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Mentoring an der Wallschule

Die Wallschule in Frankfurt-Sachsenhausen ist eine Förderschule, die Schülerinnen und Schüler mit erhöhtem Unterstützungsbedarf zum Hauptschulabschluss bringen will. Seit 2012 unterstützt unser Club dort ein innovatives Projekt, bei dem sich Clubmitglieder als Mentoren in den Klassen 8 und 9 engagieren und dadurch die Lehrkräfte entlasten.

Wie können pädagogisch nicht geschulte Lions im schwierigen Umfeld einer Förderschule überhaupt hilfreich sein? Dazu noch in einem sozialen und gesellschaftlichen Segment, das in der Regel nicht zu ihren Alltagserfahrungen gehört?

In der Tat: Schon in den ersten Tagen der Zusammenarbeit wurde klar, dass hier alle Beteiligten „Lernende“ sind:

Die Lions lernen, mit manchmal schwierigen Jugendlichen umzugehen, geduldig Respekt zu geben und zu erhalten – und immer wieder zu motivieren. Das Wichtigste dabei: Zuhören und herausfinden, wie individuell Fähigkeiten ausgebaut und Ziele gemeinsam erreicht werden können.

Die Schülerinnen und Schüler lernen, Vertrauen zu fassen und Hilfe anzunehmen. „Für viele von ihnen ist es das erste Mal, dass jemand außerhalb von Schule und Elternhaus auf sie eingeht, ihnen zuhört und sie ernst nimmt“ fasst eine der Lehrerinnen den tieferen Nutzen zusammen. „Den Selbstwert stärken durch die Erfahrung, dass man etwas kann, etwas geleistet hat!“

In diesem Sinne besteht Mentoring z.B. aus

Lesepatenschaft: Einmal pro Woche lesen Lions mit 3-4 Schülerinnen und Schülern 1-2 Stunden – solange die Konzentration hochgehalten werden kann.

Schreibwerkstatt: Eine Lionsfreundin, die selber ein Buch geschrieben hat, brachte bis zu ihrem Fortzug aus Frankfurt mit viel Geduld Jugendlichen das Schreiben von kleinen Texten bei.

Bewerbungstraining: Wie erstelle ich eine Bewerbungsmappe, wie beschreibe ich mich selber? Eine ungewohnte aber wichtige Aufgabe, bei der Tipps aus der Praxis besonders wichtig sind.

Praktikumsplatz finden: Kontakte nutzen, die Jugendlichen bei der Vorstellung begleiten und den Rücken stärken.

Projektarbeit: Einmal im Jahr findet eine Projektprüfung statt. Dazu wird der Klasse ein Themenrahmen vorgegeben z.B. die großen Weltreligionen oder Körperschmuck oder Gebäude in Frankfurt. Es werden kleine Projektgruppen mit 3-4 Schülerinnen und Schüler gebildet, die sich unter der Anleitung eines Mentors das spezielle Thema aussuchen (z.B. Kirche oder Moschee oder Buddhistischer Tempel bzw. Tattoos oder Piercing oder Henna-Verzierung) und bis zum Prüfungstermin präsentationsreif erarbeiten. Auch hier findet die Unterstützung durch die Mentoren einmal pro Woche an einem Vormittag statt.

Und am Ende des Schuljahres, nach bestandenen Prüfungen und vor den Sommerferien werden die Zeugnisse ausgegeben und ein tolles Abschlussfest in der Sporthalle der Wallschule gefeiert. Die Deko der Halle, das Fingerfood und die Exotischen Drinks wurden ebenfalls in Projektgruppen hergestellt!

 


Nach fast dreijähriger Zusammenarbeit sind alle Beteiligten von der Zusammenarbeit begeistert – sie ist eine Bereicherung für jeden Einzelnen. Und wir Lions sehen mit riesigem Respekt und großer Hochachtung auf die hervorragende fachliche und menschliche Leistung der Pädagogen an der Wallschule! Hier wird die Zukunft unserer Gesellschaft in einem schwierigen Segment positiv gestaltet und beeinflusst. Wir sind froh über diese Möglichkeit, unseren Horizont zu erweitern und einen kleinen Beitrag zu leisten.

Und so sehen das inzwischen mehrere Lions Club in Frankfurt, die vom Wallschul-Virus infiziert wurden und sich seit mehr als einem Jahr ebenfalls engagieren.

Dass zusätzlich zu den Mentoren die Lions Clubs auch mit kleinen Geldmitteln z.B. Klassenfahrten und die Beschaffung von Schulmaterial unterstützen soll auch noch erwähnt werden. Das machen Lions Clubs eben auch.

Frankfurt/M, im Juni 2015

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