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Even hands can see

BEI DIESER AKTION HABEN SCHON JETZT FAST 1.200 MENSCHEN MIT IHREN HÄNDEN FÜHLEN UND SEHEN KÖNNEN Even hands can see

Dank seiner sehr kommunikativen und offenen Art gelingt ihm schnell ein Zugang zu anderen Menschen. Dies nutzt er geschickt in seinen Workshops. Hierbei können nach seiner  Philosophie „Even hands can see!“ (Auch Hände können sehen) sehbehinderte, blinde und anderweitig gehandicapte Menschen Kunstwerke ertasten und auch erschaffen. Wenn Kunst eine wirkliche Weltsprache ist, warum sind dann blinde und sehbehinderte Menschen aufgrund ihrer Behinderung ausgeschlossen?
Als ein großes Projekt im Rahmen der 100-Jahre Lions Clubs International sollen 100 Workshops gesponsert durch Lions Clubs in unserem Distrikt durchgeführt werden. Heute bin ich mit Horst zu einem Interview über dieses
großartige Projekt verabredet.

KPR: Horst, was verbindet dich mit den Lions, wie ist es zu diesem Kontakt gekommen?

H.M: Du weißt, ich lebe zeitweise in den USA und in Deutschland. Die ersten Ausstellungen hatte ich 2010 in Florida, USA. Meine Kunst ist haptisch, d.h. ich fordere die Betrachter direkt auf, sie mit den Händen zu ertasten. Das brachte mich in Kontakt mit Blinden und deren Organisationen, die so Kunst auf besondere Weise erfahren konnten. Hier habe ich auch den ersten Workshop in einer Schule mit sehbehinderten Kindern gemacht. Auf diese Weise bin ich vor allem in den USA bekannt geworden, wenngleich ich auch in Deutschland und sogar in Russland ausgestellt habe. Irgendwann ist Lions Clubs International auf mich aufmerksam geworden. Ich bekam einen Anruf aus Oak Brook und wurde eingeladen, meine Kunstwerke bei der Lions World Convention 2013 in Hamburg auszustellen. 

KPR: Ich kann mich erinnern, deinen Stand dort besucht zu haben. Aber wie wurde die Idee geboren, mit den Lions diese Workshops durchzuführen?

H.M: Gegenüber von meinem Stand bei der Convention in Hamburg stellte der Lions Club Sulinger Land etwas aus. Dabei bin ich mit Ralf Röhr ins Gespräch gekommen und habe über meine Workshops berichtet. Wenig später heuerte er mich an, einen Workshop bei seinem Club in Sulingen zu veranstalten. Vor anderthalb oder zwei Jahren fragte er mich, ob ich mir vorstellen könnte, zur 100-Jahrfeier von LCI 100 Workshops mit Hilfe der verschiedenen Lions Clubs leisten zu können. Das war natürlich eine große Herausforderung aber auch eine gute Chance, viele Menschen mit Behinderungen an Kunst heranzuführen. Nach kurzer Sprachlosigkeit, antwortete ich Ralf: „Wenn ihr Lions die Organisation übernehmt, dann mache ich mit!“

KPR: Dann war es der LC Sulinger Land, der diesem Projekt Schwung geben hat?

H.M: Hier muss ich Ralf Röhr und seinen Club ganz besonders loben, die ersten fünf Workshops wurden vorbildlich vorbereitet und in der Durchführung bestens begleitet. Seitdem bin ich durch die norddeutsche Tiefebene gereist und habe vielen Lions Clubs Workshops mit den unterschiedlichsten Organisationen an den verschiedensten Orten durchgeführt.

KPR: Erzählte doch noch einmal, was das Besondere an deiner Arbeit und den Workshops ist.

H.M: Wenn ich Ausstellungen mache, hängt da immer ein großes Schild „Bitte fassen Sie die Werke an!“ „Even hands can see!“ lautet meine Philosophie und das ist es, was mich in besonderer Weise mit den Lions verbindet, denn deren erste große Aktion war es, Blinden zu helfen. Daraus entwickelte sich für mich dann der Wunsch, allen Menschen mit Handicap und nicht nur Blinde und Sehbehinderten zu helfen.

KPR: Kannst du für die Leser mal schildern, wie ein Workshop vorbereitet und durchgeführt wird?

H.M: Gerne. Die jeweiligen Lions Clubs organisieren den Rahmen, d.h. die Teilnehmer, sie besorgen einen Raum - gut sind Werkräume in Schulen, aber auch jeder andere Raum kann genutzt werden, er muss dann mit Malervlies geschützt werden. Außerdem brauche ich Wasser und Strom zum Anmischen der Modeliermasse. Als Arbeitstisch eignet sich z.B. eine Biergartengarnitur mit entsprechenden Sitzgelegenheiten.
Ich bringe speziellen Gips mit und bereite Sperrholzplatten in der Größe von ca. zwei Handflächen (27x32 cm) vor. Eine Seite habe ich mit einem Haftgrund gestrichen, die andere markiere ich mit einem fühlbaren Kreuz.  Die Markierung erleichtert es den Blinden und Sehbehinderten dort ihren Namen hinzuschreiben. Der Haftgrund sorgt für die feste Verbindung der aufgetragenen Gipsmasse mit dem Brett.

KPR: Jetzt kommen die jungen Künstler, wie geht es dann weiter?

H.M: Mit ein paar auflockernden Bemerkungen stelle ich mich vor und bitte Platz zu nehmen. Vor jedem liegt das Brett, jeder schreibt seinen Namen drauf, denn das spätere Kunstwerk darf anschließend mit nach Hause genommen werden. Ich verteile dann die weiße Gipsmasse, die erst in ca. 45 Minuten bindet, in Form eines Pizzateigs auf die Bretter. Jetzt fordere ich die Teilnehmer auf, den Teig zu modellieren. „Es kommt nicht darauf an, was ihr macht,“ sage ich immer, „sondern, dass ihr es macht!“ Denn Blinde sind sehr vorsichtig mit ihren Fingern. Ich erzähle etwas über mich und schaffe es so, das Eis zu brechen und sie zum Mitmachen zu begeistern. Manche sind gleich sehr konzentriert dabei, andere brauchen kleine Anleitungen. Da helfe ich, führe ihre Hand und sage: “Dies ist ein Fluss oder das ist ein Baum etc.!“ Plötzlich wird es ganz ruhig im Raum und alle sind eifrig bei der Sache und lassen ihrer Phantasie freien Lauf. Diese Aktion dauert eine knappe Stunde. Nach einer weiteren halben Stunde kann das Brett transportiert und mit nach Hause genommen werden. Dort kann es dann nach dem Austrocknen angemalt werden.

KPR: Horst du hast im Vorgespräch deine gute Erfahrungen mit unterschiedlichen Teilnehmern erwähnt, Stichwort „Inklusion“.

H.M: Gut, dass du mich erinnerst, das ist mir sehr wichtig. Ein besonders Erlebnis war eine ge-
mischte Gruppe aus Schülern einer Blindenschule und einer Stadtteilschule. Kinder gehen völlig unkompliziert miteinander um und helfen sich in selbstverständlichster Weise gegenseitig. Das habe ich auch so bei einigen Workshops erlebt, die von Lions vorbereitet wurden. Wenn nichtgehandicapte Erwachsene teilnehmen, verbinde ich ihnen die Augen und lasse sie erfahren, wie es ist, mit den Händen zu sehen. Ein anderes sehr schönes Beispiel habe ich mit dem LC Langen-Pipinsburg in Form eines Dreigenerationen-Workshops, d.h. mit Kindern, Erwachsenen und Bewohnern eines Altenheims erlebt. Das hat allen Beteiligten sehr viel Freude gemacht.

KPR: Darf ich mal fragen, wie weit seid ihr an das Ziel 100 Workshops herangekommen? Schafft ihr es bis Berlin?

H.M: Sicher führt jemand genau Buch, ich glaube, wir haben den 94. Workshop hinter uns, jetzt kommt noch Bremen und dann Berlin, außerdem habe ich noch einige weitere Anfragen. Die 100 schaffen wir in jedem Fall. Schon heute habe ich bei dieser Aktion ca. 1.200 Menschen mit ihren Händen fühlen und sehen lassen.

KPR: Ich freue mich auf die Distrikt-Versammlung zur 100-Jahrfeier in Bremen. Ist es dort für dich als geborener Bremer ein Heimspiel?

H.M: Ich bin in der Tat ein Bremer-Jung, aber mein Zuhause in Deutschland liegt jetzt in Buxtehude. Bei der Aktion vor dem Rathaus arbeite ich mit den Lionsfreunden Ulrike und Wolfgang Mildner vom Lions Club Bremen Lesmona zusammen. Es gilt noch einiges vorzubereiten, aber ich bin guten Mutes. Auch Ralf Röhr aus Sulingen, dem ich bei dieser Gelegenheit noch einmal ganz herzlich danken möchte, wird mich sicher unterstützen. Berlin ist dank der Initiative der Zonen III,1 und III,2 inzwischen auch in guten Händen. Gedankt werden muss auch Detlef Schwarz, der immer ein wertvoller Ansprechpartner war und, wenn nötig, hilfreich vermitteln konnte.

Einen abschließenden Wunsch hätte ich an die Lions: Bitte helft mir, meine Idee weiter zu verbrei-ten und eventuell auch Ausstellungen meiner Bilder zu organisieren.

KPR: Horst ich danke dir für dieses interessante Gespräch und ganz besonders für dein großartiges Engagement, was du für Menschen mit Behinderungen und für die Lions tust. Ich wünsche dir alles Gute und weiterhin viel Schaffenskraft!


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