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Vortrag von Peter Thelen (Handelsblatt) Qualitätsjournalismus im Spannungsfeld traditioneller und neuer Medien

Peter Thelen und Präsident OSTD Christoph Susewind - Foto: Jos Thijs

14.09.2018 - Peter Thelen arbeitete in der Nachrichtenredaktion der Deutschen Welle. 1981 wechselte er zum Handelsblatt, für das er bis heute arbeitet, seit 1999 als Parlamentskorrespondent in Berlin. ​​​​​​​

Peter Thelen malte ein düsteres Bild der Tageszeitungslandschaft: Die deutschen Zeitungen haben seit 1991 rund 50% ihrer bezahlten gedruckten Auflage eingebüßt (- 12,6 Millionen Exemplare). Die E-Paper verkaufen sich zwar immer besser ( +20 % im Vergleich zum Vorjahr), konnen mit 713.000 Abos den Verlust aber nicht kompensieren.

Mitte der 90er Jahre entschlossen sich die Verlage ihre Inhalte (teilweise) unentgeltlich online anzubieten; die Finanzierung sollte über Werbeeinnahmen online geleistet werden. Die Werbeeinnahmen blieben aber aus bzw. flossen in anderen Kanäle, etwa an den Suchmaschinenkonzern Google.

Zugleich müssen die Zeitungen sich gegen rückläufige Anzeigemärkte behaupten: Die Presseverlage sind hier den Giganten wie Google und Facebook, die über weit mehr Nutzerdaten verfügen, hoffnungslos unterlegen.

Beschränkte finanzielle Mittel führten dazu, dass Onlineredaktionen, bestehend aus jungen, unerfahrenen, auf “Klickjournalismus“ trainierten Journalisten mit den Printredaktionen zusammengelegt werden. Die „alten Hasen“ der Printredaktion müssen jetzt auch noch das Niveau der Onlinezeitung anheben und haben mehr Arbeit als vorher. Letzendlich wird hierdurch auch die Qualität der gedruckten Zeitung nach Unten gezogen; frustrierte Leser kündigen deswegen ihre Abos: der Teufelskreis schließt sich!

Weniger Einnahmen führen zu Übernahmen und Zusammenlegung von Zeitungen. Der deutsche Verleger Alfred Neven DuMont galt dagegen eher als Retter weil er ursprünglich die journalistische Identität von Berliner Zeitung, Kölner Stadtanzeiger und Frankfurter Rundschau erhalten wollte. Am Ende folgte er aber ebenfalls dem bekannten Sparkonzept.

Peter Thelen konnte glücklicherweise auch mit guten Nachrichten aufwarten. Das EU-Parlement hat am 12.09.2018 für eine Reform des Urheberrechts im Sinne der Verleger gestimmt. Kerninhalt: Suchmaschinen und soziale Netzwerke sollen zahlen wenn sie Teaser  von Presseartikeln plus Links veröffentlichen. Verlangt werden 5 bis 6 % der Umsätze, die Internetdienste mit Werbung rund um Printinhalte verdienen. Google würde dann für den Zeitraum 2013-18 den deutschen Verlagen rund 1 Milliarde Euro schulden.

65 Prozent der deutschen Bürgerinnen und Bürger schätzen das Informationsangebot von Radio, Fernsehen, Zeitungen und Zeitschriften in Deutschland als glaubwürdig ein. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie, die infratest dimap im Auftrag des WDR im Februar 2018 durchgeführt hat. Gegenüber der Welle von "Fake News", die im Internet und in den sozialen Netzwerken Verbreitung finden, haben öffentlich-rechtliche Radio- und TV-Sender immer noch ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit. Gemäß einer Studie der Europäische Rundfunkunion zur Glaubwürdigkeit der Medien behalten die traditionellen Medien das Vertrauen des Publikums.

Peter Thelen beendete seinen Vortrag mit einem Zitat von Thomas Jefferson:“ Wenn ich zu wählen hätte zwischen einem Land mit einer Regierung, aber ohne Zeitung, und einem Land mit Zeitung, aber ohne Regierung, dann würde ich mich für das Land ohne Regierung entscheiden.“