Unsere Activities

Der Lions Club Paderborn unterstützt im Wesentlichen soziale und kulturelle Projekte in der heimischen Region. Dabei engagieren sich die Mitglieder des Lions Clubs durch ihren persönlichen Einsatz oder leisten finanzielle Unterstützung für ein Projekt.

Lions-Libori-Tombola

11 x 11 Uhr beim Präsidenten Lions-Libori-Tombola

Lions-Libori-Tombola - Unser Team
Lions-Libori-Tombola - Unser Team

Erstmals Ende 1992 und danach ab Februar 1993 in regelmäßigen Abständen traf sich insgesamt elfmal sonntags um 11.00 Uhr eine kleine Arbeitsgruppe beim damaligen Präsidenten Franz-Josef Fisch, um eine der größten und bisher erfolgreichsten Activity seit Bestehen des Clubs vorzubereiten.

Vorher gab es außer allgemeinen Überlegungen über mögliche zukünftige Aktivitäten bei den Clubabenden keine konkreten Ergebnisse. Schnell wurde deshalb klar, wir müssen uns zunächst in einer kleineren Gruppe zusammensetzen, Ideen sammeln und diese auf ihre Realisierbarkeit prüfen. Resultat waren drei weiter zu verfolgende Vorschläge:

  • Eine Verlosungsaktion mit attraktiven Sachpreisen zur nachhaltigen finanziellen Unterstützung der Aktion „Sight First“ von Lions Club International, die auch heute noch als Lions-Libori-Tombola, jetzt für „Kinder in Not“, ein jährlicher Höhepunkt im Clubleben ist, sowie
  • Eine damit korrespondierende Aktion, die von 1996 bis 2001 als Brillensammlung mit großem Erfolg im Kreisgebiet organisiert wurde.
  • Die Auslobung eines Preises für soziales Engagement nachfolgend als Niels-Stensen-Preis realisiert.

Aber zurück zu den Anfängen. Eine Idee bleibt bis zu ihrer Verwirklichung auch nur eine Idee. Voraussetzung für die Realisierung sind Engagement, Risikobereitschaft und Beharrlichkeit. All das hatten die Freunde, die sich zum Sonntagstreff im stets gastlichen Hause Fisch zusammenfanden.

Vorbereitung der Lions-Libori-Tombola: Unter notarieller Aufsicht werden die Lose gemischt
Vorbereitung der Lions-Libori-Tombola: Unter notarieller Aufsicht werden die Lose gemischt

Und so ergab sich nach und nach eine zunächst noch theoretische Vorstellung über Zeit, Ort und Art und Weise der genauestens zu planenden Aktion. Theoretisch deshalb, weil sich bei der praktischen Durchführung noch so manche Widrigkeit ergab. Aber das war letztlich für das „Tombola Kernteam“ mit Franz-Josef Fisch, Franz Lödige und Bernhard Winnemöller kein wirkliches Hindernis.

So war zunächst geplant, die Verlosungsaktion erstmals in Verbindung mit dem Paderborner Frühlingsfest am 7. und 8. Mai 1993 durchzuführen. Ein Gedanke, der sich schnell als wenig tragfähig erwies. Der Lions Club bekam von den Veranstaltern keine Genehmigung für einen Standplatz. Was war also noch möglich?

Das Liborifest war die nächste Idee, denn ohne einen festen Termin und viele Besucher und Gäste in der Stadt lassen sich nun mal auch keine Lose verkaufen. Aber konnte sich nicht das gleiche Problem wie beim Frühlingsfest ergeben? Zudem die Frage, die ganze Woche, am ersten und zweiten Wochenende und wo? Auf dem Liboriberg? Aber auch das gab es keinen Standplatz. So fiel die Entscheidung, die Aktion sollte zur Eröffnung am 1. Libori-Wochenende und mit Rücksicht auf die gegebenen personellen Möglichkeiten von Freitag-Sonntag stattfinden: Später wurde der Termin aufgrund der gewonnenen Erfahrungen auf das 2. Liboriwochenende verschoben. Aber offen war noch immer wo?

Lions-Libori-Tombola Zelt in der Westernstrasse mit Hauptgewinn
Lions-Libori-Tombola Zelt in der Westernstrasse mit Hauptgewinn

Hier konnte Hermann Sittig helfen. Er vermittelte ein Gespräch mit den Oberen des Franziskanerklosters, die den zwischenzeitlich traditionellen Platz vor dem Kloster, ein kleines, für die Logistik notwendiges Büro und sogar Strom für Beleuchtung und Lautsprecheranlage zur Verfügung stellten.

Apropos Lautsprecheranlage, hierfür musste selbstverständlich bei der Stadt genauso eine Genehmigung eingeholt werden, wie für den Standplatz eines Zeltes und natürlich erst recht auch für die „Losbriefausspielung im Rahmen des Liborifestes“. Diese wurde schließlich vom Regierungspräsidenten, nach Einreichung umfangreicher dazu notwendiger Unterlagen und Bescheinigungen, erstmal am 03.06.1993 auf fünf Seiten mit insgesamt 22 detailliert beschriebenen Auflagen erteilt.

Aber wie sollte das Zelt und der Innenraum aussehen? Wie lassen sich die Preise am besten präsentieren und überhaupt welche Preise und wie viel? Finden wir Sponsoren? Was müssen wir noch zusätzlich einkaufen und wie teuer dürfen oder müssen diese Preise sein? Wer gibt die Preise aus? Wie wird der Losverkauf organisiert? Bei letzterem war schnell klar: ohne unsere Frauen geht das gar nicht. Wir brauchen nicht nur Mann – sondern auch Frauen-Power.

Und weiter Fragen über Fragen, z.B. welche Lagerkapazitäten sind erfolgreich, wie kann die Logistik und der Transport der Gewinne in der zum Liborifest proppenvollen Innenstadt gesichert werden? Wer sorgt für die Ausstattung der Losverkäufer/innen mit gelben Lions-Mützen und Loskästen? Wer erstellt und beschriftet diese Loskästen? Wer liefert Lautsprecher und Zelt? Welche zusätzliche Werbung und Öffentlichkeitsarbeit ist erforderlich, um den guten Zweck der Aktion zu vermitteln? Wie kann die Einsatzplanung für Losverkäufer/innen und Sprecher am Mikrofon einfach und zweckmäßig organisiert werden? Welcher Notar ist bereit, die umfangreiche Gewinnliste zu erstellen und das Mischen der Lose zu beaufsichtigen? Viele Aufgaben waren also nahezu generalstabsmäßig zu planen und auf mehrere Zuständigkeiten zu verteilen.

 

Lions-Libori-Tombola Zelt umringt von Besuchern
Lions-Libori-Tombola Zelt umringt von Besuchern

Die Erstellung der für die Preispräsentation notwendigen Regale im Zelt, einschließlich Ausgabetresen, übernahm nach Handskizzen spontan Rudi Henrichsmeyer, der über längere Zeit zum „harten Kern“ der Mannschaft gehörte und auch heute noch, nicht nur ein Lager für die Inneneinrichtung bereitstellt, sondern auch für die Anlieferung und Abholung sorgt. Hermann Sittig half mit seinen Mitarbeiterinnen bei der Standgestaltung und -dekoration und Ulrich Jansen kümmerte sich kostenfrei um Ton und Licht. Die Lagerung der Preise sowie die Anlieferung wurde in den Anfangsjahren von Wilfried Schreckenberg übernommen, der nachher auch übrig gebliebene Preise für das Folgejahr einlagerte.

So nach und nach konkretisierten sich die Vorstellungen, aber begleitet von der bangen Frage „Wird das alles klappen?“, „Haben wir auch nichts vergessen?“ Die Zwischenergebnisse wurden immer wieder im Club erörtert, gleichzeitig wurde an alle Mitglieder appelliert, im Freundes- und Bekanntenkreis Geld- und Sachspenden einzuwerben, um das Risiko möglichst gering zu halten.

Kurz vor Beginn der heißen Phase wurden dann alle Planungen den Club-Mitgliedern und den Mitgliedern des Leo Clubs, der ebenfalls seine Mithilfe angeboten hatte, vorgestellt. Rasch verflogen anfängliche Skepsis und Hemmungen auf der Straße wildfremde Menschen als Losverkäufer anzusprechen. Die Einsatzlisten füllten sich mit Namen.

Nachdem die Lose unter Aufsicht eines Notars gemischt und kuvertiert waren, startete dann am 23. Juli 1993 nach dem Zeltaufbau, dem Einbau von Tresen und Regalen sowie der Einlagerung und Präsentation von 2000 attraktiven Preisen im Gesamtwert von rund 60.000 DM die große Tombola.

 

Der Botschafter Indiens dankt den Lions für die Unterstützung von Projekten in Indien
Der Botschafter Indiens dankt den Lions für die Unterstützung von Projekten in Indien

Von 11.00 Uhr morgens bis 23.00 Uhr abends hatten die Festbesucher die Gelegenheit, bei den Lions Lose für 5 DM zu erstehen. Als Hauptgewinn winkten ein Ford Fiesta, ein Motoroller, Möbel, Fahrräder, Radio- und Fernsehgeräte, aber auch die kleineren Preise waren attraktiv. Kaum ein Besucher der Innenstadt konnte die Lautsprecheransagen überhören oder am Stand vorbeigehen, ohne über den Zweck, nämlich die Aktion „Rettet das Augenlicht“ unterrichtet zu sein.
Hintergrund dieser Aktion war ein internationales Engagement der Lions-Organisation unter dem Begriff „First Sight“. Blindheitsverhüten und -heilung sowie Blindenbetreuung haben bei Lions International eine lange Tradition, weil über 80% der Erblindungen in Entwicklungsländern verhütbar oder heilbar sind, aber zu wenig geschieht.

Es war also ein lohnenswertes Ziel, sich hierfür einzusetzen und auf diese Probleme aufmerksam zu machen. Intern war man sich dann schon bei der ersten Tombola, angeregt durch die gute Resonanz der Besucher und in der Presse, euphorisch einig: „Mit unseren Spenden bauen wir eine komplette Augenklinik in Indien“. Deshalb war es auch nicht verwunderlich, dass die Aktion des Paderborner Clubs in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn das Interesse des indischen Botschafters Kashin Rana und seiner Gattin fand. Er besuchte die Lions im Tombola-Zelt und dokumentierte durch seine persönliche Anwesenheit die Unterstützung des Vorhabens.

Um es vorwegzunehmen: Die umfangreichen Vorplanungen waren äußerst erfolgreich. Wie am Schnürchen klappte die Organisation und am Ende waren alle 18.000 Lose verkauft. Aber nicht nur der gute Zweck wurde erreicht. Genauso wichtig war es für den Club, dass schon am Abend für alle Mitglieder außer Frage stand: „Im nächsten Jahr machen wir wieder eine Tombola für den gleichen Zweck.“

 

Für soziale Projekte in Nicaragua erhält Pater Westhoff (aus Hövelhof) Mittel aus dem Tombola-Erlös
Für soziale Projekte in Nicaragua erhält Pater Westhoff (aus Hövelhof) Mittel aus dem Tombola-Erlös

In drei Jahren konnten daher dem Lions-Hilfswerk für eine Augenklinik in Indien 125.000 DM überwiesen werden. Mit Hilfe einer komplementären Förderung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung wurde damit eine Augenklinik in Jatphuhra/Indien gebaut. Betrieben wird dieses Krankenhaus von der Christoffel Blindenmission e.V., die hier viele Menschen heilt und betreut.

Und da nichts erfolgreicher ist als der Erfolg, wurde die Lions-Libori-Tombola natürlich weiter fortgeführt. In den ersten Jahren stand noch „Sight First“ im Fokus. Es folgte auf Anregung verschiedener Lions-Freunde dann weitere Entwicklungsprojekte in Brasilien, Peru, Nicaragua und in Tansania. In allen Fällen waren dies vornehmlich Schulbauprojekte, um Kindern in diesen Ländern durch Bildung die Chance für ein besseres Leben zu ermöglichen. Unterstützung fand auch eine Aktion der deutschen Lions zugunsten des Friedensdorfs International in Oberhausen. Diese Einrichtung, die seit 1967 verletzte Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten, denen in ihrer Heimat nicht geholfen werden kann, kostenfrei behandelt, erhielt eine Zuwendung in Höhe von 30.000 DM. Wie später bekannt wurde, die größte Spende eines deutschen Clubs überhaupt!

In den Diskussionen über die Tombola, die zu keinem Zeitpunkt mehr in Frage gestellt wurde, kristallisierte sich aber immer mehr heraus, dass es auch erstrebenswert wäre, Projekte in und um Paderborn zu fördern. Als Grundsatz wurde festgelegt, dass eine zu fördernde Einrichtung weder eine direkte noch indirekte Förderung durch die öffentliche Hand erhalten durfte und nachweislich für die Verwendung der Mittel keine Verwaltungskosten entstehen. Dieser enge Grundsatz führte letztlich dann auf Initiative und mit wesentlichen Impulsen aus dem Club zur Gründung von „Sterntaler – Hilfe für schwer erkrankte Kinder e.V.“ in Paderborn. Der Verein erhält jetzt jährlich einen wesentlichen Betrag aus den Tombolaerlösen.

Franziskaner und Vorstandsmitglieder des Vereins Sterntaler erhalten den Erlös aus der Tombola
Franziskaner und Vorstandsmitglieder des Vereins Sterntaler erhalten den Erlös aus der Tombola

So wandelte sich mit der Zeit nicht nur der Empfängerkreis, sondern auch der Aktionsname, der jetzt bereits seit Jahren mit dem Spendenaufruf für „Kinder in Not“ die Menschen bewegt, für 2,50 Euro ein Los zu kaufen. Insgesamt konnten seit 1993 bis zum Jahr 2009 ein Betrag von 411.000 Euro aus dieser Aktivität für den guten Zweck zur Verfügung gestellt werden.

Ohne Zweifel ein beeindruckendes Ergebnis. Aber nicht nur die Blinden in Indien und die „Kinder in Not“ zählen zu den Gewinnern, auch der Lions Club selbst ist Profiteur der Activity. Der Zusammenhalt im Club ist größer und nachhaltiger geworden. Für neue Mitglieder ist die Lions-Libori-Tombola eine gute Möglichkeit sich zu begegnen und sich besser kennen zu lernen. Sie können aber auch hautnah erleben, wie viele gleichgesinnte Freunde den Grundsatz der Lions „we serve“ ernst nehmen und Verantwortung übernehmen, damit eine derartig umfangreiche Aktion störungsfrei und planmäßig Jahr für Jahr wieder erfolgreich durchgeführt werden kann. Dazu gehört auch, dass sich im Lauf der Zeit Freunden, die lange Zeit in der ersten Reihe standen, die, die sich 11 mal um 11 Uhr beim Präsidenten trafen, jetzt wieder in die normale Linie zurückgetreten sind und andere Freunde wie Albert Löhr und Ulrich Jansen bereit waren, sich zu engagieren und die vielfältige und umfangreiche Vorbereitungsarbeit zu übernehmen. Und so sind alle Lions-Freunde zuversichtlich, dass die Lions-Libori-Tombola noch lange „Kindern in Not“ helfen kann.

Ergänzend zu der oben beschriebenen weltumspannenden Aktion der internationalen Lions Organisation „Sight First“ und in Verbindung mit der Lions-Libori-Tombola hat der Lions Club Paderborn sich auch für die Brillenversorgung sehschwacher Menschen der Dritten Welt engagiert. Eine gebrauchte Brille, die nicht mehr benötigt wird, ist für viele Menschen hierzulande oft überflüssig und wandert in den Müll. Für sehbehinderte Menschen in der Dritten Welt ist sie dagegen ein meist unbezahlbares Wertobjekt, welches das Leben entscheidend verändern kann. Deshalb kann eine alte Brille dazu beitragen, die Lebensqualität eines Menschen wesentlich zu verbessern, manchmal sogar seine Existenz oder vielleicht sogar die seiner Familie zu sichern.

Diese Vorstellung veranlasste die Lions in Paderborn eine Brillensammelaktion zugunsten fehlsichtiger Menschen zu starten. Über mehrere Jahre wurden im Kreisgebiet bei 30 verschiedenen von Lions-Freunden betreuten Sammelstellen, insbesondere bei Augenärzten und Optikern und unterstützt vom Partnerclub in Oostende weit über 20.000 Brillen gesammelt.

Oostender Lions-Freunde übergeben gesammelte Brillen
Oostender Lions-Freunde übergeben gesammelte Brillen

Die Mitglieder des Lions Partnerclubs im belgischen Oostende sind mit den Paderbornern nunmehr seit fast 50 Jahren in herzlicher Freundschaft verbunden. Deshalb ließen sie sich von der „Sammelwut“ anstecken und starteten ihrerseits ebenfalls eine große Brillensammelaktion, über die die belgische Presse und das Fernsehen mehrfach berichteten. Mit einem Höchstmaß an persönlichem Einsatz gelang es den Oostender Lions, innerhalb von drei Monaten (!) die stolze Anzahl von 11.500 Billen zusammen zu tragen. Diese Brillen übergaben sie 1997 verpackt in 45 Kästen, anlässlich des jährlichen Jumelage-Besuches, den Paderborner Lions-Freunden als Gastgeschenk.

Auf Kosten der internationalen Lions-Organisation wurden dann diese Brillen nach Sri Lanka und Honduras transportiert. In Sri Lanka wurden sie nach vorheriger augenärztlicher Untersuchung im Rahmen von „Eye Camps“, durch ehrenamtliche Helfer der dortigen Lions-Organisation, direkt an bedürftige Menschen mit entsprechenden Sehfehlern abgegeben. In Honduras wurde in den letzten Jahren im Rahmen der Aktion „Sight First“ von Lions International ebenfalls eine Augenklinik gebaut. Diese Augenklinik und örtliche Lions-Mitglieder übernahmen dort die Zuteilung der Brillen. Damit war ein Missbrauch weitgehend ausgeschlossen.

Bernhard Winnemöller für den Lions Club Paderborn