Das Blinden-Erlebnis-Mobil Unterwegs im Distrikt SM

Prof. Dr. Dieter Maas, DGelect

Einige Minuten lang nicht sehen zu können und nur mit Hilfe eines Blinden-Taststabes einen unbekannten Weg mit vielfältigen Hindernissen zu durchlaufen: Diese Aufgabe stellte sich für die Besucher des Lions-Blindheitserlebnis-Mobils, das vom 20. Mai bis zum 2. Juni 2017  im Rahmen einer Rundfahrt in elf Städten des Distriktes SM aufgestellt worden war.

Das Blindheitserlebnis-Mobil ist ein Anhänger, in dem ein ca. 10 m langer gewundener Gang mit Hindernissen in Form einer Mülltonne und einigen größeren Steinen gestaltet worden ist. Außerdem ist der Weg uneben und mit verschiedenen Bodenbelägen, wie Schotter, Holzplanken und Metallgitter versehen. Die Besucher bekommen eine getrübte Brille, die nur 10 % Sehkraft erlaubt und mit der nur ein schemenhaftes Sehen von Hell und Dunkel möglich ist, sowie einen Blinden-Taststab. Entsprechend  erfordert der Weg durch das Blindheitserlebnis-Mobil eine hohe Aufmerksamkeit und Konzentration beim Tasten und Hören.

Das Blindheitserlebnis-Mobil hatten die Deutschen Lions vor einigen Jahren von der Christoffel-Blindenmission übernommen, um die Aktionen der einzelnen LionsClubs im Rahmen des Sight-First-Programmes zu unterstützen. Dabei bot es sich gerade für das Jubiläumsjahr 2017 an, das Mobil an möglichst vielen Orten zu präsentieren. Da anfangs keine Zugmaschine zur Verfügung stand, war zunächst geplant, den Transport durch Lastwagen von Clubfreunden zu organisieren, was auch für viele der Clubs kein Problem dargestellt hätte. Erfreulicherweise hat sich aber dann im Frühjahr 2017 die Christoffel-Blindenmission bereit erklärt, den Transport des Mobils und auch die Betreuung während der Ausstellung durch einen erfahrenen Mitarbeiter zu unterstützen.

Nachdem die erste größere Präsentation des Lions-Blindheitserlebnis-Mobils in Berlin während des Kongreßes deutscher Lions stattgefunden hatte, wurde unmittelbar danach das Mobil zum Gestüt Marbach auf der Schwäbischen Alb bei Gomadingen gebracht, wo es im Rahmen der Lions-100-Jahr-Jubiläums-Feier des Distriktes SM am 20. Mai 2017 aufgestellt wurde. Viele der ca. 700 Besucher dieser Feierlichkeiten, in deren Mittelpunkt die Einweihung einer Allee mit 100 neu gepflanzten Winterlinden stand, nutzten die Möglichkeit zum Besuch des Blindheitserlebnis-Mobils.

Vom Gestüt Marbach holte der LC Horb-Sulz das Mobil nach Sulz. Ein besonders eindruckvolles Erlebnis, welches die Bedeutung des Mobils sichtbar machte, war dort der Besuch einer Mutter, die einen blinden und einen normalsichtigen Sohn hat. Beim Gang durch das Mobil konnte der sehende Sohn die Probleme seines Bruders praktisch erleben und lernte ihn besser zu verstehen.

Die nächsten Stationen des Blindheitserlebnis-Mobils waren Rottenburg am Neckar, wo der LC Rottenburg die Organisation übernommen hatte, und dann die Landeshauptstadt Stuttgart, wo das Mobil auf dem Schloßplatz präsentiert wurde. LionsFreunde aus verschiedenen Stuttgarter Clubs u.a. S-Fontana, S-Killesberg, S-Literaturhaus, S-Neckar, S-Rosenstein und S-Villa Berg beteiligten sich an der Betreuung.

Hier, wie in den meisten Städten der Tour, war die Aufstellung des Blindheitserlebnis-Mobils Anlaß für die lokalen Tageszeitungen, über die Internationale Lions-Organisation, die örtlichen Clubs und ihre Aktivitäten zu berichten. Es kam auch zu einer Berichterstattung über die Stuttgarter Präsentation im RegioTV.

Über Sindelfingen, wo die LC Böblingen-Sindelfingen und Johannes-Kepler aktiv waren, führte der Weg nach Ulm zum LC Ulm/Neu-Ulm. Die LionsFreunde aller Städte mussten zwar immer wieder schroffe Ablehnungen und unwirsche Zurückweisungen bei der Einladung zum Besuch des Mobils erfahren, dafür entschädigten sie aber die Gespräche mit den Besuchern, die ihre Anerkennung für den Einsatz und ihre große Betroffenheit über das Erlebte betonten.

Der LC Nürtingen-Kirchheim stellte das Mobils in beiden Städten, sowohl in Nürtingen wie auch in Kirchheim, aus. Eindrucksvoll war der Besuch einer englisch-sprechenden afrikanischen Asylanten-Gruppe, die es sich nicht nehmen ließ, nach dem Durchgang auch einen kleinen Spendenbetrag zu übergeben.

In Schwäbisch Gmünd war es für den Oberbürgermeister Richard Arnold eine Herzenssache, die Präsentation des Blindheitserlebnis-Mobils persönlich zu eröffnen. Im Laufe des Tages beteiligten sich alle drei Schwäbisch Gmünder LionsClubs an der Betreuung. Da im Vorjahr ein neuer, dritter LionsClub dort gegründet worden war, war dies die erste gemeinsame Activity.

Auch in Crailsheim beim LC Crailsheim waren die Schulkinder besonders begeisterte Besucher, die nach anfänglich ängstlicher Zurückhaltung es dann doch wagten, mit Brille und Taststab den Gang zu durchlaufen. Anschließend gingen sie dann noch einmal ohne Brille durch, um das „Nicht-Gesehene“ zu kontrollieren, und zum Schluß ein drittes Mal jetzt wieder mit Brille aber ohne Ängstlichkeit.

Den Abschluß der Rundfahrt mit dem Blindheitserlebnis-Mobil durch den Distrikt SM bildete die Aufstellung auf dem Deutschordensplatz in Bad Mergentheim. Auch hier waren Schulkinder sehr interessierte und auch dankbare Gäste. So hat sogar ein 10-jähriger Schüler nach Besuch des Mobils und einem Gespräch mit den Mitgliedern des LC Bad Mergentheim  von seinem Taschengeld eine Euro-Münze gespendet.

Insgesamt hat die Rundfahrt durch den Distrikt SM seinen Zweck voll erfüllt,

  • indem die Bevölkerung auf des Problem der vermeidbaren Sehstörungen aufmerksam gemacht werden konnte,
  • indem für das große Lions-Projekt SightFirst geworben werden konnte,
  • indem im Rahmen der Lions-100-Jahrfeier eine distriktweite viele LionsClubs umfassende Activity erfolgreich durchgeführt wurde
  • und schließlich die Zusammenarbeit mit der Christoffel-Blindenmission – auch auf lokaler Ebene - intensiviert werden konnte. 

Prof. Dr. Dieter Maas

27.8.2017