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    Einige teilweise ernsthafte Gedanken zu unserem Clubnamen Warum heißen wir eigentlich - Renaissance?

    Vergleicht man mit den Clubnamen anderer Lions-Clubs, fällt unserer schon ein wenig aus dem Rahmen und das ist auch gut so.

    Wohl die meisten Clubnamen bestehen schlicht aus der Bezeichnung des Ortes, in dem der Club entstanden ist, gewissermaßen dem Geburtsort des Clubs. In kleineren Ortschaften, in denen es nur einen Lions-Club gibt, genügt häufig der Ortsname ohne jeden Zusatz. In Großstädten mit mehreren Clubs hat nur der älteste Club diese Ehre, zum Beispiel die Lions-Clubs „Berlin“, „Hamburg“, „München“ und insbesondere der älteste Club Deutschlands: „Düsseldorf“. Die anderen Clubs größerer Städte sind, um sich zu unterscheiden, auf Zusätze angewiesen. Dabei sind die Bezeichnungen von Stadtteilen häufig, wobei Vororte, die politisch großen Wert auf ihre Selbständigkeit legen, großzügig „eingemeindet“ werden („Düsseldorf-Meerbusch“, „Düsseldorf-Hösel“) . Soziologen werden nicht lange darüber nachzudenken brauchen, weshalb Stadtteile wie Düsseldorf-Flingern, Düsseldrof-Garath, Düsseldorf-Bilk oder Berlin-Kreuzberg, Berlin-Wedding, Berlin-Marzahn hier nicht auftauchen. Die Clubs „Hamburg – 13“ und „Hamburg 67“ regen zum Nachdenken über die Bedeutung der hinzugefügten Zahlen an; die Möglichkeit, das sich die Zahlen auf die Anzahl der Clubmitglieder beziehen, scheidet wohl aus, vielleicht handelt es sich schlicht um die Nummern der Stadtbezirke.

    Phantasiereicher erscheinen dann schon Zusätze, die sich auf örtliche Besonderheiten, Sehenswürdigkeiten oder geschichtliche Ereignisse beziehen wie etwa „-Rheinturm“, „-Radschläger“, „-Rheinuferpromenade“ und „-Jan-Wellem“. Gelegentlich kommen als Zusätze zu der Ortsbezeichnung auch die latinisierten Formen von Landschaftsbezeichnungen vor („-Rhenania“, „-Westphalia“,“-Thuringia“); dies spricht für gehobene Bildung und schafft Assoziationen zu studentischen Verbindungen.

    Wirklich schöpferisch und aussagekräftig erscheint mir nur ein einziger Clubname: „Düsseldorf-Leaina“. Der Zusatz Le-a-i-na mit seinen drei aufeinanderfolgenden Vokalen klingt so schön, sympathisch und harmonisch, eben weiblich, daß jedermann erkennt: Es muß sich um einen Damenclub handeln. Damit kann „Renaissance“ nicht mithalten, obschon der Klang ja gar nicht so schlecht ist. Über die inhaltlichen Aussage ist damit aber noch nichts gesagt.

    Der Verdacht ist nicht von der Hand zu weisen, dass der Name unserer regelmäßigen Tagungsstätte – Hotel Renaissance – die Gründungsmitglieder auf die Idee gebracht hat, den Club ebenso zu benennen. So ganz originell wäre das nicht: In Berlin gibt es einen Lionsclub „Berlin-Intercontinental“, der tatsächlich auch im Hotel „InterContinental“ tagt. Vor allem aber würde der Verbindung zwischen Hotel- und Clubnamen das fehlen, was heute allenthalben für so wichtig gehalten wird: die Nachhaltigkeit. Denn natürlich kann das Hotel seinen Namen verlieren, weil auch diese Branche nicht vor Übernahmen, Fusionen und Schlimmerem gefeit ist. Außerdem weiß ja auch nicht jeder, der mit dem Club zu tun hat, wie sein Tagungshotel heißt, und folglich wäre ihm dieses Verständnis des Clubnamens verborgen. Also lassen wir dem Hotel seinen Namen und wir behalten unseren mit seinem eigenen Sinn.

    Dieser Sinn könnte in einer gedanklichen Verbindung zur Kunstepoche Renaissance liegen, die etwa im 15. Jahrhundert die Epoche der Gotik abgelöst hat und deren Wesen in der Wiederbelebung griechisch-römischen Gedankenguts liegt. Die Transformation humanistischer Bildungsideale als Zweck eines Lionsclubs – die Urväter der Lions, die im Jahre 1870 in Chicago weltweit den ersten Lionsclub gründeten, würden sich wohl vor Staunen die Augen reiben. Sollte vielleicht die Literatur der Renaissance die Gründer unseres Clubs so begeistert haben, dass sie mit dem Ausruf „Das ist es!“ auf diesen Clubnamen verfallen sind?

    Also - bei allem Respekt vor dem gewiß sehr hohen Bildungsgrad der Urväter unseres Clubs – kann man sich kaum vorstellen, dass sie nach eingehendem Studium von Dantes „Göttlicher Komödie“ den dort beschriebenen Weg von der Hölle ins Paradies auf das Leben unseres Lionsclubs oder gar seiner Clubmitglieder irgendwie in Beziehung setzen wollten. Eine Gedankenverbindung zur bildenden Kunst der Renaissance könnte wohlproportionierte männliche Jünglinge – etwa den David von Michelangelo – vor dem geistigen Auge erscheinen lassen, aber es erscheint doch mehr als verwegen, zwischen diesen Figuren und den körperlichen Erscheinungen der Clubmitglieder einen Bezug herzustellen – von wenigen Ausnahmen abgesehen, deren namentliche Nennung vielleicht erwünscht ist, hier aber unterbleibt.

    Es bleibt also nur die schlichte wörtliche Übersetzung: Renaissance heißt Wiedergeburt. Und in Verbindung zu einem Lionsclub kann dies bei unbefangener Betrachtung nur bedeuten:

     

    Wiedergeburt des Lionsgedankens

    Also kein gehobener Stammtischverein, auch keine Connection zur Wahrnehmung geschäftlicher Interessen. Vielmehr eine Gemeinschaft, deren Mitglieder sich für soziale und kulturelle Belange der Gesellschaft und Völkerverständigung einsetzen. Und dies nicht nur durch „Scheckbuch-Activity“ sondern auch durch persönlichen Einsatz. Wirtschaftlicher Eigennutz sollte als Motivation für die Clubmitgliedschaft ausscheiden, die freundschaftliche oder wenigstens kameradschaftliche Verbundenheit ist „Lohn, der reichlich lohnet“.

    Eine „Wiedergeburt“ in diesem Sinne – das ist doch was!

    Ihr

    Wolfgang Volker