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Früh übt sich – Early Birds

Von Johannes D. - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

Kinder und Jugendliche in den Herrenhäuser Gärten

Das Programm ist ein Pilotprojekt für alle Historischen Gärten in Deutschland und wurde in Abstimmung mit der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur e.V. (DGGL) entwickelt. Erstmalig werden Geschichte und Gartenkunst anhand eines historischen Gartens systematisch und breit angelegt vermittelt.

Im Rahmen des Vermittlungskonzeptes ist ein Schulungsfilm für die Vorbereitung der Grundschulkinder auf Ihren Besuch in den Gärten geplant, der im Unterricht gezeigt werden soll.

 

Vermittlungskonzept

Die Herrenhäuser Gärten sind die bedeutendste kulturelle und touristische Destination in Hannover. Als Gartenensemble sind sie in Europa einmalig. 2015 wurde ihnen der Europäische Gartenpreis als Europas bester Garten verliehen. Jährlich besuchen über 700.000 Gäste aus aller Welt das Gartenensemble. Der Große Garten zählt zu den bedeutendsten Barockgärten in Europa und ist das historische Kernstück der Herrenhäuser Gärten.

Zwei Merkmale machen aus dem Touristenmagnet ein Kulturdenkmal von einzigartigem Rang:

  • Die Geschichte des Gartens und seiner Gestalterin, der Kurfürstin Sophie
  • Das Leben und Wirken des Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz

 

Die Geschichte des Gartens und seiner Gestalterin der Kurfürstin Sophie

Le jardin de Herrenhausen, qui est ma vie (Sophie von der Pfalz), frei übersetzt: der Garten ist mein Leben!

Auf der Anlage eines Küchen- und Versorgungsgartens für den hannoverschen Hof entwickelte sich um 1700, während der Regentschaft von Kurfürst Ernst August, der Große Garten. Als maßgebliche Gestalterin ließ seine Frau, Kurfürstin Sophie, durch den Gärtner Martin Charbonnier einen repräsentativen sommerlichen Residenzgarten schaffen. In diesem Garten klassischen französischen Typs begegnet man holländischen Einflüssen, Anregungen aus England und norddeutsche Eigenheiten.

Bis 1714 vollendete man den Großen Garten in seiner heutigen Form und Größe, ein nicht ganz regelmäßiges Rechteck, das durch einen künstlichen Wassergraben und Baumreihen begrenzt wird. Da das Interesse nachfolgender Regenten an dem Garten gering war, blieben der Anlage zeittypische Umgestaltungen und Eingriffe erspart. 1936 erwarb die Stadt Hannover den verwahrlosten Garten und setzte ihn wieder instand, wenn auch mit zeittypischen Ergänzungen, wie die Sondergärten. Der Zweite Weltkrieg mit der Zerstörung des Schlosses machte weitere grundlegende Arbeiten notwendig. Bis heute dauern die Restaurierungsarbeiten an; in den Bereichen, in denen die historische Substanz nicht nachweisbar ist, werden neue Elemente integriert (Grotte, Blumengarten).

Historische Gärten sind wertvolle Zeugnisse menschlicher Präsenz und menschlichen Handelns, als historisches Gedächtnis geben sie Auskunft über gesellschaftliche und kulturelle Zusammenhänge. Auch wenn Michel Foucault einzureihen ist in eine lange Reihe von Philosophen und Schriftsteller, die den Garten als Mikrokosmos beschreiben, so gilt es den Garten als für die Kulturpädagogik relevanten Raum neu zu entdecken und zu stärken.

 

Früh übt sich – Early Birds

Geschichte und Gartenkunst für Grundschulkinder

Ein fester Bestandteil der Lernpläne von Grundschulkindern in der 3. und 4. Klasse ist die Geschichte Hannovers, die in den Herrenhäuser Gärten mit der Schlüsselfigur der Kurfürstin Sophie, aber auch mit ihrem Gemahl, Kurfürst Ernst August, und mit der gemeinsamen Tochter Sophie Charlotte lebendig wird. Auch begegnet man dem Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz und einigen seiner wegweisenden Ideen.

Beschreibung der Zielgruppe:

Grundschulkinder der 3. und 4. Klassen, Alter ca. 8 bis 10 Jahre

Zeitraum

Ostern bis Oktober (Herbstferien), gestartet wird 2018 mit 40 Vormittagen von ca. 8:30 bis 12:30 Uhr

Inhalte

Erstmalig werden folgende vier zentrale Themen anhand eines historischen Gartens vermittelt:

  • Zeitalter des Barock
    (Leben der Kinder damals und heute),

  • Kurfürstin Sophie
    (Gesellschaftsstruktur / Hierarchie am Hofe),

  • Gartenkunst (Symmetrie) und

  • Wasserspiele (Technik).

Zusätzliche Themen für den Ganztagsbereich und die Workshops:

  • Europäische Union

  • Integration früher und heute

  • Wasserkunst (Klosterkammer)

Die Themen docken sich unmittelbar an das Kerncurriculum der 3. und 4. Klassen an. Die Kinder können daher im Rahmen ihres normalen Regelunterrichts an einem außerschulischen Lernort diese Inhalte an einem authentischen Ort vermittelt bekommen.

Für die Kinder werden dabei immer wieder Parallelen zur Kindheit von vor 300 Jahren gezogen, um Werte und Gewohnheiten in ein begreifbares Verhältnis zu setzen. Die Gegensätze arm/reich und damals/heute werden verständlich und kindgerecht herausgearbeitet.

Ablauf:

Gemeinsam mit den Lehrkräften bereiten sich die Kinder in Gruppen auf die Themen in den Klassen vor. Jedes Grundschulkind erhält eine Vorbereitungsmappe, die es ihm ermöglicht, sich gemeinsam mit Mitschülern und Lehrkräften auf den Besuch in den Herrenhäuser Gärten vorzubereiten und es wird ein Schulungsfilm gezeigt.

Am Ausflugstag erkunden die Klassen mit einem Pädagogen in Form eines Gärtnerjungen / Gärtnermädchens den Großen Garten. Danach wird sich in Gruppen intensiv mit den Themen auseinandergesetzt, diese bearbeitet und im im Anschluss präsentieren die Kinder ihre Ergebnisse, z.B. in Form eines Rollenspiels, eines barocken Tanzes, mit dem Bau eines Wasserrades oder erläutern die Symmetrie anhand des Gartenmodells.

Zum Abschluss wird projektbezogen gebastelt zum „Mit-nach-Hause-nehmen“: z.B. ein Steckenpferd, eine Maske von Sophie.

Schulungsfilm

Bekannte Formate wie „Pur+“ oder „Wissen mach Ah“ begeistern Kinder im Grundschulalter mit spannenden und lehrreichen Wissens-Filmen.

In Anlehnung an diese Erfolgsformate werden die vier zentralen Themen

  • Zeitalter des Barock

  • Kurfürstin Sophie

  • Gartenkunst und

  • Wasserspiele

kurz und einprägsam erklärt.

So könnten Szenen in der Zeit des 17. Jahrhunderts mit Unterstützung von Kostümen nachgespielt werden: Wie lebten die Menschen damals? Was hatten sie an? Wie und was wurde gegessen? Wie geschlafen? Was haben die Kinder gespielt?

Auch die Hierarchie am Hofe zur der Zeit von Kurfürstin Sophie kann mit Szenen verdeutlicht werden: Ein barocker Tanz, das Aufsteh-Ritual von Ludwig XIIII o.ä.

Für die Verdeutlichung der barocken Gartenkunst bietet sich der Vergleich eines Familiengartens in heutiger Zeit mit der strengen Symmetrie von damals an.

Zeichnungen oder Versuche verdeutlichen den Kindern dagegen die Funktionalität der Wasserspiele. Experimente zum Selber ausprobieren machen Spaß und bleiben in Erinnerung.