Zwischenbilanz

Zwischenbilanz

Wir sagen „Danke“ für die großartige Unterstützung zur Fluthilfe –

Eine Zwischenbilanz des Lions Club Voreifel

Die verheerende Flutkatastrophe im Juli vergangenen Jahres in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz hat in vielen Gebieten zehntausende Menschen stark betroffen. Auch viele Ortsteile von Erftstadt und Zülpich waren schwer getroffen (Bild 1 und 2).

Seit der Katastrophe engagieren sich daher die 42 Mitglieder des Lions Clubs Voreifel, um mit Soforthilfe betroffenen Organisationen und Institutionen aber auch besonders betroffenen Privatpersonen zur Überwindung der Flutfolgen zur Seite zu stehen. In den ersten Tagen nach der Flut wurde selbstverständlich auch persönlich vor Ort mit Muskelkraft tatkräftig geholfen. Zusätzlich konnten wir wertvolle Hilfen mit benötigten Materialien und Geräten leisten.

Mit den unmittelbar nach der Flut eingehenden zahlreichen Spenden vieler Lions Clubs aus ganz Deutschland und sogar aus dem Ausland war klar, dass der Club einen Weg finden würde, diese zeitnah und nachhaltig einzusetzen. Natürlich haben auch Mitglieder unseres Clubs ihren Teil zu den Spenden beigetragen. Weitere Mittel von vielen privaten Spendern, Firmen und Institutionen haben unsere Möglichkeiten zu helfen nochmals erweitert. Mit diesem Artikel möchten wir uns für die erfahrene Unterstützung bedanken und anhand von ausgewählten Einzelbeispielen vorstellen, wie wir die Spenden in konkrete Hilfe vor Ort umgesetzt haben.

Wie wir vorgegangen sind

Sofort nach der Flutkatastrophe bildeten wir ein kleines, schlagkräftiges Team bestehend aus dem Präsidenten, seinen beiden Stellvertretern, dem Präsidenten des Vorjahres und vier weiteren Lionsfreunden (Bild 3). Dieses Team legte die Bereiche, in denen wir unsere Hilfe anbieten wollten, fest und entwickelte Kriterien für die Identifizierung von Spendenempfängern. Selbstverständlich erfolgte im Rahmen des Clublebens regelmäßig Feedback und die Abstimmung mit den Clubmitgliedern.

Bild 1 – Die überschwemmte B265 in Erftstadt zu Beginn der Flutkatastrophe vom Juli 2021

Bild 2 – Luftbild von Erftstadt-Blessem nach der Flut

Schnell wurde klar, dass wir uns mit unserer Hilfe vorrangig auf die Unterstützung von Organisationen und Einrichtungen konzentrieren würden, die sich um von der Flut betroffene Kinder und Jugendliche kümmern. Jugendarbeit in Vereinen aber auch z.B. die Betreuung von Kindern im Rahmen der Tagespflege wurden so ein wesentliches Ziel unserer Unterstützung.

In enger Abstimmung mit den Jugendämtern von Erftstadt und Zülpich sowie mit den ehrenamtlichen Ortsbürgermeistern und -bürgermeisterinnen der besonders betroffenen Ortsteile, die in der Regel sehr eng vernetzt sind und einen guten Überblick über die Situation vor Ort haben, haben wir weitere Projekte bzw. Empfänger identifiziert, die wir unterstützen konnten.

Besonders betroffen sind …

In Erftstadt besonders betroffene Ortsteile sind Ahrem, Blessem, Bliesheim, Friesheim und Kierdorf, während in Zülpich Bürvenich, Dürscheven, Linzenich/Lövenich, Mülheim-Wichterich, Nemmenich/Lüssem, Niederelvenich, Sinzenich und Schwerfen besonders betroffen sind.

Tagesmütter und Kitas

Zum Beispiel haben wir uns in der ersten Zeit nach der Flut stark auf betroffene Tagesmütter konzentriert. Ihnen eine schnelle Aufnahme der wichtigen Betreuung von der Flut betroffener Kinder wieder zu ermöglichen, war uns eine Herzensangelegenheit. Wir haben alle von uns unterstützten Betroffenen persönlich aufgesucht und vor Ort den Hilfebedarf abgestimmt. Als Teil dieses Tätigkeitsfeldes konnten wir unter anderem ein Ausweichquartier für die KiTa in Zülpich-Sinzenich und ein Außengelände in Bliesheim (s.u.) wieder in Stand setzen.

Einen Monat nach dem Flutereignis bekamen wir über das Jugendamt der Stadt Erftstadt die Information, dass ein privat zur pädagogischen Betreuung von Tageskindern errichteter Spielplatz durch die Flut komplett zerstört worden war.

Dieser Spielplatz ist Teil des pädagogischen Betreuungskonzeptes einer Tagesmutter mit Schwerpunkt auf „Bewegung“ und „Spielen in der Natur“, dient aber auch vielen anderen Bliesheimer Tagesmüttern als „Außengelände“ und sozialer Treffpunkt. Dieses „Paradies“ der „Pfützenläufer“ und der anderen Bliesheimer Tagesmütter wurde in einer einzigen Nacht Opfer des Erfthochwassers (Bild 4 und 5).

Bild 3 – Die Fluthilfe-Taskforce des Lions Clubs Voreifel, v.l.n.r.: Johannes Schuck, Rolf Deges, Christian Austermann (Präsident), Günter Fischbach (Vorsitzender des Fördervereins), Andreas Grevelding, Thomas Schmidt, es fehlen: Helmut Meyer und Rolf Sprünken

Um hier effektiv und unbürokratisch zu helfen, organisierte ein Lionsfreund des Clubs über seinen Arbeitgeber, die Ford Werke GmbH, eine Gruppe von 5 Mitarbeitern, die für zwei Tage beim Aufräumen und wieder Aufbauen der Anlage halfen. Dies bei voller Bezahlung, was bei Ford den Mitarbeitern unter dem Begriff ‚Community Involvement‘ ermöglicht wird.

In Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern eines Gartenbauunternehmens und der freiwilligen Feuerwehr Bliesheim gelang es, die umfangreichen Aufräumarbeiten sowie den Wiederaufbau des Geländes (Zaunumfriedung zum Schutz der Kinder, Blockhaus/-Unterstand zum Aufenthalt und Spielen sowie verschiedene Spielgeräte) innerhalb von wenigen Tagen durchzuführen und so für die Kinder des stark betroffenen Stadtteils Bliesheim zeitnah nach der Flut wieder Outdoor-Betreuung zu ermöglichen (Bild 6 – 8).

Bild 4 und 5 – Das Außengelände der „Pfützenläufer“ nach der Flut

Neben den geschilderten Hilfen durch persönliche Arbeitskraft und die Freiwilligen von Ford wurden bisher für den Bereich Tagesmütter ca. 30.000 Euro eingesetzt.

Bild 6 – Das Außengelände der „Pfützenläufer“ nach der Flut

Bild 7 – Das Außengelände der „Pfützenläufer“ nach der Flut

Bild 8 – Der neue Unterstand der „Pfützenläufer“

Kinder- und Jugendarbeit in Vereinen

Ein weiterer Bereich unseres Engagements betrifft die Unterstützung von Vereinen bei deren Jugendarbeit. Viele Vereinsheime liegen direkt an Flüssen und Bächen und wurden teilweise oder komplett zerstört. Für den schnellen Wiederaufbau und die zügige Wiederaufnahme der Jugendarbeit konnten wir zwölf Vereine, die alle stark in der Jugendarbeit engagiert sind, finanziell mit insgesamt ca. 40.000 Euro unterstützen.

Besonders betroffene Privathaushalte

Daneben konnten wir insgesamt 25 besonders stark geschädigten Privathaushalten aus den oben genannten Ortsteilen insgesamt ca. 80.000 Euro an Soforthilfe zukommen lassen. Die EmpfängerInnen wurden durch unsere Lionsfreunde in Gesprächen und persönlichen Besuchen in enger Zusammenarbeit mit den OrtsbürgermeisterInnen und Spendern ausgewählt. Darüber hinaus erhielten die Ortsbürgermeister der Dörfer für Soforthilfen, die sie selbst schnell und gut koordinierten, ca. 53.000 Euro.

Hilfe für die Flüchtlingsbetreuung der Stadt

Neben Vereinen und Privathaushalten sind natürlich auch Bereiche der Stadtverwaltung von der Flut betroffen. So wurden z.B. sämtliche Häuser der städtischen Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber und Flüchtlinge an der Radmacher Straße in Erftstadt Blessem durch die Flut zerstört. Alle Bewohnerinnen und Bewohner mussten in eine Notunterkunft in Köln evakuiert werden. Viele Geflüchtete, vor allem Familien mit schulpflichtigen Kindern, sind mittlerweile wieder in Erftstadt zurück und vorübergehend in anderen städtischen Flüchtlings-unterkünften im Stadtgebiet untergebracht.

Laut Ilias Papapostolou, dem Leiter der Abteilung Migration und Integration der Stadt Erftstadt, kommt es daher gerade nach der Flut regelmäßig vor, dass größere Gruppen von Bewohnerinnen und Bewohnern transportiert werden müssen.

Durch die Vermittlung eines unserer Mitglieder gelang es, für die Abteilung Migration und Integration für die Flüchtlingsbetreuung der Stadt Erftstadt einen neunsitzigen Ford Tourneo Bus als Transportmöglichkeit für Flüchtlinge zu organisieren. Die Ford-Werke GmbH stellt diesen Bus derzeit zur Verfügung. Mitte 2022 wird voraussichtlich die Nutzungsdauer nochmal entsprechend dem absehbaren zeitlichen Bedarf verlängert. Der Kleinbus wird z.B. bei den vielen nach der Flut notwendigen Umzügen, bei der Organisation von Betreuungsfahrten von und nach Köln, bei Fahrten zu Behörden und Institutionen sowie bei der Organisation von Fahrten der evakuierten Kinder zu sozialen Projekten und Bildungsangeboten im Stadtgebiet eingesetzt.

Darüber hinaus können neu zugewiesene Flüchtlingsfamilien bei ihrer Ankunft aus den Landesunterkünften in Erftstadt gemeinsam (und nicht getrennt in verschiedenen kleineren Fahrzeugen) transportiert werden. Der getrennte Transport führte in der Vergangenheit oft zu Irritationen und Trennungsängsten vor allem bei Kleinkindern, wenn z.B. nach der Ankunft der Familien in Erftstadt die Eltern oder die Geschwister aus Platzmangel in unterschiedlichen Fahrzeugen Platz nehmen mussten, um getrennt in die Unterkünfte oder zu Behörden gefahren zu werden (Bild 9).

Psycho-soziale Familienbetreuung

Durch die Flut sind auch seelische Verletzungen bei Kindern und Familien entstanden. Um diesen Raum zu geben und Gesprächsangebote zu schaffen, unterstützen wir aus den Fluthilfe-Mitteln eine auf drei Jahre befristete Stelle bei der Caritas in Erftstadt zur psycho-sozialen Betreuung betroffener Kinder mit einem Zuschuss von 50.000 Euro. Die Stelle konnte zum 01.02.2022 besetzt werden und es wird bereits engagiert und erfolgreich gearbeitet!

Vielen Dank an alle Spender und Helfer!

Zusammenfassend stehen uns durch die Hilfe vieler Lions Clubs sowie der SDL und durch private Spenden finanzielle Mittel in Höhe von ca. 420.000 Euro für die Fluthilfe zur Verfügung. Von diesen sind derzeit etwa zwei Drittel genutzt. Ca. ein Drittel ist also noch für nachfolgend auftretende Notlagen vorhanden. Wie die Erfahrung von Lionsfreunden aus den vor 20 Jahren vom Oder-Hochwasser verwüsteten Regionen zeigt, wird es auch Monate nach der Flut noch schwere Notlagen geben. Wir sind daher weiterhin mit VertreterInnen aller betroffenen Ortsteile im Gespräch und engem Austausch, um den Bedarf weiter zu identifizieren - unsere Arbeit ist noch lange nicht vorbei, wir bleiben engagiert und setzen uns weiter für die Flutopferhilfe in Erftstadt und Zülpich ein.

Bild 9 – Christian Austermann, Rolf Deges, Ilias Papapostolou und Almut Schuhmann (v.l.n.r) mit Bewohnerinnen und Bewohner der städtischen Gemeinschaftsunterkunft

Aktuell geplante Activity des Lions Clubs Hürth ist ein Benefizkonzert zugunsten der Fluthilfe für unsere Region. Am 23. März 2022 findet ein Swing Rock Pop Konzert der Big Band der Bundeswehr im Feierabendhaus Knapsack statt, special Guest ist Max Mutzke. Wir danken unseren Freunden aus dem Nachbarclub sehr für unsere Einbindung und werden tatkräftig mit anpacken und freuen uns schon sehr auf den Abend.

Dass die geleisteten Hilfen möglich wurden, liegt ganz maßgeblich an den großzügigen und schnellen Spenden der vielen Lions Clubs, die auf uns zukamen. Daher ist es uns eine Herzensangelegenheit, an dieser Stelle den Lionsfreunden und Clubs sowie dem Spendenfonds der Stiftung Deutscher Lions zu danken. die uns in dieser schweren Zeit mit schneller und in der Höhe beeindruckender Hilfe zur Seite gestanden haben und noch stehen. Nur mit eurer Hilfe konnten wir hier vor Ort unsere Unterstützung in dem dargestellten Umfang leisten.

Zutiefst dankbar sind wir den Lionsclubs Alfeld, Anna zu Stolberg Wernigerode, Bamberg,  Bernau, Billericay (unser Jumelageclub aus GB), Breisach-Kaiserstuhl-Tuniberg, Brühl, Dorsten, Frechen, Freiberg, Grevenbroich, Gummersbach, Günzburg Schwaben, Gütersloh-Teutoburger Wald, Halberstadt, Halle-Dorothea-Erxleben, Hannover-Wietzeaue, Herten, Hürth, Kaarst-Büttgen-Korschenbroich, Kerpen, Köln-Caligula, Köln-Hanse, Köln-Laetitia, Köln-Rheingold, Konstanz, Löhne, Lübecker Bucht, Madonnenland, Mönchengladbach, Mönchengladbach-Abteiberg, Mülheim-Leinpfad, Oschersleben, Ostbevern, Pulheim, Rheine, Schwerte, Tharandt, Waiblingen und unserem eigenen Club, dem LC Voreifel.

Unter den privaten Unterstützern gilt ein besonderer Dank der Firma Bautrocknung Liedtke, der Firma Drechselbedarf K. Schulte in Geeste, dem Gewerbering Bedburdyck, Dr. Klemens und Sybille Hempsch, der Stiftung It’s for Kids, der Noventum Consulting GmbH, Dr. Günter Pferdmenges, der Rosberg Stiftung, der St. Martinus Schützenbruderschaft Emmerich-Elten, der Treuhand Niederrhein und der Firma Werkstudio Werbung und Design in Viersen sowie den Freunden der Stunksitzung für eine spontane Sammlung anlässlich einer Aufführung im Sommer 2021.

Auch den vielen hier nicht namentlich genannten privaten Spendern gilt natürlich unser herzlicher Dank.

Erftstadt im Januar 2022

Für den Lions Club Voreifel

Christian Austermann – Präsident