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423 000 Seiten für die Ewigkeit

Vom Lions Club unterstützt... 423 000 Seiten für die Ewigkeit

Überwachten gestern den Abtransport der IK-Bände: Wolf-Ingo Bellin (v.l.), Friedhelm Kluge, Margret Krey, Sabine Weykonath, Hans Messerschmidt, Ingo Knop, Lothar Brause und Jutta Kuhlmeyer.

 

Wittingen - Die unzähligen Ausgaben des Isenhagener Kreisblatts der Jahrgänge 1894 bis 2012 selbst zu di­gitalisieren - das war keine Option für den Wittinger Heimatverein. Denn er wacht über geschätzt 423 000 Zeitungsseiten, ein Sammelband ist 48 mal 32 Zentimeter groß und wiegt rund 10,5 Kilogramm.

Das Einscannen bei dem Peiner Unternehmen MSV geschieht mit modernster Digitaltechnik, erfordert aber gleichzeitig manuelle Arbeit. Auf 10 bis 20 Sekunden schätzt Juniorchef Christian Künzel den zeitlichen Aufwand pro Doppelseite. Bei manchen Bänden wird die Bindung gelöst werden müssen, weil sie seinerzeit zu eng vorgenommen wurde. Das MSV-Team wird auch die Frakturschrift mancher Jahrgänge computerles­bar machen.

Und natürlich ist viel Fingerspitzengefühl gefragt: Vor allem in älteren Ausgaben sind Seiten mitunter lose, zerknickt oder ausgeblichen. Insbesondere in den Bänden aus Nachkriegsjahren, so Künzel, zeigt sich auch eine schlechtere Papierqualität: „Da brauchte man die Ressourcen anderweitig."

Das alles war für den Heimatverein auch ein wichtiger Grund für die Digitalisierung - man wollte nicht auf das Zerbröseln mancher Bände warten. Historiker, Vereine, Firmen und Privatpersonen haben oft und ger­ne das Archiv genutzt, das Blättern hat natürlich Folgen für den Zustand mancher Ausgaben gezeitigt. Die sollen künftig vor dem Zugriff geschützt werden, nur in begründeten Ausnahmefällen soll es noch Zugang zu den Originalen geben. Wer dann am Bildschirm recherchiert, dem wird sich neben einer Volltextsuche auch jede Seite im Bildformat bieten.

Ab 2013 hat der Heimatverein das IK als E-Paper archiviert, deshalb muss ab da nicht mehr digitalisiert wer­den. Gesammelt werden die gedruckten Zeitungen trotzdem noch. Die allerersten Jahrgänge von 1888 bis 1893 werden ebenfalls nicht eingescannt - sie liegen dem Heimatverein schlicht nicht vor. Im Junkerhof wurde gestern Morgen betont, dass der ehemalige Heimatvereinsvorsitzende Jochen Bellin bei der Bewahrung des vorhandenen umfangreichen Zeitungsarchivs eine zentrale Rolle gespielt hat.

Die gestern verladenen Bände werden im Spätherbst zurückerwartet, dann soll auch die zweite Tranche (ab 1974) abgeholt werden. Messerschmidt rechnet damit, dass im März 2020 das Projekt abgeschlossen sein könnte. Er ist froh, dass nun alles für die Nachwelt konserviert wird und die Originale besser geschützt wer­den: „Das sind historische Kleinode."

 

Anmerkung: Dieses Projekt wird vom Lions Club Wittingen unterstützt.

 

Aus: Isenhagener Kreisblatt vom 11.07.2019,  Text und Fotos: Holger Boden