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Der Löwe schläft nicht

24 Jugendliche aus der ganzen Welt beim Lions-International Jugendcamp im Wendland

„The Lion sleeps tonight?“ Nicht beim Lions-International Jugendcamp! Die 24 Jugendlichen aus 15 Ländern haben im Sommer 2014 drei Wochen im Wendland verbracht – betreut vom Lions Club Lüchow-Dannenberg und einer ganzen Schar von helfenden Gastfamilien. Die 24 jungen Leute aus Indien, Tunesien, Algerien, Georgien, Argentinien, Israel, der Türkei, Dänemark, Ungarn, Spanien, Estland, Finnland, Italien und der Ukraine hatten Gelegenheit nicht nur die Sitten und Gebräuche sowie die Alltagskultur in ihren Gastfamilien kennen zu lernen – darüber hinaus wurde ihnen vom Lions Club Lüchow Dannenberg auch ein sehr reichhaltiges und abwechslungsreiches Programm geboten.

Für Martin aus Estland waren es „die besten drei Wochen in meinem Leben“. Er war schon in vielen Ländern, aber dieser Aufenthalt im Wendland habe ihm gezeigt, „wie man leben kann, wie man mit anderen Menschen kommunizieren sollte und wie Dörfer funktionieren können.“ Er ist ganz begeistert und klingt gleichzeitig auch ein wenig frustriert, wenn er von seinem Heimatland erzählt, in dem eigentlich immer nur viel Alkohol getrunken werde, wenn Menschen zusammen kommen. Ein Überbleibsel aus Sowjetzeiten sei das, meint Martin, der Argrarökonomie studiert.

Der Lions-Club Lüchow-Dannenberg hat ein solches Jugendcamp erstmals ausgerichtet. Die jungen Gäste verbrachten zunächst eine Woche bei einer Gastfamilie, um dort den Alltag und das Familienleben kennen zu lernen, und zogen dann für zwei Wochen in die Jugendherberge nach Hitzacker, wo sie von drei Studenten aus Hannover betreut wurden, die vom Club engagiert worden waren. Denn Ziel des Camps war es nicht nur Deutschland, sondern auch sich untereinander kennenzulernen und die kulturelle Vielfalt der Welt zu erleben.

Dieses Ziel wurde in jedem Fall erreicht, denn bei der Farewell-Party am Ende des Jugendcamps gab es nicht nur Dankesworte für die Organisatoren (Eckhart Steffens, Dr. Wolfgang Gröger, Hubertus von Tippelskirch, Präsident Heinz-Hermann Breuer, Stefan Irro, Thomas Bader, Stefan Eilts). Hier und da flossen auch Tränen. Der Lions-District-Governor Lutz Voss überreichte in diesem Zusammenhang den Lions-Appreciation-Award an den Camp-Director Eckhart Steffens.


Abschiedsfoto im Garten der Jugendherberge Hitzacker

Der Geehrte erinnerte an die erwartungsvolle Spannung in den Gastfamilien Mitte Juli, die schnell wich: „Schon nach einem Tag gehörtet Ihr mit zur Familie“ sagte er. Gerade die erste Woche in den Familien war eine Zeit des intensiven Austauschs und Kennenlernens, des Staunens über die kulturelle Vielfalt dieser Erde. Die Gastgeber waren durchweg begeistert von den interessierten

 jungen Menschen, die viel über das Leben in Deutschland, die Sitten, Gebräuche und das Essen wissen wollten. Auch das Arbeitsleben wurde berücksichtigt, Jugendliche besuchten die Schulen der Kinder ihrer Gasteltern und erlebten beispielsweise den Arbeitsalltag auf dem landwirtschaftlichen Betrieb der Familie Flöter. Gesprochen wurde überwiegend Englisch – eine tolle Erfahrung für die Familien – manchmal ging es auch nur mit Gesten  - Hände und Füße ersetzten die fehlenden Vokabeln. Erfahrungen haben alle gesammelt. Clemens Flöter ist sich einmal mehr darüber bewusst geworden, dass die Völker dieser Welt respektvoll miteinander umgehen müssen – denn, „was hier üblich ist, muss woanders nicht üblich sei“. Und: „Wir sind nie eine moralische Instanz“, wichtig sei es, zuzuhören und voneinander zu lernen. Für Anja und Clemens Flöter hat sich deren Bild, das sie sich bislang von der Türkei und auch von Ungarn gemacht hatten, komplett verändert.

Marion und Stefan Eilts hatten einen jungen Mann aus Mumabi/Indien zu Besuch. Eine seiner ersten Fragen war, ob die beiden denn aus Liebe geheiratet hätten oder ob ihre Hochzeit von den Eltern arrangiert worden sei. Diese Frage war der Beginn eines intensiven Austauschs über die Bedeutung von Religion und gesellschaftlichen Konventionen und wie diese den Lebensalltag in Indien und in Deutschland beherrschen. Sie haben gestaunt, wie sehr die Religion und die Familie in Indien das Leben strukturieren, ihm aber auch Sicherheit und Richtung geben. Das hat sie nachdenken und lernen lassen.

Die Jugendlichen wiederum haben ihr Bild von den ernsten und kühlen Deutschen revidieren können. „Alle sind sehr freundlich, umarmen sich und uns“. Das hatten Brunella aus Argentinien und Mona aus Tunesien nicht erwartet und staunen auch darüber, wie sehr sie sich hier heimisch gefühlt haben. Für Mona, die aktuell Ingenieurswissenschaften studiert, war dieser Austausch eine ganz neue Erfahrung. Noch nie hatte sie in einer fremden Familie gewohnt. Dazu Jugendliche aus der ganzen Welt zu treffen, Spaß zu haben, das eigene Englisch zu verbessern, mache die Reise zu einer Erfahrung, die sie nicht mehr missen will.

Wenn sich ein Israeli und moslemische Algerier und Tunesier begegnen und miteinander auskommen müssen, dann liegt die Hoffnung auf Frieden zwischen den Völkern und Kulturen ganz nah. „Gerade das Kennenlernen“ befand die siebzehnjährige Valeria aus Italien: „Das war der beste Teil hier. Ich verlasse Freunde für mein Leben.“ Botschafter des Friedens unter den Menschen also sind die jugendlichen Teilnehmer geworden. Möglichkeiten dazu lieferten die zahlreichen Begegnungen ebenso  wie das volle Programm das der Lions Club Lüchow-Dannenberg für die Jugendlichen in und um Lüchow-Dannenberg herum organisiert hat.

Langeweile kam in den zwei Wochen in der Jugendherberge Hitzacker nicht auf - selbst am vorletzten Tag wurde noch eine Radtour von 50 km Länge zur Festung Dömitz absolviert. Die benachbarten Clubs aus Bad Bevensen und die Lady-Lions aus Salzwedel unterstützten das Camp mit zwei ganztägigen Aktivitäten. Während die Lady-Lions ihre Heimatstadt Salzwedel und den dortigen Baumkuchen für alle Campteilnehmer vorstellten, gab es in Bad Bevensen viele sportliche Aktivitäten mit einem Besuch des Kletterparks , anschließendem Baden und einem Volleyball-Turnier, das in ein gemütliches Grillen am Abend überging. Auch die Rotarier aus Lüchow waren Gastgeber. Alle Campteilnehmer und Vertreter des Lions Clubs Lüchow-Dannenberg nahmen an einem Konzert des von den Rotariern organisierten Musikcamps in der Musikschule in Lüchow teil.

Den Einstieg in die gemeinsame Phase außerhalb der Familien hatte ein zweitägiger Ausflug nach Berlin gebildet. Dort besichtigte die Gruppe u.a. den Deutschen Bundestag und wandelte auf den Spuren der ehemaligen Mauer. Am Tag darauf empfing der Youth-Camp-Chairman Michele Donadei vom Lions Club Isernhagen-Burgwedel die Jugendlichen in Wolfsburg zur Besichtigung der Autostadt. Weitere Ausflugshöhepunkte waren die eintägige Fahrt nach Hamburg, wo zahlreiche Sehenswürdigkeiten und die Hafenatmosphäre bei den sog. “Cruise-Days“ geschnuppert werden konnte und der Heidepark in Soltau mit seinen zahlreichen Fahrgeschäften. Aber nicht nur außerhalb des Wendlandes wurde den Jugendlichen etwas geboten. Auch hier „zu Hause“ gab es viel zu erleben – und das sowohl über als auch unter der Erde. Das Erkundungsberg-werk in Gorleben wurde besichtigt – dort diskutierten die Jugendlichen auch die Probleme der atomaren Nutzung, Lagerung und der damit verbundenen Risiken. Geschichte wurde erlebbar gemacht - bei einem Besuch im  Grenzlandmuseum in Schnackenburg und am Stresower Grenzstein konnten die Jugendlichen die Folgen der Teilung Deutschlands nachvollziehen – in Dömitz wurde die Festung aus dem Mittelalter besichtigt. Die Geschichte des Wendlandes und speziell ihrer Bebauung stand beim Besuch des Rundlingsmusuems in Lübeln im Vordergrund. Doch auch die sportliche Betätigung kam nicht zu kurz. So fand auf dem Gartower See ein Drachenbootrennen statt, das gute Wetter lockte die Jugendlichen auch einmal ins Freibad nach Hitzacker und am Abend fand auf dem Gelände der Jugendherberge immer wieder spontan ein Fußball- oder Volleyballmatch statt.

Die Atmosphäre im Camp wurde auch wesentlich geprägt durch die offene Art der drei Betreuer Franziska (25), Joachim (27) und Matthias (18, denn diesen gelang es in ehr kurzer Zeit, das Vertrauen der Jugendlichen zu gewinnen. So erfüllte sich auch der Wunsch des Camp-Directors Eckhart Steffens: „Freundschaften fürs Leben zu finden, ist Ziel dieses Camps – pflegt sie respektvoll“! Der Dank des Organisationsteams gilt den zahlreichen Helfern im Hintergrund, den Gastfamilien aus dem Lions Club Lüchow-Dannenberg und auch dem Landkreis, der Sparkasse Uelzen Lüchow-Dannenberg, die ebenso großzügig spendete wie die Firma Gornig und das Unternehmen des Lionsfreundes Stefan Irro, der die vielen Busfahrten bezahlbar machte. Insgesamt hat das Canp allen Beteiligten so gut gefallen, dass sich das Orgateam am Ende der gemeinsamen Zeit vorstellen kann in absehbarere Zukunft noch einmal ein Jugendcamp zu organisieren.


Drachenbootrennen auf dem Gartower See