Magdalena Müllerperth. Die Strauss’sche „Tritsch-Tratsch-Polka“ - hier für 30 Finger samt Triangel - wurde mit viel Spielwitz zwitschernd pointiert aus der Klaviatur katapultiert. Ein herrlicher Spaß für Interpreten wie Publikum. Auch die sonst so korrekt dreinblickenden Künstler des Südwestdeutschen Kammerorchesters grinsten bei dieser Zugabe spitzbübisch vor sich hin.

     

    Zuvor hatte es großartige Klassik zum Stadtjubiläum gegeben und Oberbürgermeister Martin Wolff zeigte sich in seiner Begrüßung sichtlich beeindruckt von Idee und Umsetzung dieses Festkonzertes. Sein besonderer Dank ging an den Lions Club Bretten-Stromberg und den Rotary Club Bruchsal-Bretten, die das Konzert gemeinsam mit der Melanchthonstadt veranstaltet hatten. Bereits am Freitag waren Brettener Schulen mit ihren Musikklassen zur Generalprobe eingeladen und es war denn auch ein frischer, jugendlicher Elan, der da das Kirchenschiff der Stiftskirche mal stürmisch donnernd, mal lyrisch sanft umwehte.

     

    Mit 26 Jahren ist Düpree einer der jüngsten und besten seiner Zunft, die Müllerperth-Schwestern haben nationale und internationale Preise abgeräumt. Ihr Spiel ist neugierig und unverbraucht, das traditionsreiche Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim sollte sich hier als geradezu idealer Begleitpartner erweisen.

     

    Marina Müllerperth nahm die Triller im Kopfsatz von Mozarts Klavierkonzert Nr. 23 zunächst zaghaft tirilierend, später souveräner, um mit einer fein federnden Eleganz in einen dynamisch auskostenden Dialog mit dem Orchester zu treten. Im Allegro agierte sie nicht zu rasch, sodass die Läufe brav perlen konnten. In der Exposition kamen Verzögerungen in den Arpeggios wohl dosiert daher, chromatische Läufe liefen wie am Schnürchen.

     

    Egal ob Dur oder Moll: Maestro Düpree selbst war ein Mann der klaren Linien. Im zweiten Satz ging die Klarinette beim Wechsel nach A-Dur glanzvoll über den zuvor noch seufzenden Streichern auf, die hier die Noblesse von Duprees Gestik mit der eigenen Spielkultur spiegelten und somit klanglich veredelten. Herrliche Ausgelassenheit im dritten Satz, die Modulationen im Couplet leuchtete Marina Müllerperth dynamisch raffiniert aus, sie musizierte hier mit durchweg glühender Akkuratesse.

     

    Dann Beethovens fünftes Klavierkonzert. Magdalena Müllerperth sitzt jetzt am Flügel. Der Anschlag kraftvoller, die Akkordpracht nicht nur in der Introduktion folglich farbenreicher. Das öffnet Tür und Tor. Sie weiß, wohin sie will, lässt Triller und Fermaten noch nicht zu lange klingen. Das perlt nicht, das sprudelt. Folglich gerät ihr die Reprise noch gelöster, noch glänzender, ohne virtuos blenden zu müssen. Die brillante Unabhängigkeit ihrer Hände beschert der linken Hand beim Abwärtstanz eine dynamische Zurückhaltung, die der rechten Hand mehr Raum zu aufwirbelnder Entfaltung gibt. Sie verliert sich aber nicht im dramatisch brüllenden Tastendonner, sondern hat die agile Eleganz einer Junglöwin auf der Jagd nach einer zutiefst ehrlichen, der Musik dienenden Ästhetik. Das kommt besonders im zweiten Satz zu Tragen.

     

    Die Solisten des Südwestdeutschen Kammerorchesters phrasieren da wie die Engel. Düpree schnitzt nicht am Klang herum, sondern lässt sich die Solisten selbst mit breiten Bögen herausschälen. Selbst das leiseste Piano wird da noch auf der Stuhlkante musiziert. Das ist keine Klangkultur, das ist ein Klangzauber.

     

    Das unmittelbare Rondo Allegro wächst schließlich zum Triumph für alle Beteiligten. Müllerperths wohl dosierte Pedaleinsatz zu Beginn pumpte das Klangbett nicht zu trocken. Orchester wie Solistin zelebrierten gleichsam ausgelassen jenen auskomponierten Jubel, der nie zu einem furiosen Duell zwischen Klavier und Orchester geriet, sondern das Klavierkonzert zu einem sinfonischen Duett adelte. Die Applauskaskaden der restlos begeisterten Zuhörer schwappten unisono in ein forderndes Staccato über.

     

    Bernd Neuschl