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null Jesu Sterbestunde wird zur musikalischen Sternstunde - Bachs Johannespassion kommt zur Aufführung

Jesu Sterbestunde wird zur musikalischen Sternstunde - Bachs Johannespassion kommt zur Aufführung

Großer Applaus für die Leistung

Der Lions Club Odenwald freute sich, mit einer Spende über 500 Euro in den Osterferien eine Aufführung der ganz besonderen Art unterstützen zu können.

Nach den letzten Klängen des entrückten Schlusschorals verharrten Zuhörer wie Musiker in andächtiger Stille, die gleichsam von der Dramatik und  Nachdenklichkeit der zweistündigen Aufführung von Johann Sebastian Bachs Johannes-Passion gefüllt war. Danach setzte lang anhaltender Applaus in der Evangelischen Stadtkirche Michelstadt ein. Bis auf den letzten Platz war sie am Karfreitag (25.März) zur Sterbestunde Jesu Christi besetzt.

Die Zuschauer wurden nicht nur mit einer packenden und gleichermaßen anrührenden Aufführung dieses musikalischen Wunderwerks für ihr Kommen belohnt. Sie waren zudem Zeuge eines weit über die Region hinaus einmaligen Projekts, das seit nunmehr 8 Jahren ein- bis zweimal im Jahr Schule und Kirche, Profimusiker, erfahrene Chorsänger des Dekanats Odenwald und Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Michelstadt zusammenführt, um die Gipfelwerke der geistlichen Chormusik aufzuführen. 

Von manchen ungläubig bestaunt standen dort 40 Schülerinnen und Schüler der Unter-, Mittel- und Oberstufe, verstärkt von Eltern, Lehrern und pensionierten Lehrern auf der Bühne. Zusammen mit den rund 40 Mitgliedern des Dekanatschors bildeten sie eine klangstarke Gemeinschaft, deren Besonderheit in der Mischung aus reifen Erwachsenenstimmen und dem frischen klaren Klang der Jugendlichen bestand. Ihnen gelang es wunderbar sowohl die dramatischen wie auch die besinnlichen Momente umzusetzen. Dabei schienen sie kaum Mühe mit den über weite Strecken extrem komplexen und stimmlich anspruchsvollen Partien zu haben.

Zu dem so verjüngten Chor gesellten sich ebenso jugendfrische Solisten, die an technischer Meisterschaft nichts vermissen ließen. Die Herkulesaufgabe des Erzählers (Evangelisten) meisterte Aljoscha Lennert (Tenor) stimmlich souverän und mit großer gestalterischer Bandbreite und Eindrücklichkeit. Zudem übernahm er noch die beiden Tenor-Arien, die zu den schwersten ihres Fachs gehören. Mit großer Stimme und erhabener Geste stellte sich ihm Frederic Moerth  (Bass) als Christus zur Seite. Die beiden sehr unterschiedlichen Bass-Arien erweckte er mit virtuoser und biegsamer Stimme zum Leben.  Von runder weicher Klangfarbe und klarer Führung bruchlos von der tiefen Lage bis ins hohe Register ist die Stimme der Altistin Sarah Mehnert geprägt, die geradezu traumhaft ihre Arien gestaltete, von denen die Arie „Es ist vollbracht“ besonders berührte. Barbara Zintls silbrig glitzernder Sopran vermochte die Schwerelosigkeit ihrer Arien „Ich folge Dir gleichfalls“ und „Zerfließe mein Herze“ voll zur Geltung zu bringen. Eine wichtige dramatische Funktion erfüllte Florian Conze (Bass) in seiner Rolle als Pilatus, der er stimmliche Gewalt in seinen Ausbrüchen aber auch zweifelnde Zurückhaltung zu verleihen vermochte. Ihre sängerische Begabung konnte zudem Livia Weller aus dem KlassikChor des Gymnasiums bei einem kurzen Einwurf als Magd zeigen.

Den Sängerinnen und Sängern stand mit der Kurpfalzphilharmonie Heidelberg ein kongeniales Ensemble zur Seite, das sich wunderbar in das musikalische Gesamtkonzept einfügte und dieses prägte. Die Hauptlast trug dabei die Continuogruppe bestehend aus Helmut Endlich (Cello) und Sungmo Schäffter (Orgel) die am musikalischen Geschehen über zwei Stunden ununterbrochen beteiligt waren. Hinzu traten einige Instrumental-Solisten und nicht zuletzt Arne Müller (Solo-Violine), der Leiter der Kurpfalzphilharmonie.

Die Gesamtleitung lag in den Händen unseres LF Dekanatskantor Hans-Joachim Dumeier, dem es durch sein klares und fesselndes Dirigat über zwei Stunden gelang Zuhörer wie Agierende durch alle Höhen und Tiefen der bewegenden Passionsgeschichte zu führen und so Chor und Orchester zu Höchstleistung zu motivieren.

Ihm selbst und seinem Mitstreiter Thorsten Klingelhöfer-Marquard (Gymnasium Michelstadt) waren denn auch die Rührung und Dankbarkeit anzumerken, angesichts der Besonderheit dieses Moments, in dem sich Jung und Alt, Kirche und Schule, Schüler und Lehrer und Kantoreisänger zusammen fanden, gemeinsam dieses Wunderwerk zum Klingen zu bringen.