Einloggen

Das Clubleben

Das Clubleben

Zunächst tagte der Club im „Industriehotel“ in der Dudweiler-Straße. 1957 traf man sich im „Hotel Excelsior“ und später im Hotel „Messmer“. Vom August 1957 an fanden die Meetings in der Bismarckstraße Casinogesellschaft statt, und dabei ist es geblieben. Ende der fünfziger und Anfang der sechziger Jahre gab es Mitglieder, die in Homburg wohnten; daher traf man sich alle zwei Monate im dortigen „Schloßhotel.“ Das hörte auf, als in Homburg oder Umgebung eigene Clubs entstanden.

Dem Club gelang es, über den ganzen Zeitraum hinweg ein qualitativ hochwertiges Vortragsprogramm anzubieten. Schon in den ersten Jahren seiner Existenz, also in der Aufbauphase, bestritt er fast alle Vortragsabende mit eigenen Referenten. Dabei wurde ein breites Spektrum angeboten. In den folgenden Jahren hat sich an der Qualität der Vorträge und an der Aktualität der Themen nichts geändert. Etwas ist freilich anders geworden: In den letzten fünfzehn Jahren ist die Zahl der Referenten, die nicht dem Club angehören, gestiegen. Nicht etwa deshalb, weil der LC Saarbrücken nicht mehr in der Lage gewesen wäre, kompetente Fachleute aus seinen Reihen zu stellen. Die Präsidenten hielten es vielmehr für richtig, angesichts einer immer komplexer werdenden Welt und einer politischen Wirklichkeit, die sich von traditionellen Verhaltensmustern löst und, um nur ein Beispiel zu nennen, ein so unheimliches Wesen wie den „Wechselwähler“ hervorbringt, den Freunden Informationen aus erster Hand zu verschaffen. Daher finden sich unter den Vortragenden neben Wissenschaftlern, die nicht Clubmitglieder sind, zunehmend auch Politiker. Dazu gehörten unter anderem die Wirtschaftsminister Rehberger, Klumpp und Georgi, die Europapolitiker Jo Leinen und Doris Pack, Klaus Töpfer sowie der frühere saarländische Minister Bulle.

Aber das Gros der Referenten stellte im vergangenen halben Jahrhundert der Club selbst. Die Themen decken so ziemlich alle Bereiche ab, mit denen sich der Mensch als „zoon politicón“ auseinandersetzen muß. Das beginnt mit religiösen und philosophischen Themen, geht mit Deutschland-, Europa-, Wirtschafts- und Finanzpolitik weiter und hört mit ausführlichen Reiseberichten noch lange nicht auf. Energie- und Umweltpolitik kamen in den Referaten ebenfalls häufig zum Zuge, kein Wunder in einem Bundesland, das über ein Jahrhundert hinweg von Kohle und Stahl dominiert wurde. Daß das wirtschaftliche und politische Geschehen im kleinsten Bundesland sowie Stadtplanung und -kultur Saarbrückens bei einem Club, der hier beheimat ist und dessen Mitglieder zu einem beträchtlichen Teil dafür Verantwortung tragen, bei den Vortragsveranstaltungen einen Schwerpunkt bildet, versteht sich von selbst. Und da inzwischen, anders als früher, die Ehefrauen und Partnerinnen der Freunde an den meisten Veranstaltungen teilnehmen, gibt es Vortragsabende, die deren Interessen berücksichtigen.

De schönen Künste, Literatur und Archäologie spielen in unterem Club traditionsgemäß eine bedeutende Rolle. So wurden die Kenntnisse derjenigen Freunde, die sich für den französischen Kriminalroman interessieren, genauso erweitert wie die der Verehrer von Jules Verne, der Liebhaber der Graphik oder der Historienmalerei Anton von Werner. Auch wer sein Herz an Orchideen, Meißener Porzellan oder Edelsteine verloren hatte, fand kompetente Freunde, die ihn in seiner Zuneigung dank ihrer Sachkenntnis bestärkten. An mehreren Abenden stand auch die Dichtkunst im Mittelpunkt. Ein Vortrag befaßte sich zum Beispiel mit „Lyrik für Genießer“, und einmal las sogar ein anerkannter Dichter, Ludwig Harig, aus seinen Werken.

Ergänzt wird dieses Programm durch Besuche von Museen, Ausstellungen und Ausgrabungsstätten. Betriebe und Unternehmen, die im Saarland beheimatet sind, werden regelmäßig besichtigt. Dazu gehören u. a. das Weltkulturerbe „Völklinger Hütte“, die „Saarbrücker Zeitung“, die Fordwerke in Saarlouis, die Firma Hydac, die von einem Mitglied des LC Saarbrücken geleitet wird, die Firma Röchling in Völklingen, die Karlsberg-Brauerei in Homburg, deren Seniorchef, Paul Weber, zu den Gründungsmitgliedern unseres Clubs gehörte, und die Brauerei Gross in Riegelsberg, deren Besitzer ebenfalls Clubmitglied war.

Jedes Jahr im Frühsommer unternimmt der LC Saarbrücken einen mehrtägigen Ausflug. Da das Saarland im Zentrum einer uralten Kulturlandschaft liegt, die von einer wechselvollen Geschichte gestaltet wurde, gibt es diesseits und jenseits der Grenze Orte, die einen Besuch lohnen, zuhauf. Die Jahresausflüge, die sich in der Regel über ein verlängertes Wochenende erstrecken, liegen meistens nicht allzu weit von Saarbrücken entfernt. Viele Ausflüge führten die Freunde und ihre Damen in die Nachbarschaft, etwa in die Eifel (Maria Laach), nach Trier, Lothringen, in das Elsaß, nach Luxemburg, in die belgischen Ardennen und nach Brüssel. Aus naheliegenden Gründen sind die Champagne und die Bourgogne, was die Zahl der Besuche angeht, klare Favoriten. Aber der Club erforschte auch nicht nur das barocke Erbe, sondern auch die Qualität des Boxbeutels in Franken. Bei den Reisen ins Hohenloher Land und in den Spessart stand die Landschaft im Mittelpunkt. Nach dem Fall der Mauer besuchte der LC Saarbrücken Weimar. Dreimal führte der Jahresausflug aber auch in – relativ – ferne Gegenden. 1996 war Wien das Ziel, im Jahre 2001 Zagreb, die Heimat des Präsidenten Rzehak. Zwei Jahre später war der Club im Chiemgau und in Salzburg.

Aus der Vielzahl von Veranstaltungen ragen die runden Jahrestage der Clubgründung heraus. Der zwanzigste Jahrestag etwa stand unter dem Motto „20 Jahre LIONS in Saarbrücken“. Am 22. Oktober 1976 empfing Ministerpräsident Dr. Röder die Teilnehmer in der Staatskanzlei. Der Festakt fand in der Ludwigskirche statt, der „große Charterball“ in der Kongreßhalle. Das dreißigjährige Bestehen des Clubs wurde am 31. Mai 1986 mit einem dîner dansant in der Kongreßhalle gemeinsam mit dem neugegründeten LIONS-Club Saarbrücken-Halberg, dessen Pate der LC Saarbrücken ist, gefeiert. Dabei wurden die noch lebenden Gründungsmitglieder geehrt. Sie waren zahlreich erschienen. Bescheiden fiel hingegen das vierzigjährige Jubiläum, das im Jahre 1996 anstand, aus. Der Club feierte in kleinem Rahmen. Ein Freund gab einen Überblick über die wechselvolle Geschichte des Clubs, und Professor Leonardy umrahmte den Abend mit besinnlicher Klaviermusik.

Von den Benefizkonzerten, die jedes Jahr stattfinden, war schon die Rede. Aber auch Kammerkonzerte, Familienmusik- und Liederabende spielten im LIONS-Club von Anfang an eine große Rolle. Die Weihnachtsfeier, bei der sich wie auch bei Geburtstagen gelegentlich auch der „Chor des LC Saarbrücken“ präsentiert, gehört dazu.

Seit 1993 findet einmal in jedem LIONS-Jahr ein Clubabend statt, der unter dem Motto „Wir über uns“ steht. Bei diesem Meeting sind die Mitglieder unter sich. Jeder Freund hat Gelegenheit, zu bestimmten Themen, die ein Moderator vorformuliert an eine Tafel schreibt, anonym seine Meinung mittels eines Zettels oder durch einen Kreidestrich auf einer verdeckten Tafel kundzutun. Trotz anfänglicher Skepsis hat sich dieses Verfahren als zuverlässiges Instrument erwiesen, um herauszufinden, wo Freunde „der Schuh drückt“.

Es gab auch traurige Ereignisse. Ein schreckliches Ereignis war die Ermordung des Freundes Hanns Schüler und seiner Frau Vera am 23. September 1975. Für beide war der Club der private Lebensmittelpunkt gewesen. Die Umstände, unter denen das Ehepaar zu Tode kam, waren grausig, und die Genugtuung darüber, daß der Mörder schnell gefaßt werden konnte, war groß. Die Art und Weise freilich, wie die Presse über den Mordfall berichtete, wurde unter den Clubmitgliedern heftig kritisiert. Der Club nahm in einer eigens einberufenen Versammlung Abschied von den Verstorbenen.

Dem LC – Saarbrücken gehörten und gehören an: Neunzehn selbständige Unternehmer (selbständige Kaufleute eingeschlossen), neunzehn Hauptgeschäftsführer und Geschäftsführer, achtzehn Chef- und Fachärzte, vierzehn Vorstandsmitglieder, vierzehn Juristen, in der Mehrzahl Rechtsanwälte, neun Bankkaufleute, fünf Hochschullehrer (ohne Mediziner), zwei stellvertretende Intendanten, zwei Psychologen, zwei Minister, zwei Gymnasiallehrer, zwei Architekten, zwei evangelische Pfarrer, ein Handelsattaché, ein Orchesterdirigent, ein Orchestermanager, ein Chordirektor, ein Diplom-Handelslehrer, ein Sportwissenschaftler, ein Fußballbundestrainer, ein Apotheker und ein Zahnarzt.

Unternehmer, Führungskräfte der Wirtschaft, Juristen und Mediziner stellten also das Gros der Mitglieder. Die übrigen sind klar in der Minderheit. Da sie aber im kulturellen und öffentlichen Leben der Saarregion eine Rolle spielen, tragen sie wesentlich dazu bei, daß die Vielfalt im Club gewahrt bleibt. Das bewahrt den LC Saarbrücken vor Einseitigkeit.

Im Jahre 1967 konnte der Club das fünfzigste Mitglied aufnehmen. Damit gehörte der LC Saarbrücken zu den zahlenmäßig stärksten Clubs in der Bundesrepublik. Heute – 2007 - zählt er neununddreißig aktive und acht Vorzugsmitglieder, und unter den Aktiven sind nicht weniger als elf jünger als fünfzig Jahre.

Als der LC Saarbrücken im Jahre 1956 gegründet wurde, war er, wie bereits gesagt, der erste LIONS-Club im Saarland. Inzwischen gibt es eine ganze Anzahl, und bei einigen von diesen, wie etwa beim LC Saarbrücken–Halberg, war er Gründungspate. Zu allen besteht ein sehr gutes Verhältnis. Die saarländischen LIONS-Freunde laden sich gegenseitig zu ihren Veranstaltungen ein, und die in der Stadt Saarbrücken ansässigen LC Clubs veranstalten einmal im Jahr ein Treffen mit Damen oder Herren. Seiner Tradition, auch grenzüberschreitend für den Zusammenhalt unter den Freunden zu sorgen, ist der LC Saarbrücken bis heute treu geblieben.