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Sie finden hier Informationen über die Organisation und Ziele der Lions weltweit, über viele Hilfsprojekte im In- und Ausland und natürlich über die Arbeit des Clubs hier in Nienburg/Weser.
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Aus Nienburg in die weite Welt…

Aus Nienburg in die weite Welt…

Christian Schmidt Häuer im Gespräch mit Peter Brieber und Präsident Bernd Bargemann (v.l.)

Als Moderator hatte sich Peter Brieber, ebenfalls Mitglied des Lions Clubs, als sehr angenehmer und gut vorbereiteter Gesprächspartner erwiesen. Beide saßen an einem Tisch, etwas erhöht auf einem Podest, das durch den ausgebreiteten Teppich geradezu eine behagliche Wohnzimmeratmosphäre aufkommen ließ. Bevor es jedoch mit der Gesprächsrunde losging, informierte Bargemann die anwesenden Gäste, was hinter den Lions im Allgemeinen steht. Deutschlandweit sind etwa 50.000 und weltweit über 1,4 Mio Mitglieder zu zählen. Der erste Club wurde 1951 in Deutschland gegründet, die Wurzeln aber liegen in den USA, wo die Organisation vor knapp 100 Jahren ( 1917) gegründet wurde. In Nienburg haben die Lions verschiedene Projekte  auf den Weg gebracht, so sind stellvertretend der Bau der Weserschutzhütten, die Stolpersteine und die Kulturloge zu erwähnen. Geleitet werden die Lions von ihrem Motto: „WE SERVE“ - Wir dienen!

Der langjährige ZEIT – Journalist Schmidt- Häuer begann mit einem Rückblick auf seine Schulzeit, die er in Nienburg an der ASS verbracht hat. Er selbst beschreibt, dass er Nienburg als Paradies erlebt hat, da er als Kind und Jugendlicher in den Nachkriegsjahren hier sehr viel Freiheit genießen konnte. Anläßlich der Einweihung des Gymnasiums 1953, war es ihm möglich den Namensgeber - Albert Schweitzer – persönlich zu erleben. Als Schüler den Naturwissenschaften eher nicht so zugetan, lagen Schmidt- Häuer Fächer wie etwa Geschichte und Deutsch deutlich mehr, wie er verriet. Hieraus entstand dann auch der Wusch, Journalist zu werden. Geprägt habe ihn auch der Satz Schweitzers „ Das einzig Wichtige, was bleibt, ist die Liebe, die wir in unserem Leben erfahren haben.“  Gleichauf gelingt der Brückenschlag zum zweiten Nienburger Gymnasium, da er lange Jahre Gräfin von Dönhoff als, couragierte und faire Chefin als Journalist bei der ZEIT erleben durfte.

Es folgte die sehr eindrucksvolle Schilderung des persönlich Erlebten im Prager Frühling 1968 als junger Journalist. Diese betrachte er bis heute als erschütternde und bleibende Momente seiner beruflichen Laufbahn. Gespräche mit Alexander Dubcek auf der Prager Burg, Treffen mit Milan Kundera und Vaclav Havel prägten diese Zeit. Ebenso war er Augenzeuge der Selbstverbrennung Jan Palachs auf dem Wenzelsplatz. Nach erfolgter Ausweisung aus der CSSR, musste er diese binnen 48 Stunden verlassen und kehrte zunächst nach Nienburg zurück.

Weiter berichtete er über den Aufstieg und Niedergang des Arbeiterführers Lech Walesa, der die Gewerkschaft Solidanosc anführte. Sein journalistisches Wirken konzentrierte sich zunächst auf Osteuropa. So hat er Leonid Breschnew, Michail Gorbatschow und Boris Jelzin alle persönlich gekannt und auch erlebt. Bereits 1978 ergab sich der Kontakt, zum damals 47jährigen Michail Gorbatschow. Galt Breschnew als Symbol für die Stagnation der damaligen Sowjetunion und Boris Jelzin später als der „saufende Russe“, so war es Gorbatschow, der – nach Lenin - als Mensch auftrat und seine Reden frei formulierte und sprach und zu begeistern wusste. Zudem berichtete er über Aufenthalte in Korea und Kuba, das er 2007 mit seiner Frau besuchte.

In all den Jahren, in denen Schmidt- Häuer in unzählige Länder dieser Welt beruflich und auch privat gereist ist und dort gearbeitet hat, war es von ganz immensem Vorteil , dass er viele Sprachen spricht, sich auf die jeweiligen Länder intensiv vorbereitete und die Sprachen auf der Straße, von Freunden oder Studenten gelernt hat. Seine Frau, die mit ihm nach Nienburg gereist war, bezeichnet ihren Mann als Sprachgenie, was er selbst jedoch auf sympathische Art und Weise herunterspielte.

Schmidt- Häuer wies gleichzeitig auch auf die Gefahren des Journalismus hin, die nicht von der Hand zu weisen sind, da auch er im Laufe der Jahre viele Freunde verloren hat, die aus Krisengebieten berichteten. So ist er ganz besonders froh –und seine Frau natürlich noch mehr – all die Jahre seiner Tätigkeit unversehrt überstanden zu haben.

Abschließend las Schmidt- Häuer zwei Geschichten aus den Reihen seiner Bücher      „ Erlebte Weltgeschichte“ vor, wobei der eine, an eine Rede Trumans angelehnte Bericht aus dem Jahr 1947 mit dem Titel „ Athens Apfelkörbe“ wiederum einen sehr aktuellen Bezug zur Gegenwart herstellte und auf eindrucksvolle Weise demonstrierte, dass sich Geschichte wiederholt. Nach einem fast dreistündigen, sehr interessanten und breit gefächerten Abend, konnte Präsident Bargemann zudem über die während des Vortrages eingesammelte Spende in Höhe von insgesamt 592,20 Euro bekannt geben. Diese wird den Erbebenopfern aus Nepal über das Hilfswerk der Deutschen Lions (HDL) – ohne Verluste – direkt zur Verfügung gestellt. Unter dem Aspekt, dass in einem der ärmsten Länder der Welt hier eine Familie für etwa 50 Euro im Monat ernährt werden kann, ist dies ganz im Sinne der LIONS: We Serve!