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    Die kleine Schwester vom berühmten Bruder

    Quelle: Luise Büchner Gesellschaft

    Luise Büchner (* 12. Juni 1821 in Darmstadt; † 28. November 1877 Darmstadt) .

    Luise Büchner war eine der ersten Frauenrechtlerinnen Deutschlands und Schriftstellerin. Luise Büchner wurde als Tochter des Chirurgen Ernst Büchner und seiner Frau Caroline, geb. Reuß, als Schwester von Georg Büchner, Mathilde Büchner, Wilhelm Büchner, Ludwig Büchner und Alexander Büchner geboren.

    Durch einen Unfall im Kindesalter zog sie sich eine Rückenverkrümmung zu, die sie zeitlebens behinderte. Autodidaktisch hatte sie sich umfangreiches Wissen vor allem in Literatur, Mythologie, Geschichte und Fremdsprachen angeeignet. Nach dem Tod der Eltern lebte sie zusammen mit ihrer ebenfalls ledigen Schwester Mathilde (1815–1888) im eigenen Haushalt, im gleichen Haus wie ihr Bruder, der Arzt Ludwig Büchner.

    Ihr Lebensthema war das Recht auf Bildung. Sie setzte sie sich für eine gleichwertige Ausbildung von Mädchen und Jungen sowie für eine qualifizierte Berufsausbildung von Frauen ein. Auch forderte sie die Einstellung von Lehrerinnen an Mädchenschulen anstelle von Theologen, die in der Regel außer Religion kaum anderen Unterrichtsstoff  den Schülerinnen vermittelten.

    1855 erschien anonym ihr meistzitiertes Werk "Die Frauen und ihr Beruf", in dem sie sich für bessere Mädchenbildung einsetzte. Schon 1856 erschien eine erweiterte zweite Auflage, in der ihr Name als Verfasserin genannt wurde. Ihre späteren Überarbeitungen spiegeln ihre Erfahrungen in der Frauenbewegung. Sie verfasste Romane, Reisebeschreibungen und Gedichte, zusammen mit ihrem Bruder Alexander gab sie eine umfangreiche Gedichtsammlung heraus. Ihre unvollendete Erzählung "Ein Dichter" (erst posthum erschienen) gilt als eines der wichtigen Zeugnisse über Georg Büchners Schulzeit im Darmstädter Elternhaus.

    Seit Ende 1866 gehörte Luise Büchner zu den engsten Mitarbeiterinnen von Großherzogin Alice von Hessen und bei Rhein, eine Tochter der Königin Viktoria von England. Daraus entstanden ab 1867 mehrere Frauenvereine im Großherzogtum Hessen-Darmstadt; darunter der Alice-Frauenverein für Krankenpflege, der es sich zur Aufgabe machte, junge Frauen zur Krankenschwester ohne konfessionelle Bindung auszubilden. Ziel dieses Vereins war, die bisher nur karitativ ausgeübte Pflege von Kranken und Verwundeten zum bezahlten Frauenberuf zu machen.

    Daraus ging das Alice-Hospital Darmstadt hervor. Außerdem der Verein für Förderung weiblicher Industrie (ab 1872 Alice-Verein für Frauenbildung und -Erwerb), der neben einer Verkaufsstelle für Heimarbeiterinnen (Alice-Basar) die Alice-Schule, eine Berufsfachschule für Mädchen (heute Alice-Eleonoren-Schule) gründete. Daneben entstand unter der Leitung von Luise Büchner eine Art Volkshochschule für Frauen, das sogenannte Alice-Lyceum.

    In den 1870er Jahren vertrat sie auf überregionalen Konferenzen die Alice-Frauenvereine und berichtete in der Presse regelmäßig über ihre Arbeit. Die erste Generalversammlung der Frauenbildungsvereine, des Lette-Verbandes, fand im Oktober 1872 auf Einladung von Prinzessin Alice und Luise Büchner in Darmstadt statt. Aus Anlass einer Konferenz des preußischen Kultusministeriums wurde Büchner 1873 als erste Frau gebeten, zu den Unterrichts- und Erziehungsfragen in der Mädchenschulbildung eine Stellungnahme vorzulegen.

    Luise Büchner wird heute noch neben Luise Otto oder Fanny Lewald als eine der bahnbrechenden Frauen der Frauenbewegung des 19. Jahrhunderts angesehen. Büchner verstarb in Darmstadt und wurde auf dem dortigen Alten Friedhof hochverehrt beigesetzt.

    Nach ihr ist die Darmstädter Luise Büchner-Bibliothek benannt. Diese ist auch die Anlaufstelle für Interessenten an der neu gegründeten Luise Büchner-Gesellschaft e. V. Die Gesellschaft vergibt in der Tradition des kritischen Journalismus den Luise Büchner-Preis für Publizistik. Preisträgerinnen waren 2012 Bascha Mika, 2013 Julia Voss und 2014 Lisa Ortgies.

     

    Quelle: Wikipedia, Luise Büchner Gesellschaft (Darmstadt))