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null Ingeborg Wolff und Miranda Harding mit Gedichten von Mascha Kaléko

3000 € für den Kultur-Kindergarten der Alten Feuerwache Ingeborg Wolff und Miranda Harding mit Gedichten von Mascha Kaléko

Exzellente Vortragskunst, eindrucksvolle Musik und eine charmante, witzige Dichterin erlebten die Zuschauer am Sonntag in der Citykirche. Der Lions Club Wuppertal Corona hatte zur Mascha Kaléko-Lesung „Ich bin auf Wanderschaft seit vielen Jahren“ zugunsten des Kultur-Kindergartens Alte Feuerwache eingeladen. Die Citykirche – überraschend verkleinert durch einen Kran im Saal und eine gesperrte Empore – war bis in den letzten Winkel besetzt. „Das war wirklich toll“, hörte man anschließend immer wieder in der Menge.
Ingeborg Wolff, die Grande Dame des Wuppertaler Theaters, wohnt zwar jetzt in Leipzig. Da sie für das Don Quijote-Projekt aber derzeit im Tal probt, übernahm sie die Lesung. Faszinierend trug sie die schillernden Gedichte von Mascha Kaléko vor. Jedem einzelnen Buchstaben gab sie ein passendes Gewicht, jeder Silbe einen vielfältigen Ausdruck. Intensiv muss sie vorher mit der Cellistin Miranda Harding geprobt haben, denn beide wechselten sich nicht nur ab, sondern gestalteten die Show auch gleichzeitig.

Musik gibt den Emotionen der Dichterin den passenden Ausdruck
Wenn etwa Ingeborg Wolff über die 30er Jahre Kalékos in Berlin erzählte und ihre Verfolgung durch die Nazis, spielte Harding eine wilde, wütende Improvisation über Lieder der Comedian Harmonists. Oder zur Kritik an den Kriegswaisen ließ sie im leisen Flageolett Lili Marleen erklingen. Mit kurzen, oft dissonanten Einwürfen gab sie den Emotionen der Dichterin einen passenden Ausdruck.
Die 1907 geborene Mascha Kaléko wuchs in Galizien, Frankfurt, Marburg und Berlin auf. „Früh schon gefiel mir das Anderswo“, erzählt sie über diese Zeit. Ende der 20er Jahre lernte sie im Romantischen Café die künstlerische Avantgarde Berlins kennen und veröffentlichte ab 1929 Gedichte. Darin entlarvt sie Gewohnheiten und Alltagsgeschehen und findet treffliche Ausdrücke etwa dafür, dass die Überbleibsel eines rauschenden Abends am nächsten Morgen unschön wirken. Als die Nazis an die Macht kommen, flieht die Jüdin Kaléko mit ihrem zweiten Mann Chemjo Vinaver und ihrem kleinen Sohn nach New York. In den 50er Jahren reist sie zurück nach Deutschland und befindet: „Die edlen Herrenmenschen schwimmen wieder oben – mit dem Fett.“ 
Von Tanja Heil