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    „Sight First“ in Tansania (1991 – 2000)

    Unser Einsatz für „Sight First“ in Tansania (1991 – 2000)

    Oft sind es kleine Ereignisse, die eine langfristige, positive Wirkung haben können. Im hier zu beschreibenden Fall ist es ein Gespräch mit einer Kollegin im Lehrerzimmer des Ratsgymnasiums in Münster im Spätherbst 1991. „Meine Stieftochter ist jetzt Augenärztin in Tansania. Regina arbeitet dort in einem Hospital der Tutzinger Missionsschwestern!“ Ein Wort gibt das andere, Ideen wachsen und schon wird eine direkte Verbindung im Rahmen des Projektes „Sight First“ von Lions International aus Münster in das südliche Afrika möglich.

    Mit „Sight First“ wollen die Lions zum Ende der 1980er Jahre weltweit eine erneuten Feldzug gegen die Blindheit starten. In Deutschland sucht man zu Beginn noch Kooperations-Partner, da man so groß angelegten internationalen Aktivitäten ohne unmittelbare Verbindung zu den Empfängern eher skeptisch gegenüber steht. Die Möglichkeit, eine junge Augenärztin aus Münster in einem von einem deutschen Orden geleiteten Krankenhaus an einem gesundheitlichen Brennpunkt in Afrika zu unterstützen, fasziniert unseren Club. Noch im Dezember 1991 geht eine erste zweckgebundene Spende von 2.500 DM auf die Reise nach Ndanda in Tansania.

    Hier im Süden des Landes an der Grenze zu Mozambique besteht ein Krankenhaus der Tutzinger Missionsschwestern, das mit seinen 300 Betten und noch einmal so viel „Fußbodenplätzen“ das Gesundheitszentrum für eine ganze Region ist. Zwei tansanische Regionen, Lindi und Mtwara mit etwa zwei Millionen Einwohnern stützen sich auf dieses Institut. Die Menschen kommen im Normalfall zu Fuß aus einem Umkreis von mehr als 100 Kilometern, in besonderen Fällen aus bis zu 300 Km Entfernung, um ärztliche Versorgung zu finden. Patienten aus dem Nachbarland Mozambique kommen ebenfalls regelmäßig. Die Bauern des Landes haben erst nach der Ernte Zeit, sich um die eigene Gesundheit und die der Angehörigen zu kümmern. Deshalb sind die Monate Oktober bis Januar im Hospital von Ndanda die arbeitsreichsten. Die Kranken werden von den Familien gebracht und auch im Hospital betreut, so dass sich rund um das Krankenhaus stets reges Leben zeigt. Innere Medizin, Gynäkologie und Geburtshilfe sowie Chirurgie sind die Schwerpunkte; hinzu kommt eine Krankenpflegeschule für die Ausbildung des einheimischen Pflegepersonals. Für die Augenerkrankungen stellt Ndanda für die Regionen Lindi und Mtwara den einzigen Anlaufpunkt mit einem operierenden Fachmediziner dar.

    Und zwischen 1991 und 2000 ist das Frau Dr. Regina Göbel aus Münster (* 1958), die sich mit den typischen Erkrankungen der Region auseinandersetzen muss. An erster Stelle stehen Star-Erkrankungen und Trachom. Die Einrichtung des Hospitals reicht aber zu einer breiteren Blindheitsbekämpfung nicht aus. Können die Lions aus Münster helfen?

    Unser Club beschließt alsbald, „in die Speichen zu greifen“ und eine größer angelegte Activity auch aus Anlass des 40. Clubjubiläums im Jahr 1995 zu starten. Inzwischen haben die deutschen Lions im MD 111 eine Zusammenarbeit mit der Christoffel-Blinden-Mission in Bensheim begründet, die zuvor schon Frau Göbel unter Vertrag genommen und nach Tansania geschickt hatte. Man erstellt vor Ort ein Konzept für die Errichtung einer Augenstation mit einer entsprechenden Einrichtung für Diagnostik und Operation. Dazu gehören ebenso Mikroskopieranlagen, Spaltlicht-Lampen, medizinische Gerätschaften - und ein Motorrad: Wozu das? Die Erklärung ist einfach: Mit dem Motorrad soll ein einheimischer medizinischer Helfer, ein sog. „Barfußarzt“, über die Dörfer fahren, die Erblindeten direkt aufsuchen und sie zur Behandlung nach Ndanda bewegen und vermitteln.

    Dass ein - uns Europäern proportional klein erscheinender - Eingriff wie die Kataraktoperation Menschen das Augenlicht zurückgeben kann, ist in den Augen der afrikanischen Bevölkerung eines der medizinischen Wunder überhaupt.

    Es erfolgt eine intensive Planungsarbeit zwischen Ndanda, Tutzing, Bensheim und Münster, an deren Ende das Konzept und seine Finanzierung stehen. 75.350 DM bringt unser Lions-Club Münster im Laufe der Jahre bis zur letzten Spende im Jahre 2000 nach Tansania auf den Weg und ermöglicht damit den Aufbau der Augenstation so, wie er von Dr. Regina Göbel und den Fachleuten der CBM geplant ist. Wiederholt kommt „unsere Augenärztin“ bei Heimatbesuchen zu unseren Club-Abenden und berichtete uns vom Fortgang der Activity.

    Leider wird der Vertrag von Frau Göbel im Jahr 2000 nicht verlängert, so dass der direkte, persönliche Kontakt in den Süden Tansanias etwas abrupt unterbrochen wird. Heute arbeitet sie auf der wunderschönen Ostsee-Insel Gotland in einem Krankenhaus der Stadt Visby, ist aber regelmäßig auch zu Besuch in Münster und auf den Fachtagungen der Augenärzte zu finden, die in den Entwicklungsländern arbeiten.

    Im September 2004 reiste Dr. Göbel wieder nach Ndanda, um sich ein Bild von der Lage „ihrer“ und „unserer“ Augenklinik zu machen. Wie sie dem Verf. bei einem Treffen in den ersten Märztagen 2005 in Münster berichtet, ist alles in guter Ordnung. Die Augenstation mit der von uns gesponserten Einrichtung läuft weiterhin effektiv und auf Hochtouren. Ihr Nachfolger, der einheimische Dr. Humbaro, hat im letzten Jahr wieder 400 Kataraktoperationen erfolgreich durchgeführt und damit in der Region seinen Beitrag zu dem Ziel geleistet, „möglichst viele Blinde wieder zum Sehen zu bringen“. Das Motorrad allerdings hat nach den vielen Jahren im ostafrikanischen Staub seinen Dienst inzwischen leider versagt.

    Und die Zukunft? Mit „Vision 2020“ hat die Weltgesundheitsorganisation ein Ziel vorgegeben, an dem auch die Lions mitarbeiten wollen. Bis zum Jahre 2020 soll die Blindheit weltweit auf 50 % des Standes des Jahres 2000 heruntergefahren werden. In Tansania soll im Schnitt für je eine Million Einwohner ein operierender Augenarzt zu Verfügung stehen.

    Im Herbst 2004 hat das Krankenhaus in Ndanda eine neue Oberin bekommen, Frau Dr. Raphaela Händler, die - wie übrigens auch der Verf. – am Stiftsplatz in Nottuln im Münsterland aufgewachsen ist. So ist ein direkter Ansprechpartner vor Ort wieder vorhanden. Wer weiß, was aus dieser Fügung noch werden kann.                            

    L Hans-Peter Boer

    Adresse von Dr.Regina Göbel

    Halsjärngatan 1a

    S – 62147 Visby

    Schweden

    Tel: 46 – 498 – 259902

    e-mail: reginagoebel@yahoo.com