Unser Club

Der Lions Club Paderborn wurde im Mai 1960 gegründet ist damit der älteste Lions Club in seienr Stadt. Mehr als 50 Lionsfreunde unterschiedlichen Alters und aus vielen verschiedenen Berufsbildern engagieren sich gemeinsam für wohltätige Zwecke.

Lions Club Paderborn - Eine Erfolgsgeschichte

Geschichte des Clubs von 1960 - 2010 Lions Club Paderborn - Eine Erfolgsgeschichte

50 Jahre Lions Club Paderborn
50 Jahre Lions Club Paderborn

Lions Clubs International ist heute für jeden interessierten Bürger in der westlichen Welt ein fester Begriff. Die 1917 in den USA gegründete Organisation mit mehr als 1,3 Mio. Mitgliedern in über 45.000 Clubs in 205 Staaten ist die mitgliederstärkste Service-Cluborganisation der Welt. Lions Clubs International war 1945 maßgeblich an der Gründung des Sektors Nichtregierungsorganisationen (NGO, engl. non-governmental organisation) bei den Vereinten Nationen beteiligt und ist neben Rotary International die einzige Serviceorganisation, die als beratender Partner mit der UNO einen Konsultarstatus hat.

Dieser Bekanntheitsgrad war vor einem halben Jahrhundert nicht gegeben. Die ersten europäischen Lions Clubs wurden 1948 in Schweden und in der Schweiz gegründet. Deutschland zog erst 1951 mit der Clubgründung in Düsseldorf nach. Heute gibt es in Deutschland über 1.400 Clubs mit annähernd 50.000 Mitgliedern.

Wie kam es überhaupt zu diesem Import aus den Vereinigten Staaten und zu seiner raschen Verbreitung? Deutschland hatte selbst seit vielen Jahrzehnten, eigentlich seit Jahrhunderten eine breit gefächerte und dichte Vereinslandschaft. Jeder konnte in einem der vielen Traditions-, Schützen-, Sport-, Hobby- oder Kulturvereinen einen Platz finden. Das Bildungsbürgertum fand sich in den Altherrenvereinen oder -zirkeln aus der studentischen Tradition zusammen. Die höheren Militärs hatten ihre Regimenter- oder Marinekameradschaften. All diese Vereinigungen können unter dem Begriff “Selbstzweck-Vereine” - ein Begriff von Walter Müller-Jentsch, der die Vereine unter organisationssoziologischen Gesichtspunkten unterteilt - zusammengefasst werden, sie pflegen und fördern die (Freizeit-)Aktivitäten ihrer Mitglieder auf mannigfachen Gebieten. Exemplarisch soll der Satzungszweck der Paderborner Honoratioren-Vereinigung “Harmonie-Gesellschaft“ aus dem Jahre 1828 zitiert werden: “Förderung der Geselligkeit im Kreise gebildeter Menschen”.

Jeder weiß, dass nach dem verlorenen Krieg ein Umdenken stattgefunden hat. Der militärische Rang hatte seinen Glanz, das Ererbte seinen Wert verloren und akademische Ausbildung war keine Garantie mehr für eine gehobene Position. Tatkräftige Männer und Frauen hatten nach dem Zusammenbruch aus dem Nichts Existenzen, Unternehmen und ganze Firmenimperien aufgebaut. Diese Gruppe bildete nun die bestimmende Schicht. Die Gesellschaftsordnung der Vorkriegszeit bestand nicht mehr.

Anfang der 50-er Jahre ging es den Menschen in Deutschland in weiten Bereichen bereits wieder besser. Wenn damals auch viele Vereinigungen aus der Vorkriegszeit wiederbelebt wurden, so sah man doch, dass nicht alle Mitbürger am Aufschwung hatten teilnehmen können. Es bestand der Eindruck, dass zusätzlich zu den karitativen Einrichtungen der Kirchen in Selbst-/Fremdhilfe-Vereinen - um wieder einen Begriff von Müller-Jentsch zu verwenden - Mitmenschen unterstützt werden mussten. Da Amerika in dieser Zeit das große Vorbild war, fand man diese Vorstellungen in den dortigen Service-Organisationen, wie Lions und Rotary, verwirklicht. So lag es nahe, auch solche in Deutschland zu gründen, zumal in jener Zeit vieles, was man dort vorfand, gern nachgeahmt wurde.

Die Lions-Treffen in den 60er Jahren waren -wie damals üblich - etwas förmlicher
Die Lions-Treffen in den 60er Jahren waren -wie damals üblich - etwas förmlicher

Attraktiv wurden die Clubs zudem durch die satzungsgemäße Vorgabe, dass die Mitglieder aus unterschiedlichen Berufsgruppen kommen sollten. Vorträge, Referate und Diskussionen aus der Berufs- und Lebenswelt führen so über den eigenen Horizont hinaus, sind für jedes Mitglied ein persönlicher Gewinn. Dass dann in einer so relativ straff organisierten Gemeinschaft mit monatlich zwei Treffen auch viele persönliche Freundschaften entstehen, ist ein angenehmer Zugewinn.

So verwundert es nicht, dass in der aufstrebenden Region Paderborn auch sehr bald bei verschiedenen Persönlichkeiten der Wunsch aufkam, einen derartigen Club zu gründen. Ende der 50-er Jahre gab es sowohl in Bad Driburg als auch in Paderborn eine entsprechende Bewegung. In Paderborn bündelte der Rechtsanwalt und Notar Schulze-Waltrup I mit Unterstützung durch den Landeshauptmann Dr. Köchling, Direktor des Landschaftsverbandes und Mitglied des Lions Clubs Münster, die Aktivitäten, in Bad Driburg der rührige Badearzt Dr. Schirmer, der dabei von Dr. med. Schwarzhaupt vom Lions Club Köln beraten wurde.

Bei der Auswahl von potentiellen Mitgliedern war man sehr verhalten und anspruchsvoll, in beiden der genannten Städte glaubte man nicht so schnell genügend geeignete Mitglieder zu finden, um die Mindestzahl für eine Clubgründung zu erreichen. Deshalb fand im Januar 1960 eine gemeinsame Besprechung statt, in der man überein kam, beide Clubgründungen zu fusionieren. Dadurch war die notwendige Mitgliederzahl sofort gegeben. Bereits am 13. Februar 1960 wurde die Gründung in der “Paderborner Gaststätte Bürgerverein” in Anwesenheit des Vize-Governors vollzogen. Der Club erhielt die Bezeichnung: “Lions Club Paderborn-Bad Driburg“. Zum Gründungspräsidenten wurde Dr. Schirmer gewählt.

Als Einzugsgebiet für den Club wurden zunächst die Kreise Paderborn, Höxter und Büren definiert, später wurde auch der Kreis Warburg einbezogen, womit man dann das gesamte Hochstift Paderborn erfasst und eine klare Abgrenzung zu den anderen - ja noch sehr spärlichen - Standorten der Lions Bewegung in Deutschland hatte. Als Patenclub wurden die Lions Clubs Köln und Münster gewählt, da beide Clubs an der Neugründung beteiligt waren.

Am 29. Mai 1960 wurde der Lions Club Paderborn-Bad Driburg durch die Eintragung in das Register von Lions International offiziell anerkannt. Die Charter-Übergabe und -Feier fand am 29. Oktober 1960 im Kurhaus Bad Lippspringe statt.

Eine Jumelage in den 80er Jahren in lockerer Atmosphäre auf einem Kirchplatz im Vorort von Oostende
Eine Jumelage in den 80er Jahren in lockerer Atmosphäre auf einem Kirchplatz im Vorort von Oostende

Ende der 50er / Anfang der 60er-Jahre stand in den deutschen Lions Clubs nach der gespürten langjährigen Isolation die Pflege internationaler Beziehungen stärker im Vordergrund als in heutiger Zeit, in der wir ein vereintes Europa haben und die Möglichkeit, jederzeit Reisen unternehmen zu können, selbstverständlich geworden ist. Jumelagen mit Lions Clubs im Ausland waren insofern ideal. Man bemühte sich deshalb auch im neu gegründeten Club bereits vor der Charter-Übergabe einen passenden Jumelage-Club zu finden. Dies gelang zwar nicht, aber die intensiven Bemühungen führten sehr bald zu einem ausgezeichnetem Ergebnis, einer dauerhaften Jumelage mit dem Club von Oostende, wie an anderer Stelle ausführlich beschrieben wird.

In diesem Zusammenhang soll bereits auf eine zweite Jumelage hingewiesen werden, die einige Jahre später mit dem Lions Club Le Mans initiiert wurde. Seit der Übertragung der Reliquien des hl. Liborius im Jahre 836 von Le Mans nach Paderborn bestand eine Gebetsbruderschaft zwischen den beiden Bistümern und Städten, die trotz der entsetzlichen Kriege über die Jahrhunderte Bestand hatte. Nach dem letzten Weltkrieg wurden die Kontakte intensiviert und im Jahre 1967 wurde diese Verbindung feierlich - wie damals üblich - als Städtefreundschaft proklamiert. Maßgeblichen Anteil daran hatte der LF Leidinger in seiner Eigenschaft als 2. Stadtdirektor in Paderborn. Er organisierte parallel ein inoffizielles Treffen der Lions Clubs von Le Mans und von Paderborn in Paderborn, so dass gleichzeitig mit der feierlichen Proklamation der Städtepartnerschaft in Le Mans auch eine Jumelage der beiden Clubs begründet werden konnte.

Der Lions Club Paderborn auf Studienfahrt in Syrien im Jahr 2002
Der Lions Club Paderborn auf Studienfahrt in Syrien im Jahr 2002

Noch im Jahr der eigenen Gründung wurde der Paderborner Club aufgefordert, in Gütersloh-Wiedenbrück einen weiteren Club zu gründen. Den offiziellen Auftrag erhielt der damalige Präsident Dr. Schirmer, die Gründung des Clubs konnte schon am 28.Mai 1961 erfolgen. Der Lions Club Paderborn-Bad Driburg übernahm die Patenschaft.

Eine weitere Clubgründung ging in den ersten Jahren des Bestehens vom Club Paderborn-Bad Driburg aus, nämlich die Gründung des Lions Clubs Büren. Auch mit dieser Neugründung wurde der LF Dr. Schirmer beauftragt, der den Auftrag im Oktober 1964 annahm. Man kam aber nicht so recht voran, man tat sich bei der Auswahl potentieller Mitglieder sehr schwer. Um die vorhandenen Interessenten nicht zu verlieren, wurden alle zunächst in den Paderborner Club aufgenommen. Als es dann 1966 zur Clubgründung in Büren kam, wechselten viele Lions-Freunde, die im Einzugsbereich der Stadt Büren ihren Wohn- oder Dienstsitz hatten, in den neuen Club. Pate war hier natürlich der Club Paderborn-Bad Driburg.

In den Folgejahren waren die Mitglieder aus dem Stadtgebiet Paderborn bald in der Überzahl. Für die Lions-Freunde aus Bad Driburg, auch aus Brakel war die lange Anfahrt, vor allem im Herbst und im Winter über die Egge, sehr strapaziös, sie strebten deshalb einen eigenen Club an. Die Bemühungen waren nicht sofort erfolgreich, zumal mehrere mögliche Kandidaten sich bereits dem zwischenzeitlich gegründeten Lions Club Holzminden-Höxter - aus dem etwas später durch Teilung der Lions Club Höxter-Corvey hervorging - angeschlossen hatten.

Einige Mitglieder aus dem Raum Bad Driburg / Brakel verließen deshalb enttäuscht den Club. Die Freunde aus Brakel und Bad Driburg haben aber das Ziel nicht aufgegeben, 1978 wurde in Brakel, etwas später in Bad Driburg jeweils ein eigener Lions Club gegründet.

Da die meisten Mitglieder des Lions Clubs Paderborn-Bad Driburg nunmehr aus der Stadt Paderborn kamen, wurde auf dem Clubabend am 8. November 1971 der Beschluss gefasst, den Namen in “Lions Club Paderborn” zu ändern. Die offizielle Bestätigung durch Lions International erfolgte noch im selben Jahr.

Wohltätigkeitskonzerte des Lions Club erfreuten sich großer Beliebtheit
Wohltätigkeitskonzerte des Lions Club erfreuten sich großer Beliebtheit

Gründungsmitglieder prägen einen Verein oftmals auf Jahrzehnte. Deshalb ist es interessant zu erfahren, wie sich in den ersten Jahren das Clubleben gestaltete. Zunächst ist festzustellen, dass der Club schon in den Anfangsjahren seine Verpflichtungen aus den Lions-Statuten und aus der Club-Satzung sehr ernst nahm. Gemäß dem Slogan “We serve” stand die Activity oben an, gefolgt von der Pflege internationaler Freundschaft in Form der Jumelage. Beide Bereiche werden an anderer Stelle ausführlicher beschrieben. Obwohl es in den damaligen Jahren noch nicht verpflichtend war, fanden von Anfang an monatlich zwei Treffen statt, das “offizielle” im Clublokal, das zweite in Verbindung mit einer Betriebs- oder Baubesichtigung, einem Theaterbesuch oder unkompliziert im privaten Kreis bei einem Lions-Freund.

Die Gestaltung der “offiziellen” Abende ist bis heute beibehalten. Die Behandlung der Regularien wurde so knapp wie möglich gehalten, nach dem gemeinsamen Abendessen - immer mit einem Gedenken/Gebet für den Weltfrieden eröffnet - standen Referate, Vorträge und Diskussionen aus dem Bereich der Wirtschaft, der Kultur oder allgemein der Lebenswelt im Mittelpunkt. Die Vielfalt in der Zusammensetzung des Clubs - verschiedene Berufe, Selbständige und angestellte Manager, Beamte und Angestellte, Richter und Anwälte, Philologen und Ärzte - war Garant für eine lebhafte Diskussion. Großer Wert wurde immer darauf gelegt, dass der Referent möglichst aus den eigenen Reihen kam, dass ein Vortrag nicht zu lang und nicht zu fachspezifisch war, damit er sowohl für die anderen Berufsgruppen verständlich als auch genügend Zeit für eine fruchtbare Diskussion übrig blieb. Auch sollte an jedem Abend das persönliche Gespräch in einem inoffiziellen Teil nicht zu kurz kommen.

Clubabende im privaten Bereich werden in vielen Clubs als große Belastung für den Gastgeber und deshalb als Ausnahme gesehen. Nicht so in diesem Club. Von Anfang an wurde darauf geachtet, dass der Abend nicht mit einem “Galadiner” verwechselt wurde. Wenn zunächst die Devise herausgegeben wurde, erlaubt ist “ein Schnaps vorweg und dann ein Bier”, so hat im Laufe der Zeit ein Glas Wein den Schnaps und die Flasche Wasser das Bier abgelöst. Die puritanische Strenge wirkt bis heute. Die Möglichkeit, ungezwungen am Tisch Platz zu nehmen oder an einen aufgestellten Stehtisch zu wechseln, bietet beste Voraussetzungen, ernste und heitere Themen ohne Protokoll zu diskutieren.

Wer heute die Fotos aus den Anfangsjahren betrachtet, ist oftmals ob der erkennbaren Förmlichkeit überrascht. So förmlich wie die Kleidung - auch der private Abend mit Sakko und Krawatte - war auch der Umgang miteinander. Das distanzierende “Sie” blieb lange die Regel. Trotzdem führten die gemeinsamen Clubabende, die Diskussionen und die gemeinsamen Erlebnisse bei Festen und Jumelagen schnell zu einem intensiven Zusammengehörigkeitsgefühl.

Niemand, auch nicht ein Club, kann sich vom jeweils herrschenden politischen und gesellschaftlichen Umfeld frei halten. Bei der Betrachtung der Clubentwicklung ist deshalb ein kurzer Diskurs hierzu erforderlich. Die Ereignisse des Jahres 1968 hatten die Jugend erfasst und verändert. Das kam äußerlich zum Beispiel dadurch zum Ausdruck, dass alles, was nach Wiederherstellung früherer gesellschaftlicher Verhaltensweisen aussah, über Bord geworfen wurde. Die Lebensweise und die Kleidung änderte sich, an den Unis duzten sich Professoren und Studenten, studentische Verbindungen lösten sich auf, um nur einige Veränderungen zu nennen. Der Lions Club Paderborn sah sich nicht als “Bollwerk” gegen die revolutionären Veränderungen, reagierte aber unbewusst verhalten konservativ - wie nicht anders zu erwarten - auf diese Entwicklung.

Vor dem geschilderten Hintergrund sollen drei Schwerpunkte aus den folgenden Jahren herausgestellt werden. Das sind die Veränderungen im Umgang der Lions-Freunde untereinander, die Neuausrichtung der Activity sowohl in der Zielrichtung als auch in der Mittelbeschaffung - auf die ausführlichen Berichte an anderer Stelle hierzu kann verwiesen werden - und schließlich die Gründung eines zweiten Lions Clubs in Paderborn.

Das relativ formale Verhalten und der förmliche Umgang miteinander - wie oben beschrieben - wurden nicht nur durch die gesellschaftlichen Veränderungen im Umfeld gelockert. Mehrere Umstände können dafür identifiziert werden, als ein Beispiel sollen die vom Club veranstalteten Flohmärkte Anfang der 70er-Jahre unter diesem Aspekt beleuchtet werden. Die Flohmärkte selbst waren ja nur ein Teil der ganzen Veranstaltung, hinzu kamen u. a. Waffelstände, Wurfbuden, Drehorgel, Schnellzeichner usw. Jedes Lions-Mitglied hatte einen Part zu übernehmen. Plötzlich erlebte man den Lions-Freund als “Marktschreier”, als “Budenbesitzer”, der die Vorübergehenden an den Stand lockt oder der mit der Drehorgel und einer Sammelbüchse das Publikum anspricht. Es ist leicht nachzuvollziehen, dass sich dadurch so manche Vorstellung über einen Lions-Freund änderte.

Auch wurden in den siebziger Jahren die Jumelagen neu konzipiert. Statt eines Festabends mit Smoking wurde auch mal ein lockerer Abend in Freizeitkleidung veranstaltet. Von den Oostender Freunden wurde das gelockerte Programm gern aufgenommen.

Charter-Feier des 1981 gegründeten LC Paderborn Carolus
Charter-Feier des 1981 gegründeten LC Paderborn Carolus

Bis Mitte der 60er-Jahre waren im Raum Ostwestfalen-Lippe in relativ kurzer Abfolge neun Lions Clubs gegründet worden. Damit schien der Bedarf gedeckt zu sein. Es lag aber auch wohl an den erwähnten veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, dass eine längere Pause bei den Clubneugründungen eintrat. Erst etwa 10 Jahre später kam es in dieser Region erneut zu Clubgründungen. Neben Brakel, Driburg und Blomberg waren es “Zweit-Clubs” in Bielefeld, Gütersloh und Höxter.

Der Paderborner Club wurde damals immer wieder stark vom District-Governor bedrängt, in Paderborn einen zweiten Club zu gründen, wozu allerdings wenig Neigung bestand. Als dann infolge des starken Wachstums der Stadt Paderborn ab Mitte der 70er- Jahre, u.a. aufgrund der Gründung der Universität, der Expansion der Fa. Benteler, Nixdorf u.a. Unternehmen, mehrere Lions-Freunde nach Paderborn zogen und der Club die Marke von 4o Mitgliedern erreichte, ohne dass aus dem Paderborner Raum neue Mitglieder aufgenommen werden konnten, schlug die Stimmung um. Es war übereinstimmende Auffassung, dass der Club nicht zu groß sein sollte, und man hatte deshalb den Beschluss gefasst, die Zahl auf gut 30 Mitglieder zu begrenzen. Nach gründlicher, teils auch heftiger Diskussion entschied man sich fast einstimmig gegen eine Teilung des bestehenden Clubs, bei der die neuen Einheiten durch Neuaufnahmen hätten ergänzt werden müssen. Es war offenkundig, dass die Bindungen der Clubmitglieder untereinander inzwischen sehr eng geworden waren.

Lions-Freunde, die in dieser Zeit nach Paderborn zogen, wurden von diesem Zeitpunkt an mit der Bedingung aufgenommen, dass sie im Falle einer Clubneugründung diesem beiträten. Ende 1979 wurde dann formal der Beschluss gefasst, in Paderborn einen neuen Club zu gründen, der Unterzeichnende zum Gründungsbeauftragten benannt.

Der Governor wurde über die beabsichtigte Clubgründung im August 1980 unterrichtet.

Zwischenzeitlich war im Club auch Einigkeit über die weiteren Modalitäten der Gründung erreicht worden. Entsprechend dem im Club üblichen Verfahren konnte jedes Clubmitglied Persönlichkeiten benennen, die er für geeignet hielt. Der Gründungsbeauftragte erarbeitete daraus mit dem amtierenden Vorstand einen Gesamt-Vorschlag, der z. B.Alter, Berufszugehörigkeit, wichtige Firmen und Institutionen in Paderborn berücksichtigte. Dieser Vorschlag wurde Ende 1980 im Club zur Diskussion gestellt und auf dem Clubabend im Januar 1981 verabschiedet. Ende Februar traf sich der ausgewählte Kreis mit dem Vorstand zu einem Informationsabend. Es waren nur 13 Persönlichkeiten „gesetzt“ worden, damit diese selbst einige potentielle Kandidaten hinzu gewinnen konnten, von denen sie glaubten, dass sie zu ihnen passen würden. Die damals für eine Neugründung notwendige Zahl von 20 wurde schnell erreicht.

Zum Gründungspräsidenten wurde der Sparkassendirektor Dr. Klaus Köhler bestimmt, der vor dem Umzug nach Paderborn Mitglied des LC Kleve - Kalkar war. Die Mitglieder des neuen Clubs gaben ihrem Club in Erinnerung an Karl den Grossen, dessen Name eng mit Paderborn verbunden ist, da er in Paderborn eine Pfalz bauen ließ und hier im Jahre 777 den ersten fränkischen Reichstag auf sächsischem Boden abhielt, den Namen „Lions Club Paderborn-Carolus“. Die offizielle Gründung erfolgte am 28.10.1981, die Charterfeier fand am 5.Juni 1982 statt. Die Clubgründung war - das wurde bei der Charter besonders hervorgehoben - ohne Streit mit dem District und ohne Meinungsverschiedenheiten innerhalb des alten Clubs gelungen. Der LC Paderborn - Carolus hatte offensichtlich von Anfang an einen soliden Kern erhalten, so dass bei der 10-Jahresfeier festgestellt werden konnte, dass alle 13 der ersten Gründungsmitglieder aktiv dabei geblieben waren.

Der LC Paderborn ist Pade des Leo Clubs - Ein Freundschaftsspiel verbindet Alt und Jung
Der LC Paderborn ist Pade des Leo Clubs - Ein Freundschaftsspiel verbindet Alt und Jung

In dem Jahrzehnt zwischen Mitte der 70er- und 80er-Jahre war die Stadt Paderborn rasant gewachsen. Neben den bereits erwähnten Firmen waren Niederlassungen anderer Unternehmen dazu gekommen, die neue Universität hatte ihre Startphase gut gemeistert und rund 15.000 Studenten besuchten diese Institution. Paderborn war eine besonders „junge“ Stadt. Bei so vielen jungen Menschen, die aktiv sein wollen, die etwas bewegen wollen, lag es nahe, einen LEO Club zu gründen. Die Idee der LEO Clubs kommt wie die der Lions aus den USA. Es gibt die Clubs dort seit 1957, seit 1964 sind sie offiziell als „Nachwuchsorganisation“ von Lions anerkannt. Der Name „LEO“ steht für die Begriffe: Leadership, Experience und Opportunity. Die LEOs , die wie Lions das Motto: „we serve“ haben, interpretieren ihren speziellen Auftrag in dem Sinne, dass der persönliche Einsatz als Mitglied die Möglichkeit bietet, Verantwortung zu übernehmen, Erfahrungen zu sammeln und Gelegenheiten für Engagement zu ergreifen. Der erste LEO Club in Deutschland wurde übrigens 1970 gegründet; derzeit gibt es hier über 170 Clubs mit über 3.000 Mitgliedern.

Der Lions Club Paderborn fasste im Lionsjahr 1984/85 den Beschluss auch in Paderborn einen LEO Club zu gründen, LF Hans Wilhelm Kleymann wurde zum Gründungsbeauftragten ernannt. Mehrere jüngere Lions-Freunde unterstützten ihn und stellten mit Hilfe der übrigen Lions-Freunde eine „Mannschaft“ aus Oberstufenschülerinnen und -schülern (ab einem Alter von 16 Jahren) sowie Studentinnen und Studenten zusammen. Erster LEO-Präsident wurde Sven Neitzel. Am 8. Juni 1985 wurde dem jungen LEO Club Paderborn die Charterurkunde überreicht, die Charterfeier fand im darauf folgenden Jahr statt.

Der LEO Club entwickelte schnell eine außerordentliche Dynamik, organisierte Activities und Unterstützungsmaßnahmen, feierte aber auch Feste, die bei den anderen LEO Clubs weit über Nordrhein-Westfalen hinaus großen Anklang fanden. Die Mitglieder des Clubs hielten eng zusammen; wenn diese zum Studium in andere Städte zogen, blieben sie „ihrem“ Club treu. Mit der räumlichen und zeitlichen Entfernung vom Standort Paderborn, mit dem Eintritt in das Berufsleben und mit dem Erreichen der Altersgrenze (für LEOs 28 Jahre) von etlichen Mitgliedern schrumpfte leider der Club, Aktivitäten mussten zurück gefahren werden. Die Auflösung des Clubs wurde Ende der 90-er Jahre diskutiert, glücklicherweise aber nicht vollzogen, so dass mit Hilfe jüngerer Lions-Freunde, die früher selbst LEOs waren, der LEO Club ein paar Jahre später reaktiviert werden konnte.

Die Gründungspräsidentin des Lions Club Paderborn
Die Gründungspräsidentin des Lions Club Paderborn "Drei Hasen" erhält die Charter-Urkunde (2001)

Über eine weitere Lions Clubgründung in Paderborn ist zu berichten, die interessanterweise durch den Zuzug einer Lionesse nach Paderborn ausgelöst wurde. Schon häufiger war sowohl im Lions Club Paderborn als auch im Club Paderborn-Carolus die Frage diskutiert worden, ob sich einer der beiden Clubs oder beide in gemischte Clubs umwandeln sollten. Mit diesem Gedanken konnte man sich nicht anfreunden. Um der Lions-Dame auch in Paderborn eine „Heimat“ zu bieten, wurde der längst überfällige Schritt getan und von beiden Clubs die Gründung eines dritten Lions Clubs in Paderborn beschlossen, und zwar eines gemischten Clubs. Der Unterzeichnende wurde nochmals zum Gründungsbeauftragten gewählt, wobei sofort ins Auge gefasst wurde, die zugezogene Lions-Dame als Gründungspräsidentin zu gewinnen.

Für den neu zu gründenden Club wurde eine Zielvorstellung erarbeitet, die mit den beiden vorhandenen Clubs abgestimmt wurde: es sollte ein gemischter Club gegründet werden; Ehepaare sollten nicht aufgenommen werden; Zielgruppe waren Damen und Herren aus der Altersgruppe von etwa 30 bis 40 Jahren; die berufliche Zusammensetzung sollte entsprechend der Lions-Intention möglichst weit gestreut sein; um den Charakter eines gemischten Clubs zu unterstreichen, sollte bereits bei der Gründung das Verhältnis weiblich/männlich ausgeglichen sein. In bewährter Weise wurden alle Lions-Freunde aus den beiden bestehenden Clubs aufgefordert, Vorschläge zu machen. Unter Beachtung der o. a. Zielvorstellung wurde von der designierten Gründungspräsidentin Dr. Claudia Beverungen und dem Gründungsbeauftragten zusammen mit den Vorständen beider Clubs aus allen Vorschlägen eine Vorschlagsliste erarbeitet. Die möglichen Kandidaten wurden angesprochen und zu einem ersten unverbindlichen Informationsabend am 11. Januar 2001 eingeladen. Bis auf wenige Ausnahmen, bei denen besondere Gründe vorlagen z. B. bevorstehender Umzug oder berufliche Umorientierung kamen alle. So konnte dann bereits am 24. Juni 2001 die offizielle Gründung vollzogen werden, die Charterfeier fand schließlich am 19.Januar 2002 statt. Die Mitglieder gaben ihrem Club in Anlehnung an das bekannte Drei-Hasen-Fenster im Kreuzgang des Paderborner Domes den Namen „Lions Club Paderborn-Drei Hasen“. Die Club Patenschaft übernahm der „Lions Club Paderborn“.

Die Lions-Freunde 1993 auf den Spuren von Goethe und Schiller in Weimar
Die Lions-Freunde 1993 auf den Spuren von Goethe und Schiller in Weimar

Im Rückblick auf die 50 Jahre des Clubs ist bisher überwiegend Organisatorisches geschildert und wenig vom „Leben“ im Club gesprochen worden. Neben der beschriebenen Ausgestaltung der offiziellen und der privaten Abende macht vor allem die Durchführung der Activities und der Jumelagen den Charakter eines Club aus. Diese sehr zentralen Punkte werden in gesonderten Beiträgen behandelt. 

Lions Clubs, die ein 50-jähriges Bestehen feiern können, haben alle das spezifische Problem, wie können sie einer „Vergreisung“ entgehen. Ein Club, in dem nur „Alte“ sind, hat große Schwierigkeiten, jüngere Mitglieder anzuwerben. Natürlich musste sich auch der Paderborner Club mit dieser Frage auseinandersetzen, besonders auch deshalb, weil eisern am Beschluss festgehalten werden soll, die Mitgliederzahl nicht zu groß werden zu lassen - die Zahl von gut 30, an der lange festgehalten wurde, musste aufgrund der Altersstruktur doch auf 40 angehoben werden. Bei einer noch größeren Zahl besteht die Gefahr, dass man sich nicht mehr „kennt“ oder dass sich Clubs im Club bilden.

So vorteilhaft der jährliche Präsidentenwechsel für ein aktives Clubleben ist, so nachteilig ist dies für eine nachhaltige Clubentwicklung. Der Lions Club Paderborn hat, um der Gefahr einer unbemerkten Überalterung rechtzeitig entgegen wirken zu können, schon früh eine gute Entscheidung getroffen. Es wurde ein Ausschuss für Clubentwicklung etabliert. Die Mitglieder dieses Ausschusses werden für die Dauer von drei Jahren gewählt, eine Wiederwahl ist möglich. Der Ausschuss wird so zusammengesetzt, dass die Mitglieder aus jeder Altersdekade einen aus ihren Reihen in den Ausschuss wählen. Alle, die z. B. zum Zeitpunkt der Wahl zwischen 40 und 50 Jahre alt sind, wählen einen Lionsfreund aus ihrer Altersgruppe; die anderen Altersgruppen verfahren genauso. Dem Ausschuss gehört der jeweilige Präsident kraft Amtes an und hat auch den Vorsitz.. Der Ausschuss berät den Präsidenten nicht nur bei Neuaufnahmen, um eine gesunde Mischung von jung und alt zu erreichen. Der Ausschuss kann auch in anderen Fragen sehr nützlich sein, weil immer Mitglieder dabei sind, die schon langjährige Club - Erfahrung mitbringen. So ist vorgesorgt worden, dass nicht plötzlich ein “junger” Neuling allein in einer Reihe von “Alten Herren” sitzt. Das Miteinander von jung und alt wird im übrigen von allen als ein großer Gewinn gesehen.

Ein 50-jähriger Geburtstag - 50 Jahre Blick in die Vergangenheit oder 50 Jahre Blick in die Zukunft? Der Lions Club Paderborn ist 50 Jahre nach seiner Gründung so gut aufgestellt, dass einem für die nächsten 50 Jahre nicht bange werden muss. Der Blick zurück ist aber notwendig, denn wer die Geschichte kennt, wird die Gegenwart und die Zukunft besser verstehen, oder wie Golo Mann es formulierte:

Wer die Vergangenheit nicht kennt, wird die Zukunft nicht in den Griff bekommen

Anton Osterhus für den LC Paderborn