Rekonstruktion einer historischen Schölerorgel Vorbereitungen

Am Sonntag, den 21. Oktober 2012, trafen sich die Lions-Clubs Düsseldorf Renaissance und Schloss Benrath zu einer Vorführung der Orgel in der über 300 Jahre alten im niederländischen Stil erbauten Evangelischen Kirche in Düsseldorf-Urdenbach und ließen sich vom Kantor und Organisten der Gemeinde erklären und demonstrieren, welche Tradition diese Orgel hat und weshalb es sich lohnt, sie zu rekonstruieren.

Der Ursprung der Orgel der Urdenbacher Kirche geht auf das Jahr 1754 zurück, also fast 60 Jahre nach der Erbauung der Kirche selbst. Mit dem Einbau einer neuen Orgel verlieh die dortige reformierte Gemeinde ihrer bis dahin typischen, musikarmen Tradition der Gottesdienstgestaltung neue Impulse. Sie beauftragte den in Ruf und Ansehen berühmten Orgelbauer Johann Wilhelm Schöler aus Bad Ems mit dem Bau der Orgel, von der heute noch die schön gestaltete barocke Gehäusefront mit ihren vergoldeten Schleierblättern und der thronenden Davidskulptur original erhalten ist. Die Orgel selbst erlitt im Verlauf der Jahrhunderte ein wechselvolles Schicksal und wies zuletzt so gravierende Mängel an Material und Struktur auf, dass eine Sanierung nicht mehr möglich war.

 Aus einem festen Besucherstamm der regelmäßig an Sonntagen stattfindenden Orgelmusik ist im Jahr 2008 ein Förderverein hervorgegangen, der die Beschaffung der finanziellen Mittel für den empfohlenen Neubau der Schöler-Orgel zum Ziel hat. Die Spender erhalten Pfeifenpatenschaften über eine Orgelpfeife an der rekonstruierten Orgel. Und dieses bis heute mit Erfolg, die Finanzierung der neuen Orgel ist fast gesichert.

Auch die Lions-Clubs Düsseldorf-Renaissance und Düsseldorf-Schloss Benrath sind jetzt einer Einladung des Fördervereins gefolgt und haben sich nicht nur die historischen Verhältnissen erläutern, sondern auch die akustischen Möglichkeiten von Registern, Pfeifen und Klängen mit einer Reihe von Stücken aus den verschiedensten Musikrichtungen zeigen lassen, um einen Eindruck davon zu bekommen, wie vielfältig eine Orgel eingesetzt werden kann. Es war ein sehr abwechslungsreicher und kurzweiliger Sonntagnachmittag. Beide Clubs konnten durch Clubspenden und Einzelspenden von Clubmitgliedern einen kleinen Beitrag zum Neubau der Orgel leisten. Wir sind damit Pate der Töne A und B im Register Salicional geworden, was von dem Wort Weide stammt, einem Baum, der typisch für unsere Gegend ist, der Klang ähnelt dem Klang von Streichkonzerten. 

 

 

 

 

 

 

Wer mehr über die Orgel, die Kirche, das Projekt Rekonstruierung der Schöler-Orgel und die Bedeutung für die Orgelstadt Düsseldorf erfahren will, kann dieses auf der Homepage nachlesen:

www.schoeler-orgel-duesseldorf.de.

Feierliche Einweihung Fertigstellung

Die Arbeiten der Orgelbaufirma Hubert Fasen sind fertig und der Prospekt nach alten Vorlagen und Recherchen frisch gestaltet, die Verzierungen gemalt und vergoldet.

Die Prinzessin der Instrumente erstrahlt im neuen Glanz.

Die Gemeinde der evangelischen Kirche, ihr Pastor, ihr Kantor sowie der Förderverein, Orgel- und Orgelmusikliebhaber, Förderer und Sponsoren freuen sich über die festliche Einweihung am 1.Dezember 2013.

 

www.schoeler-orgel-duesseldorf.de

www.orgelbau-fasen.de

 

 

 

 

Disposition nach der Rekonstruierung
von OBM Hubert Fasen (2013)


Hauptwerk C - f''' (oberes Manual)
1. Principal 4' Prospekt, 75 % Zinn
2. Bourdon 8' Bass / B/D, Holz, C-h° gedeckt
3. Viol di Gamb 8' C-H mit Quintadena, ab c° Metall
4. Quintadena 8' Bass / B/D, C-H Holz, ab c° Metall
5. Gemshorn 4' Metall
6. Quinta 3' Metall
7. Octav 2' Metall
8. Tertia 1 3/5' Metall
9. Mixtur III 1' Metall, repetiert C, c°, c'
10. Trompet 8' Bass / Diskant (C-H 1/2)

Unterwerk oder Echo C - f''' (unteres Manual)
1. Gedact 8' B/D, C-h° Holz, ab c' Metall
2. Flöte travier 2' ab c' (= 8' Diskant), Metall
3. Rohrfleut 4' Metall
4. Salicional 4' Metall
5. Nasard 3' Metall
6. Waldflöte 2' Metall

7. Quinta 1 1/2' Metall
8. Vox humana 8' B/D, Metal
    Kanaltremulant

Pedal C - d'
1. Sub Bass 16' Holz
2. Principal Bass 8' Holz
3. Octav Bass 4' Holz
4. Posaun Bass 16' Holz, Becher ½ Länge

Die Schölerorgel in der Urdenbacher Dorfkirche Die Veranlassung zu einer Rekonstruktion

Mit dem Einbau der ersten Orgel im Jahr 1754, fast 60 Jahre nach Erbauung der Ev. Kirche in Urdenbach, verlieh die dortige reformierte Gemeinde ihrer bis dahin typischen, musikarmen Tradition der Gottesdienstgestaltung, neue Impulse. Sie beauftragte im Jahr 1752 den Orgelbauer Johann Wilhelm Schöler aus Bad Ems mit dem Bau der Orgel, von der heute noch die schön gestaltete barocke Gehäusefront (Prospekt) mit ihren vergoldeten Schleierblättern und der thronenden Davidsskulptur original erhalten ist.

Das Instrument selbst erlitt ein wechselvolles Schicksal. Es musste zunächst 1885 einem größeren "romantischen" Werk der Orgelbaufirma Ibach weichen und wurde aus der Brüstung nach hinten versetzt. Im Jahr 1958 wurde von der Firma Peter (Köln) ein Werk im neobarocken Stil eingebaut. Der Spieltisch wurde auf die gegenüberliegende Seite verlegt. Dieses Werk weist heute so gravierende Mängel an Material und Struktur auf (z.B. an Traktur, Windladen, Tonventilen), dass zu seiner Sanierung vonseiten Sachverständiger nicht mehr geraten werden konnte. Stattdessen wurde im Dezember 2010 von der Gemeinde und dem Kirchenkreis beschlossen, den empfohlenen rekonstruierenden Neubau der ursprünglichen Schöler-Orgel vorzunehmen.

 

DIE „RHEINISCHE ORGELBAUKULTUR“ UND JOHANN WILHELM SCHÖLER

Die rheinische Orgelbaukultur

Welche Tradition wird zusammen mit der Orgel rekonstruiert? Welche kulturgeschichtliche Bedeutung hatte die Orgel von Johann Wilhelm Schöler zu Ihrer Zeit?

Die erste Orgel wurde 1754 also 60 Jahre nach der Einweihung der Kirche, von dem im Bergischen Land geborenen und für die Kirchen im Rheinland bedeutenden Orgelbaumeister Johann Wilhelm Schöler (1723 – 1793) gebaut. In der frühen Entwicklung der vielfältigen rheinischen Orgellandschaft spielte seine Werkstatt in Bad Ems eine herausragende Rolle. Es ist das Verdienst von Franz Boesken als erster die herausragende Vielseitigkeit und Bedeutung traditionsreicher Werkstätten aus der „Mittleren Rhein-Region“ entdeckt zu haben. Diese Werkstätten haben ein besonderes Profil geprägt und eine für die Geschichte des Orgelbaus bedeutsame eigene Orgelbaukultur geschaffen. Als kennzeichnend für den rheinischen Orgelbaustil in der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts benennt die Literatur (z.B. Rodeland 2007) Elemente wie seitliche Spielkonsole, Pedal meist getrennt hinter der Orgel; die Prospekt-Fassade ist integrierter Teil der Galeriebalustrade. Diese Stielelemente bringen einige Vorteile wie freie Klangentwicklung, gute Sicht für den Organisten in den Altarraum und in die Kirche, schöne räumliche Harmonie zwischen Orgel und Kirchenarchitektur. Im Gottesdienst ist die Orgel Teil der architektonischen Einheit „Altar-Kanzel-Orgel“ als Ausdruck des theologischen Konzepts von Sakrament, Verkündigung und Lob, das in der reformierten Tradition eng aufeinander bezogen ist. In Anspielung auf dieses theologische Konzept nennt Oskar Gottlieb Blarr in seiner „Theologie der Orgel“ diese die „ Stimme Gottes“ (Oskar G. Blarr 2008)

Die Tradition des rheinischen Orgelbaus wurde durch kunsthistorische Untersuchungen wieder erschlossen und dokumentiert (Rodeland 1991, 2007). Die Denkmalpflege hat bei anstehenden Restaurierungen und Neubauten darauf hingewirkt, dass diese Tradition bewusst wieder gepflegt wird. Das Kuratorium des Fördervereins hat sich bei seiner Erarbeitung einer Konzeption für die Rekonstruierung der Urdenbacher  Schöler-Orgel ebenso wie bei der Auswahl einer geeigneten Orgelbau-Werkstatt von dieser Traditionspflege leiten lassen.