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10.09.2019 LC München: Club-Zusammenschluss: Neue Power mit vereinten Kräften

10.09.2019 LC München: Club-Zusammenschluss: Neue Power mit vereinten Kräften

Jörg Staudt (l) vom inzwischen gelöschten LC München-Herzogpark und Konrad Eberhardt vom LC München wurden von DG Werner Netzel mit dem Governor Award geehrt

In München haben der LC München, 1953 als dritter Club in Deutschland gegründet, und der LC München-Herzogpark nach drei Jahren der Annäherung den Zusammenschluss gewagt. Ein traditioneller Herrenclub, seit 2015 mit einer Dame als Mitglied, und ein 2006 gemischt gegründeter Club, kann das gut gehen? BS activ (BSa) hat sich für die Hintergründe interessiert und nachgefragt bei den Präsidenten 2018/2019 des LC München, Konrad Eberhardt (KE), und des LC München-Herzogpark, Jörg Staudt (JS):

BSa: Wie ist denn die Idee zur Fusion überhaupt entstanden, und was war das Ziel?

KE: Der LC München hatte, obwohl aktiv und festgefügt, wie viele andere Lions-Clubs in größeren Städten durch fehlenden Ersatz für ausscheidende Mitglieder ein gewaltiges Problem mit seiner Struktur. Es waren immer wieder Kandidaten „am Start“, die letztlich jedoch durch den hohen Altersdurchschnitt keinen richtigen Anschluss mehr fanden und eine Aufnahme ablehnten. Im Jahr 2016 beschloss die Mitgliederversammlung, Kontakte mit anderen aktiven Münchner Clubs zu suchen, was zunächst eine lose Zusammenarbeit zum Ziel hatte. Unser „Scout“ wurde dann fündig beim LC München-Herzogpark, einem gemischten Club mit hohem Frauenanteil. Dieser Club war nach unserer Ansicht sehr gut aufgestellt und bereit für neue Ziele.  

JS: Am Anfang dachten die meisten von uns – mich eingeschlossen -, dass es sich um eine Partnerschaft zwischen den Clubs handeln wird. Von einer Fusion sprach zu Beginn niemand. Das hat sich erst über viele Monate hinweg entwickelt. Ich denke, dass es gut war, dass wir den Zusammenschluss nicht als erklärtes Ziel hatten. So konnten unsere Mitglieder langsam in die neue Situation hineinwachsen. Gegen Ende des Prozesses war dann klar, wo die Reise hingeht und wir hatten unsere Lions für diesen bedeutenden Schritt „an Bord“.

BSa: Was waren denn die ersten Schritte?

JS: Nach ersten Treffen der Vorstände sowie gegenseitigen Besuchen bei Clubabenden und Activitys kam bei der Planung der damaligen Vize-Präsidenten für ihr Lionsjahr 2018/2019 – also bei Konrad und mir - die Idee eines gemeinsamen Programms für beide Clubs auf. Das auserkorene Motto „YOU-NITE“, also das englische Wortspiel aus „Du“ (die Wichtigkeit jedes einzelnen Mitglieds) und „Zusammenschließen“ gab im Nachhinein betrachtet die weitere Richtung vor.

KE: Die ersten Schritte könnte man mit „Junge trifft Mädchen“ beschreiben. Ganz zaghaft besuchten einzelne Mitglieder des LC München den einen und anderen Clubabend des LC München-Herzogpark. Hochbeeindruckt war man von der „SoccaFive“ Activity, über die ein teilnehmendes Mitglied anerkennend im Club referierte.

BSa: Wie haben die Clubmitglieder reagiert?

KE: Vor allem die älteren Mittglieder des LC München waren zunächst skeptisch, was die sich andeutenden Veränderungen mit sich bringen würden. Andererseits gab es genug Stimmen, die sehr bald den eingeschlagenen Weg des Präsidiums ab 2016 ausdrücklich begrüßten.

JS: Grundsätzlich standen die Mitglieder der Kooperation offen gegenüber. Wir haben uns zwar als Club mit aktiven Mitgliedern und entsprechendem Clubleben betrachtet, aber an manchen Abenden war die Teilnahme schon etwas mau. So war es eine schöne Abwechslung, plötzlich immer ein volles Haus zu haben. Die sich daraus entwickelnde Dynamik hat vielen Mitgliedern neuen Schwung gegeben. Die gegenseitige Scheu aufeinander zuzugehen haben wir versucht abzubauen durch Aktionen wie unser „Dinner-Roulette“. So kamen wir alle aus unser „Komfort-Zone“ heraus und lernten einander Schritt für Schritt besser kennen.

BSa: Gab es Schwierigkeiten in diesen drei Jahren der Vorbereitung? Woher kam die Motivation weiter zu machen?

JS: Als es konkret um eine Fusion der Clubs ging, gab es erfreulicherweise auch kritische Stimmen. Nur wenn offen kommuniziert wird, können Bedenken erstgenommen und im besten Fall zerstreut werden. Wir haben sowohl in der große Runde, als auch in vielen Einzelgesprächen über bestehende Ressentiments gesprochen. Erfreulicherweise haben sich die Mitglieder beider Clubs zu der Fusion entschieden, denn letztlich war uns allen klar, dass der Zusammenschluss für alle Beteiligten ein Gewinn ist.

KE: In dem Moment, als im zweiten Jahr der Annäherung ein regelrechtes Zusammengehen der beiden Clubs in den Raum gestellt wurde und die eventuell zukünftige Gestalt eines vereinigten LC näher diskutiert wurde, wurden plötzlich von einzelnen Mitgliedern Forderungen und rote Linien aufgestellt, die „nicht verhandelbar“ sein sollten. Das ganze Vorhaben stand auf der Kippe. In diesem Stadium haben Jörg und ich als Präsidenten beider Clubs des dritten Jahres der Annäherung, ein gemeinsames Programm namens „YOU-NITE“ aufgestellt. Rationale Gründe begünstigten dies: Dem LC M-Herzogpark war plötzlich das langjährige Clublokal abhandengekommen, das Ausweichquartier alles andere als ideal, der LC München verfügte über entsprechende Räume, hatte aber in den vergangenen 3 Jahren 14 Todesfälle
oder Austritte aus dem Club zu vermelden.

Und dann kamen eine offensichtliche Sympathie und das Fehlen jeglicher Berührungsängste der beiden Präsidenten hinzu. Das gemeinsame Programm betonte die jeweiligen Stärken der beiden Clubs: Gelebte Activitys und hervorragende Referenten an den Clubabenden mit richtig spannenden Themen. Ein „Speed-date“ Clubabend, in dem immer 3 oder 4 Mitglieder aus beiden Clubs für 15 Minuten an einem Tisch beieinander waren und dann die Zusammensetzung der Tische gewechselt wurde, begleitet von einem hervorragenden Fingerfood-Buffet des Clublokals, sowie die bis auf den letzten freien Platz besetzte gemeinsame Weihnachtsfeier mit verbindendem Programm brachten den Sympathie-Durchbruch.

BSa: Und auf der „Zielgeraden“? Fragen wie Satzung, Clubkonto, Hilfswerk, Wimpel, Name – wie haben Sie das geregelt?

KE: In jedem LC gibt es zurückhaltende Mitglieder, die, wenn sie direkt angesprochen werden, Erstaunliches leisten. So auch bei uns im Verlauf des Zusammengehens. Diese Mitglieder aus beiden Clubs waren der besonnene Stamm, der in Fragen „Namen des zukünftigen Clubs“ und „wann haben wir uns genug kennengelernt“ ganz rational und ohne Kirchturmdenken zu einer gemeinsamen Lösung fanden. Das technische Vorgehen des Zusammenlegens von Clubkonto, Hilfswerkkonto und der jeweiligen Satzung wurde von den

Resortverantwortlichen unter Vorsitz der Präsidenten in zwei zeitlich begrenzten Sitzungen bestimmt und beschlossen, wobei aus beiden Clubs der jeweils kürzere und zukunftssicherere Wortlaut gewählt wurde. Mancher Ballast aus vergangenen Zeiten ging dabei wissentlich über Bord. Die neue Vorstandschaft wurde einvernehmlich paritätisch besetzt und in der ersten gemeinsamen Mitgliederversammlung sehr fix gewählt. Für den neuen, gemeinsamen Wimpel wurden Elemente und Logos aus beiden Clubs von einem absichtlich externen Graphiker (obwohl exzellente Kenntnisse clubintern vorhanden waren) in verschiedenster Ausführung geschaffen und an einem Clubabend zum Ankreuzen ausgelegt. Der Mehrheitswunsch war dann die Vorlage für den endgültigen, neuen Wimpel.

Das Ergebnis von allem war ein jeweils einstimmig gefasster Beschluss ohne Enthaltung auf den getrennt angesetzten, historisch letzten Mitgliederversammlungen der beiden bisherigen Clubs für das Zusammengehen.

JS: Auf der Zielgeraden lief alles sehr pragmatisch. Die Vorstände haben mit den Resortverantwortlichen einen gemeinsamen Vorschlag für die offenen Punkte erarbeitet, welchem die Mitglieder in der entscheidenden Versammlung zugestimmt haben. Aus zwei Satzungen wurde z.B. eine optimierte Fassung kreiert. Hier war der hilfreiche Input der Juristen unter unseren Mitgliedern natürlich ein klarer Vorteil. Die Expertise unseres Mitglieds Dr. Claudia Spieß-Kiefer, die in Ihrem Amt als Kabinettsmitglied den direkten Draht zu den Lions-Instanzen hat, hat den gesamten Prozess enorm beschleunigt und vereinfacht. Mit einem weinenden Auge haben wir uns von „unserem“ Herzogpark im Namen verabschiedet. Aber uns war klar, dass der Lions Club München mit dem Gründungsjahr 1953 erhalten bleiben muss. Hier haben wir unsere persönlichen Interessen hintangestellt, denn schließlich sind wir ja alle Münchner Lions.

BSa: Jetzt sind seit dem Zusammenschluss schon über fünf Monate vergangen – wie hat sich der Club entwickelt? Gibt es Stärken? Gibt es Schwächen, Probleme?

JS: Wir haben alle zusammen schon viel erreicht, aber wir müssen auch weiter an dem nachhaltigen Zusammenwachsen arbeiten. Das ist ein andauernder Prozess, der Zeit braucht, und uns weiterhin beschäftigt. Solange uns aber der lionistische Spirit eint, habe ich keine Bedenken, dass wir bald EIN Club sind. Auf dem Papier wie in den Köpfen, formal wie emotional.

KE: Der Club hat sich prächtig entwickelt, die Stärken beider „Stämme“ (sehr gute Kontakte und einsatzbereite Mitglieder) kommen voll zum Tragen. Verschiedene liebgewordene Clubgewohnheiten (mit Partner, ohne Partner, Aufnahmeprocedere, Clubrundschreiben, Spendenusus, wie und in welcher Regelmäßigkeit trifft sich der Club) haben eine neue, klare, von allen akzeptierte Form gefunden. Ein einziges Mitglied hat den Club nach dem Zusammenschluss, bei dem sie effizient mitgearbeitet hat, aus rein persönlichen Gründen verlassen, der alt-ehrwürdig-neue LC München konnte andererseits bereits vier neue Mitglieder aufnehmen und eine Ehren-Neumitgliedschaft abschließen.

BSa: In welcher Situation würden Sie zwei Clubs zu einer solchen Fusion raten?

KE: Beim letzten Zonentreffen war der Zusammenschluss unserer beiden Clubs ein Thema - und plötzlich sahen sich zwei weitere Münchner Clubs mit der identischen Situation konfrontiert: Keine Activitys mit persönlichem Einsatz, Altersdurchschnitt deutlich über 60 Jahre, aus diversen Gründen eine Vielzahl an inaktiven Mitgliedern, Notwendigkeit der Mitglieder, ein führendes Amt zum zweiten oder dritten Mal zu übernehmen...... Spätestens dann müssen die Alarmglocken schrillen und Kontakte gesucht und gefunden werden.

Es ist allemal besser, wenn zwei Clubs zusammengehen, als wenn ein Lions Club stirbt.

JS: Wenn die Clubabende spärlich besucht sind, bei den Activitys – so vorhanden – immer die gleichen Lions die Arbeit machen und der Nachwuchs ausbleibt, dann spätestens sollte über eine Fusion konkret nachgedacht werden, bevor ein Club schließen muss. Wir sind diesen Weg erfolgreich gegangen und ich bin mir sicher, dass weitere Clubs dem Beispiel folgen werden.

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