Wie Emilie und Oskar Schindler 1200 Menschen vor der Gaskammer retteten

Vortrag von Prof. Erika Rosenberg (Argentinien) beim Lions Club Vulkaneifel Wie Emilie und Oskar Schindler 1200 Menschen vor der Gaskammer retteten

14.06.2019 

90 Minuten konzentrierte Stille herrschte im Landhaus Müllenborn beim Vortrag von Prof. Erika Rosenberg, als sie von ihren Recherchen über Emilie und Oskar Schindler berichtete. Ihre Sicht unterscheidet sich deutlich von dem Bild, das der Film "Schindlers Liste" des US-Filmregisseurs Stephen Spielberg von 1994 zeichnet. Während der Film sich ausschließlich auf Oscar Schindler konzentriert, gebührt nach Erika Rosenberg seiner Frau Emilie Schindler gleichermaßen das Verdienst der Rettung von 1.200 Juden vor dem Tod im Konzentrationslager. "Emilie Schindler war nicht die Frau in Oskar Schindlers Schatten, sie war die Frau an seiner Seite!" Sie hatte ihn 1928 gegen den Willen ihrer Eltern geheiratet. "Trotz all seiner zahlreichen Liebesaffären ist es die Geschichte einer großen Liebe", so Erika Rosenberg.

 

Oscar Schindler, deutschmährischer Industrieller, Lebemann ohne echten Hang zur Arbeit, Agent des Geheimdienstes der Wehrmacht, der über Kontakte zu NS-Größen verfügte, beschäftigte Juden aus den besetzten Ländern Polen und Tschechoslowakei in seinen "kriegswichtigen" Rüstungsbetrieben. Sie wurden auf mehreren Listen mit teils gefälschten Angaben erfasst, die den NS-Bewachern vorgelegt wurden. So waren die darauf genannten Juden unter Schutz gestellt und wurden damit vor dem Tod im Vernichtungslager Auschwitz gerettet. Wie viel die Schindlers dabei selbst riskierten, verdeutlichte Rosenberg am Kontakt zwischen Schindler und Amon Leopold Göth, dem österreichischen SS-Kommandanten von Plaszow, dem Lager von "Schindlers Juden". Vor diesem "Schlächter von Plaszow" mussten die Schindlers ihre Arbeiter beschützen und standen dabei mit einem Fuß im eigenen Grab.

Da nach ihrer Flucht in den Westen ein wirtschaftlicher Neuanfang der Schindlers in den ersten Nachkriegsjahren misslang, emigrierten sie nach Argentinien und erwarben mit Hilfe einer jüdischen Organisation einen kleinen Bauernhof. Nach ihrer Trennung kehrte Oscar Schindler nach Deutschland zurück, scheiterte jedoch als Geschäftsmann und wurde 1974 in Jerusalem bestattet. In Argentinien lernte Erika Rosenberg Emilie Schindler im Rahmen der Recherchen für ein Buch im Jahr 1990 kennen. Rosenbergs Familie war in den 30er Jahren vor dem NS-Regime geflohen. Ihre intensiven Gespräche über viele Jahre führten nicht nur zu einer innigen Freundschaft mit Emilie Schindler, sondern auch zu einer Biografie „In Schindlers Schatten“ und weiteren Büchern. Besonders enttäuschend findet sie die Verfilmung "Schindlers Liste" und auch Stephen Spielberg selbst, der Emilie Schindler und ihre Rolle weder im Film noch bei der Filmpremiere entsprechend würdigte. Spielberg hatte sie tatsächlich als eine der Geretteten eingeladen. Mit Rosenbergs Hilfe kehrte Emilie Schindler gegen Ende ihres Lebens nach Deutschland zurück, wo sie am 5.Oktober 2001 starb und im bayerischen Waldkraiburg beigesetzt wurde.


Der Präsident des Lions Clubs Vulkaneifel OStD Christoph Susewind zeigte sich tief beeindruckt vom Vortrag von Erika Rosenberg. "Angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen ist Ihre Arbeit sinnvoller als je zuvor!“ Er wünschte ihr weiterhin viel Erfolg bei ihrer Arbeit in Schule und Bildungseinrichtungen und übermittelte den Dank aller Clubmitglieder und der zahlreichen Gäste. 

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