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Eine Stadt zum Berühren und Tasten Lions Club Memmingen übergibt Blindenstadtmodell an Oberbürgermeister

Enthüllung Stadtmodell

Mit der Übergabe des Blindenstadtmodells an die Stadt Memmingen ist die Erkundung der eigenen Heimatstadt insbesondere für Blinde nun möglich. Geschaffen wurde das 130 kg schwere Werk aus Goldbronze durch den nordrheinwestfälischen Bildhauer Egbert Broerken, welcher bereits für mehr als 120 Städte solche Modelle gefertigt hat. Das Modell wurde in einer Zeit von über einem Jahr in mühevoller Kleinarbeit gefertigt.  "Memmingen ist eines der schönsten, aber auch schwierigsten Modelle, die ich gemacht habe.", sagte der Künstler nicht ohne Stolz während der feierlichen Ansprachen im Rathaus von Memmingen. Dr. Ivo Holzinger bedankte sich bei dem Lions Club für deren Initiative. "Das Modell wird die Stadt künftig insbesondere als Orientierungshilfe für sehbehinderte Mitbürger als auch als Touristenattraktion und bei Stadtführungen bereichern", so Dr. Holzinger. Die Kosten von über 36.000 Euro wurden durch den Lions Club und seine Mitglieder sowie von engagierten Bürgern der Stadt übernommen.

Nach einem festlichen Zug vom Rathaus zum Standort des neuen Stadtmodells am Weinmarkt Memmingen wurde das Werk durch die von einer Sehbehinderung betroffene Yvonne Burkhardt, den Oberbürgermeister sowie Lions-Präsident Dr. Reinhard Kössinger und dem Künstler selbst enthüllt. Musikalisch wurde die Zeremonie durch den Spielmannszug der Feuerwehr Memmingen untermalt. Yvonne Burkhardt erkundete umgehend mit ihren Fingern die unmittelbare Umgebung. Die Freude und Begeisterung über die neue Erfahrung als Blinde, nun die Straßenzüge und Plätze ihres täglichen Weges zu ertasten, war ihr sichtlich anzumerken.

Memmingen soll "erfassbar" werden Blindenstadtmodell

Blindenstadtmodell in Ulm beim Münster

Das Relief aus Bronze im Massstab 1:650 werde die Altstadt Memmingens und benachbarte prägnante Gebäude wie Josefskirche und Bahnhof abbilden. Die Aufstellung werde noch im Sommer 2015 auf dem südlichen Weinmarkt, gegenüber der Kramerzunft erfolgen. Das dreidimensionale Modell, das in Tischhöhe auf einem Sockel errichtet wird, diene in erster Linie Blinden und Sehbehinderten, die Heimatstadt Memmingen zu „begreifen" und damit ihre Umwelt auf diese Weise nachzuvollziehen. Wesentliche Gebäude, Strassen und Plätze werden in Blindenschrift bezeichnet. Nicht nur Sehenswürdigkeiten, sondern auch die täglichen Wege werden somit „erfassbar". Bewußt sei daher auch der aktuelle Bautenstand gewählt worden; für historische Zwecke gebe es das hölzerne Stadtmodell im Stadtmuseum.

 

Aber nicht nur für Sehbehinderte wird das Modell künftig Anlaufstelle sein. Auch Sehende können das frei zugängliche Modell nutzen. Besuchergruppen kann ein Überblick während einer Stadtführung gegeben werden. Kinder können nun ihre Heimatstadt von oben betrachten, wie es bisher nur vom Martinsturm aus möglich war. Aber auch der sehende Memminger Bürger wird die Augen auf dem Stadtmodell ruhen und die Hände über die bronzenen Dächer gleiten lassen. Dies sei bei vergleichbaren Modellen, so Kössinger, in anderen Städten wie in München vor der Frauenkirche, in Ulm neben dem Münster und in Hamburg vor dem Rathaus zu beobachten.

 

Die Finanzierung sei für den Lions Club Memmingen ein Kraftakt, da die Gesamtkosten von rund 33.000 Euro in voller Höhe von ihm zu erbringen sind. Der Lions Club ist angewiesen auf Spenden für dieses Vorhaben. Kössinger ist aber aufgrund der ersten überaus positiven Reaktionen und spontanen Spendenzusagen auch außerhalb des Lions Club zuversichtlich, dass sich Bürger und Unternehmen aus dem Raum Memmingen für eine Finanzierung dieses lokalen und nachhaltigen Projekts einsetzen werden