Festkonzert 30 Jahre Friedliche Revolution - Demut, Dank und Zuversicht

Festkonzert 30 Jahre Friedliche Revolution - Demut, Dank und Zuversicht

Eingeladen zur Veranstaltung hatte der Lions-Club Plauen um den Ideengeber des Plauener Wendedenkmals, Wolfgang Sachs. Der Serviceclub erhielt Unterstützung verschiedenster gesellschaftlicher Gruppen - unter anderem hatten sich auch die Soroptimistinnen in das Gedenken eingebracht.

Johanniskirch-Pfarrer Hans-Jörg Rummel begrüßte die zahlreichen Gäste und verlas ein Grußwort der abwesenden Superintendentin Ulrike Weyer. Dann nahm die Kirchenfrau eine Anleihe an Friedensgebete in der Markuskirche im Herbst 1989, die dort angesiedelte Gruppe "Umdenken durch Nachdenken“, die als Keimzelle des Neuen Forums in Plauen gilt und dem die evangelische Kirche damals einen inhaltlichen und sachlichen Raum bot. Auch zitierte Weyer ihren Vorgänger, den Plauener Ehrenbürger Thomas Küttler, der einst betonte, dass er sehr froh sei, dass das Demogeschehen in Plauen nie in nationalistisches Fahrwasser geriet. "Der Geist von Friedlichkeit ging von Plauen aus und wurde zum Symbol des Umbruchs", formulierte Ulrike Weyer.

Johanniskirch-Kantor Heiko Brosig eröffnete auf der Orgel den musikalischen Teil des Konzertes mit dem "Battaglia" von Johann Caspar Kerll, bevor Oliver Schenk, sächsischer Staatskanzleichef und Europaminister das Wort ergriff und Plauen von Ministerpräsident Michael Kretschmer grüßte. Er werfe persönlich gern mit den Menschen in diesen Tagen einen dankbaren und bewundernden Rückblick auf die mutige Menschen von einst, deren Handeln zur Einheit Deutschlands geführt hätte. Schenk erinnerte an ein Konzert im Jahr 1989, als in Berlin am Gendarmenmarkt von Musikern aus Ost und West ebenfalls Beethovens 9. Sinfonie erklang. Dirigiert wurde das Konzert damals von Leonard Bernstein, der die Idee für dieses Ost-Wesl-Event hatte.

Dann fand der Minister deutliche Worte zur Rolle Plauens: "Die erste Großdemo in der DDR wird oft noch gar nicht mit Plauen verortet. Dabei war es genau hier, wo die Bürger der Obrigkeit gezeigt haben, dass sie sich nicht mehr abschrecken lassen. Das Zeichen des 7.10.89 in Plauen hat anderen Mut gemacht", so der Staatskanzleichef. Er betonte auch, dass es einen Masterplan für die Wiedervereinigung nicht gab und somit auch Fehlent- wicklungcn auf den Mauerfall folgten. Nach der Revolution folgten Zeiten hoher Arbeitslosigkeit und vielen persönlichen Schicksalen. "Viele haben angepackt, sich in neue Berufe hineingearbeitet, Verwaltungen modernisiert, an Hochschulen freie Lehre eingeführt. Diese Transformation war eine enorme Leistung und ist ein Schatz, den wir mit Stolz betrachten und erhalten müssen", warb Schenk für einen optimistischen Blick auf die letzten 30 Jahre. Sachsens Europaminister betonte, dass Beethovens Werk nicht umsonst die Europahymne sei - als Zeichen von Freiheit, Frieden und Solidarität.

Plauens Kulturbürgermeister Steffen Zenner blickte ebenfalls zurück auf die Rolle Plauens in der beginnenden Zeit der Friedlichen Revolution. "Hier in Plauen war es die erste große Demo, vor der die Staatsmacht kapitulieren musste. Es entstand erstmals ein erzwungener Dialog", erinnerte Zenner. Er dankte Wolfgang Sachs und seinem Serviceclub. Die Gedenkveranstaltung sei Dank an die Demonstranten, an die Wahlbeobachter von Mai 1989, an alle Protagonisten der Revolution, an Anneliese Saupe, die erste Bilder der Großdemo nach Hof schmuggelte. Und einen besonderen Dank richtete er an den besonnenen Thomas Küttler, der zum Emissär der Bürgerbewegten wurde. "Sie alle stehen für den Bürgermut der Stadt Plauen. Meistens verlaufen Revolutionen nicht friedlich, deshalb war es etwas Besonderes damals. Wie heute in dieser Kirche war es die breite Masse der Plauener Stadtgesellschaft, die die Revolution trug", meinte Steffen Zenner.

Und er wagte einen Schwenk zum Heute, wo es wieder Menschen gäbe, die Angst erzeugen, Verbote aussprechen und Meinungsfreiheit missbrauchten. "Haben sie denn alles vergessen, was vor dreißig Jahren hier tägliches Leben war", stellte der Bürgermeister in diesem Rahmen eher eine rhetorische Frage. Wer demokratische Strukturen erhalten wolle, müsse wissen, dass nur Demokraten das erhalten können. "Wir sollten, trotz aller fehlenden Perfektion unserer heutigen Gesellschaft, stolz und froh sein über unser Zusammenleben. Das zarte Pflänzlein der Demokratie dürfen wir nicht leichtfertig aufgeben. Und Plauen wird immer stärker als Ausgangspunkt der Friedlichen Revolution wahrgenommen", brachte Zenner die zentralen Botschaften an die Besucher.

Für diese folgte dann Beethovens "Ode an die Freude" als Zeichen voll Dankbarkeit, Demut und Zuversicht. Unter dem Dirigat von Generalmusikdirektor Stefan Fraas musizierte die Vogtland Philharmonie Greiz-Reichenbach.

Vgl. Artikel von Ingo Eckardt
erschienen im Vogtland-Anzeiger
am 08.10.2019