Unser Weimar

Unser Weimar

Weimar - eine europäische Kulturstadt

Die Frage nach der geografischen Lage der Stadt Weimar ist verschiedentlich beantwortbar. Weimar, die thüringische Kleinstadt an dem Flüsschen Ilm, liegt zwischen der Landeshauptstadt Erfurt und der Universitätsstadt Jena. Es könnte aber auch so heißen: Weimar, die Europäische Kulturstadt 1999 liegt an der pulsierenden Hauptverkehrsader zwischen der Main-Metropole Frankfurt und der Barockstadt Dresden.

Weimar schöpft seine Bedeutung aus der Reflexion der Historie in die Gegenwart. Weimar erlebte das Aufblühen universellen Geistes mit Herder, Wieland, Goethe und Schiller, aber auch seine Entartung durch die Unmenschen des Konzentrationslagers Buchenwald, unmittelbar vor den Toren der Stadt gelegen.

Einer Frau verdankt Weimar seine große Geschichte, eine Epoche, deren Kulturgüter wir gern mit dem Titel des Klassischen Weimar ehren. Im Jahre 1758 übernahm die Herzogin Anna Amalia nach dem frühen Tod ihres Mannes, Herzog Ernst August, die Regentschaft. Der Erfurter Universitätsgelehrte Wieland wurde durch sie zum Erzieher ihres Sohnes, Carl August, bestellt. Mit achtzehn Jahren wurde Herzog Carl August von seiner Mutter mit den Regierungsgeschäften betraut. Die Herzogin zog sich von ihrer regentschaft zurück. Sie pflegte weiterhin ihre künstlerischen Ambitionen mit Goethe, Schiller, Herder, Wieland und anderen Gelehrten aus Kunst und Naturwissenschaften am Runden Tisch im Wittumspalais.

Die Stadt erlebte mit dem Klassischen Weimar ihre Blütezeit. Das kleine Herzogtum wurde weit über seine Grenzen bekannt. In den nachfolgenden zwei Jahrhunderten erlangte es weltweite Bekanntheit. Das Klassische Weimar mit seinen Kulturstätten wurde im Kulturstadtjahr 1999 in die Liste des Welterbes der Kultur aufgenommen. Dazu gehören das Residenzschloss, die Wohnhäuser Goethes und Schillers, die Fürstengruft, die Stadtkirche, das Wittumspalais, die großen Parkanlagen und ein Objekt aus einer späteren Epoche, die Stätten des ehemaligen Bauhauses Weimar.

Der Ruf des Klassischen Weimar wurde von vielen Schriftstellern, Malern und Musikern im 19.Jahrhundert aufgenommen. Franz Liszt, Peter Cornelius, Hoffmann von Fallersleben und viele andere verbrachten Jahre ihres künstlerischen Schaffens in Weimar. In der Mitte des 19.Jahrhunderts wurde die Kunstschule gegründet, aus der später das Bauhaus hervorging. Sein Ruf drang bis auf den amerikanischen Kontinent. Die Traditionen der Künstler aus dieser Epoche leben heute in Lehre und Ausbildung der Musikhochschule „Franz Liszt“ und der Bauhausuniversität fort.

Im Weimarer Theater, an der Stelle, wo Goethe und Schiller ihre Werke uraufführten, gab sich Deutschland 1919 die erste demokratische Verfassung. Über 70 Jahre mussten vergehen, bis ein gestraucheltes und geteiltes Deutschland diesen Tag in sein Geschichtsbewusstsein rücken konnte und wieder zu einer demokratischen Verfassung für sein ganzes Volk fand.

„Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein“ ist die alles entscheidende Zeile aus Goethes Osterspaziergang, welche die Handlung des Gedichtes an jeden Ort der Welt legen könnte. Der Osterspaziergang lebt weiter, nicht in der Erinnerung, die jüngste deutsche Geschichte lässt die Zeilen aktueller denn je erscheinen.

Rainer Niehaus