angle-left Ritter Heinrich von Plauen ist angekommen

Ritter Heinrich von Plauen ist angekommen

Angst vor großen Aufgaben hatte Heinrich von Plauen noch nie. 1410 sammelte er nach der verheerenden Niederlage des Deutschen Ordens bei Tannenberg die Reste des Ritterheeres und trotzte an seiner Spitze der Belagerung ihres Hauptsitzes, der Marienburg. Der polnische König Wladyslaw Jagiello musste abziehen. Heinrich von Plauen hatte den Deutschen Ritterorden - vorerst - vor der völligen Vernichtung bewahrt.

Jetzt soll es Heinrich wieder richten. Natürlich nicht der echte, der ist 1429 gestorben. Doch seit gestern steht im Plauener Rathaus eine 1,70 Meter große, lebensechte Figur des Adeligen. "Heinrich soll die Identität der Vogtländer fördern und das Heimatbewusstsein stärken", verkündete Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP) dessen neue Mission. "Er ist immerhin der Vogtländer, der es am weitesten gebracht hat." Schließlich hatte Heinrich 1410 mit seinem Sieg Weltgeschichte geschrieben und wurde Hochmeister des Ritterordens. "Die meisten Plauener wissen das leider gar nicht", sagte Oberdorfer bedauernd. "Das wollen wir ändern."

Eine polnische Fachfirma bei Krakau hat die Figur täuschend echt aus Silikon und Echthaar gestaltet. Die Adern und Hautporen an der Hand, eine kleine Warze an der Nase - alles perfekt. Fast 3900Euro hat das Wunderwerk gekostet. Das Lions-Hilfswerk Plauen zahlte die Rechnung.

Vorerst steht Heinrich in einer Ecke des Rathauses. Doch von dort aus könnte selbst er die Vogtländer nicht vereinen. Zur Nacht der Museen am 23. Juni soll der Hochmeister deshalb Einzug in den Komturhof halten. Der Ort passt perfekt. In dem Gebäude befand sich einst sozusagen die Plauener Niederlassung des Deutschen Ordens. Streng genommen war der 1370 vermutlich in Thüringen geborene Heinrich dort nie Hausherr. Doch das stört weder Oberbürgermeister Oberdorfer noch Christian Pöllmann vom Förderverein Komturhof. Und Heinrich schon gleich gar nicht.Damit es dem Hochmeister in seiner Vitrine nicht zu fade wird, entsteht um ihn herum eine Ausstellung zum "Kulturweg der Vögte". Als Blickfang soll Heinrich dort nicht nur das Wir-Gefühl der Vogtländer stärken sondern auch Touristen nach Plauen locken. Ralf Oberdorfer: "Wir wollen ihn dann auch in die Stadtführungen integrieren."

Bericht: Gunter Niehus,
veröffentlicht in der Freien Presse, 09.03.2017