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2017-05-08 Vortragsabend mit Prof. Gunther Wenz

Dr. Thomas v. Mitschke-Collande stellte Prof. Gunther Wenz als einen der renommiertesten Fachleute auf dem Gebiete der Ökumente vor, der München nicht nur durch seine Habilitation, sondern auch durch seinen Lehrstuhl an der Evanglisch-Theologischen Fakultät der LMU und die Tätigkeit im Direktorat des Instituts für Fundamentaltheologie und Ökumene sehr verbunden sei. Prof. Wenz habe nicht nur ein 10bändiges Werk über systematische Theologie verfasst, ihm seien für seine Tätigkeit auch zahlreiche Auszeichnungen verliehen worden.  
 
Prof. Wenz bot anschließend einen gleichermaßen anspruchsvollen wie fesselnden und dialektisch wie rhetorisch mitreißenden Vortrag zu dem Thema „Ewig getrennt und widereinander -  zum Stand der Ökumene“, wobei man allenfalls ein wenig bedauern konnte, dass der Vortrag damit in einem engen historischen und fundamental-theologischen Korsett angelegt war.  
 
Zunächst konzentrierte sich der Vortrag auf die Herleitung und Veränderung des Begriffs der „Ökumene“ ("gesamter bewohnter Weltkreis") im Laufe der kirchengeschichtlichen Entwicklung bis hin zu dem heutigen Verständnis als dem Dialog und der Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen christlichen Konfessionen. 

Anschließend bot Prof. Wenz einen gerafften Überblick über den Verlauf der Reformationsgeschichte seit der „Veröffentlichung“ der Thesen durch Martin Luther im Jahre 1517, mit den aus Sicht des Vortragenden markantesten geschichtlichen Ereignissen und einflussreichsten Schriften („de libertate christiana“, „confessio Augustana“). Prof. Wenz wies dabei nach, dass die Reformation ursprünglich nicht auf die Gründung einer eigenständigen Konfession, sondern lediglich auf Reformen unter dem Mantel der einheitlichen christlichen Kirche abgezielt habe.  
 
Im Rahmen der folgenden theologischen Betrachtung der Ökumene stellte Prof. Wenz anschließend die Streitpunkte zwischen der römisch-katholischen und der evangelischlutherischen Kirche bei der Rechtfertigungslehre, der Sakramentenlehre  und der Amtslehre vor, wobei er betonte, dass aus Sicht der Ökumene bei letzterer bisher keine entscheidende Annäherung absehbar sei, dies aufgrund des formalistischen Verständnisses der Katholischen Kirche zum Amt in der Kirche aufgrund der Festlegungen im 2. Vatikanischen Konzil.   
 
Gerade dieser eher theoretische Teil des Vortrags bot den Anwesenden Ansatzpunkte für einige kontroverse Fragen im Rahmen der anschließenden Diskussion, die darauf abzielten, ob sich denn nicht statt der komplizierten (theoretischen) theologischen Fragen heute nicht erheblich praxisrelevantere und wichtigere Fragen stellen würden (Bedrohung durch den Islam, Erhaltung der Glaubenstradition des Christentums, Verlust des festen konfessionellen Milieus in Deutschland). Prof. Wenz stellte sich auch dieser Diskussion überaus geduldig, eloquent und souverän, und unser Präsident Dr. Thomas v. Mitschke-Collande dankte ihm völlig zu Recht herzlich für seine Ausführungen.

Vortragsabend mit Prof. Dr. Carl-Peter Bauer

Prof. Bauer führte aus, dass gesellschaftlich bedingte chronische Erkrankungen (Allergien, seelische Störungen, krankhaftes Übergewicht) bei Kindern stark im Vormarsch seien. Hinzu kämen genetisch bedingte Erkrankungen wie die Mukoviszidose. Diese werde mit einer Wahrscheinlichkeit von 33% auf das Kind übertragen, wenn beide Elternteile in ihrem Erbgut Träger seien. 300 Kinder würden jährlich mit dieser Erkrankung geboren; die Lebenserwartung der Betroffenen habe sich in den letzten 50 Jahren auf mittlerweile ca. 35 Jahre fast verdreifacht. Die traditionellen Behandlungsmethoden seien teuer (ca.  EUR 21.000,- pro Jahr) und wenig effektiv; eine Lungentransplantation mit Kosten von ca. EUR 150.000,- bedingt aussichtsreich. Es gebe ein neues Medikament auf dem Markt (Ivacaftor), das die Lebenserwartung verlängere, aber die Erkrankung nicht heile und überaus teuer sei (ca. EUR 330.000,- p.a.).  
 
Dem schloss sich eine intensive und sehr spannende Diskussion an, zu den Grenzen der Gesundheitsvorsorge mit ihren wirtschaftlichen Notwendigkeiten, die im Widerstreit stehe zu dem Recht des Einzelnen auf Linderung bzw. Heilung seiner Leiden; ferner zu ethischen Fragen in Zusammenhang mit der personifizierten Medizin sowie mit der datenmäßigen Erfassung, Analyse und Dokumentation von Erbrisiken und dem möglichen Eingang solcher Daten in die pränatale Diagnostik und Internet-Netzwerke, z.B. Dating-Plattformen.  

2017-03-20 Vortragsabend mit Dr. Rainer Salfeld

Der Vortragsabend am 20. März 2017 war sehr gut besucht, und die Mitglieder und zahlreichen Gäste erwartete ein sehr interessanter, wenn auch kontroverser Einblick in die Historie, den heutigen Stand und die (mögliche) künftige Entwicklung des deutschen Gesundheitswesens.

Präsident Dr. Thomas v. Mitschke-Collande stellte Herrn Dr. Rainer Salfeld als geschäftsführenden Gesellschafter der erfolgreichen Artemed-Gruppe dar, die er nach langjähriger Tätigkeit für die Unternehmensberatung McKinsey, bei der er zuletzt als Senior Partner für den Bereich des Gesundheitswesens zuständig gewesen sei, gegründet habe. Dr. Salfeld sei u.a. Lehrbeauftragter für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Augsburg und habe zahlreiche Publikationen zum modernen Krankenhausmanagement und der Zukunft des deutschen Gesundheitswesens veröffentlicht.

Dr. Salfeld führte zunächst aus, dass die medizinische Behandlung eine sehr kurze, aber steile Entwicklung genommen hat. So sei das älteste Hospital in Paris (Hotel Dieu de Paris) erst im 15. Jahrhundert gegründet worden, erst im Jahre 1710 folgte die Charité in Berlin als erstes deutsches Krankenhaus. Dr. Salfeld gab anschließend einen kurzen Überblick über einige Marksteine der extremen medizinischen Fortschritte seitdem und erinnerte beispielhaft an die Entdeckung der Infektionserkrankungen und die sog. Pavillonbauweise für Krankenhäuser zu deren Vermeidung, sowie der Röntgenstrahlen im Jahre 1895 als Voraussetzung für operative Eingriffe unter Vorführung des Kurzfilmes „Der Trinker“, und des Penizillins, ferner an die erste Herztransplantation im Jahre 1967 (Christiaan Bernard) und die Entschlüsselung der menschlichen DNA im Jahre 2003. Parallel hierzu sei in Deutschland die ambulante Versorgung entstanden, in der heute mehr als die Hälfte der Ärzte in Deutschland als nieder- gelassene Fachärzte tätig seien.

Dr. Salfeld nahm anschließend zur Kritik am deutschen Gesundheitssystem Stellung, die er als überzogen bezeichnete. Anhand der seiner Ansicht nach maßgeblichen Kriterien (Zugänglichkeit für alle, Angebotsbreite und Qualität) führte er hierzu aus, dass es lediglich im Bereich der Qualität Probleme gebe, weil die „Performance“ der Krankenhäuser sehr unterschiedlich sei und insoweit eine – auch von den Patienten empfundene – nicht offen zu Tage tretende Bandbreite bestehe. Aufgrund welcher Kriterien und Daten und mit welchen Vorgaben allerdings eine Qualitätsbewertung durchzuführen sei, war Gegenstand sehr eingehender Diskussionen mit den anwesenden Lionsfreunden.

Als künftige Entwicklung sah Dr. Salfeld eine zunehmende Spezialisierung auf immer engere Fachbereiche als unumgänglich an, mit der Folge, dass die Patienten eine solche Fokussierung annehmen würden („Abstimmung mit den Füssen“). Dies würde zu Arztzentren mit einem Angebot verschiedener Disziplinen führen, mit der Möglichkeit einer inter- disziplinären Ermittlung des richtigen Behandlungsweges. Die interne Organisation der Krankenhäuser müsse demgemäß grundlegend geändert und restrukturiert werden (vom "Königreich" zur "Wohngemeinschaft"). Die geänderten Strukturen müssten die stetig wachsende Zahl der medizinischen Eingriffe berücksichtigen, statt auf die permanent seit Jahren sinkende Zahl der Übernachtungen abzustellen; Heilung sei keine Folge der Pflege, sondern der Behandlung und die Liegezeiten würden (auch auf Wunsch der Patienten) immer kürzer.

Abschließend enttarnte Dr. Salfeld noch zwei Mythen, nämlich zunächst, die Behauptung, dass gute Medizin viel Geld kosten müsse. Dies sei nicht der Fall; vielmehr führe gute Medizin automatisch zu guter Ökonomie. Ferner die These, dass Deutschland ein unproduktives Versorgungssystem habe; tatsächlich lägen die deutschen Gesundheitskosten nach Untersuchungen im Mittelfeld der Industrieländer.

Letztlich wies Dr. Salfeld noch auf das ungelöste Problem hin, dass die Kosten des medizinischen Fortschritts schneller steigen könnten als die Wirtschaftskraft, was zu einer Rationalisierung der medizinischen Behandlung führen werde. Ferner beklagte er, dass Versuche in Deutschland, ethische Richtlinien im Umgang mit Sterbenden zu entwickeln, von vorneherein abgeblockt würden und nicht ansatzweise möglich seien, so dass die Last der Entscheidung allein den behandelnden Ärzten auferlegt werden.

Nach eingehender Diskussion bedankte sich Präsident Dr. Thomas v. Mitschke-Collande zu Recht sehr herzlich bei dem Vortragenden. 

2016-11-21 Vortragsabend mit General a.D. Dr. Reinhardt

 

Wiederum ein sehr gut besuchter Abend – unter anderem mit Ehrenmitglied Otto Andreae und einigen Gästen – und mit einem überaus fesselnden Vortrag von General a.D. Dr. Klaus Reinhardt, sozusagen als Zeitzeugen, der in den Ablauf eines wichtigen Teils der Wiedervereinigung aktiv eingebunden war. General a.D. Dr. Reinhardt war bis 1990 im Führungsstab der Streitkräfte in Bonn Stabsabteilungsleiter für Planung und damit ab der Maueröffnung insbesondere für die Zusammenführung der Bundeswehr und der ehemaligen Nationalen Volksarmee verantwortlich. 

Und General a.D. Dr. Reinhardt wurde den hohen Erwartungen mehr als gerecht: Eine Zeitreise, gespickt mit zahlreichen historischen Fakten, lebendig, unter- haltsam und informativ präsentiert von einem Insider, der nachdrücklich auf seine subjektive Sicht und das Fehlen schriftlicher Quellen hinwies, da die sich überschlagenden Ereignisse seinerzeit keinem der Verantwortlichen Zeit für Aufzeichnungen oder schriftliche Notizen gelassen habe. Der Vortragende schaffte es in beeindruckender Weise, die historischen Zusammenhänge, den enormen Zeitdruck und die organisatorisch und logistisch anspruchsvolle Aufgabenstellung mit vielen Beispielen sehr eindringlich darzustellen. Im Gedächtnis blieb die von ihm erwähnte Gefahr von Putschversuchen von Teilen des Oberkommandos der NVA, insbesondere als klar wurde, dass es für höhere Dienstränge der NVA aufgrund der fehlenden Schnittmenge in Ausbildung, Menschenführung und politischer Gesinnung keine Integration in die Bundeswehr, sondern lediglich ein Ausscheiden in allen Ehren geben konnte. So hörte am 2./3.10.1990 die NVA auf zu existieren, und die Bundeswehr übernahm das Kommando nach dem Prinzip des selbstverantwortlichen „Führens mit Auftrag“.

Wie sehr der Vortrag von General a.D. Dr. Reinhardt die Anwesenden berührte, zeigten die zahlreichen Fragen und die intensive Diskussion im Anschluss. 

 

 

 

2016-07-26 Vortragsabend mit Prinz Luitpold von Bayern

 

Das Bayerische Reinheitsgebot, was ist das für eine 500jährige Erfolgsgeschichte! Was für ein Vortrag von Prinz Luitpold von Bayern über das 5. Element (Bier), ein wahrer Parforceritt durch die bayerische Geschichte und damit die Geschich- te des Hauses Wittelsbach. 

Am Anfang war die Definition (Wasser, Gerste, Hopfen) als giftfreier und desinfizierender Beitrag zur Volksgesundheit. Kurz darauf die Entwicklung zum wesent- lichen Bestandteil der Volksernährung, mit 800 Litern Bier / Jahr pro Person, ge- nossen an der Münchener Residenz, auf Strichlisten archiviert und damit Teil der Geschichte. Gleich ob Beichtvater, Kammerfrau oder Regent, alle hatten ihren Beitrag zum kurfürstlich von Maximilian I verordneten Aufbau eines Weißbierimperiums zu leisten. Ein unglaubliches Strukturprogramm: Staatlich regulierter Al- koholgenuss als Mittel der einfallsreichen Sanierung der Staatsfinanzen, mit höchst modern anmutenden monopolistischen Strukturen und Methoden. Mit dem Ergebnis, dass Bayern sich den Besitz der Oberpfalz einfach ertrinkt, wo Prohibitionisten und Antialkoholiker Kriege führen müssten, an wirtschaftlicher Bedeutung und industrieller Stärke gewinnt und diesen Machtzuwachs in die Neuzeit retten kann. 

Und noch immer kein Ende der Erfolgsstory: Markenrechtliche Kriege an allen Fronten des Merchandising, mit allen lizenzrechtlichen Finessen, zwingen zu völlig neuen Konzepten, z.B. Kleinstauflagen von Cuvées aus langjährig in Fässern gelagertem Bier, die zwar unrentabel sein mögen, aber zum Nachweis der Nutzung von königlichen Bild- und Namensrechten im Kampf mit und zur Abwehr von modernen Produktpiraten notwendig sind. Und am Ende steht eine Seidenstraße für Bier, eine visionäre Kamelroute von Peking nach München mit Braube- trieben nach Konzept des Hauses Wittelsbach in allen durchreisten Ländern.

Wer am Ende nicht zum überzeugten Trinker von Bier traditioneller Brauart mutiert war, dem fehlte es nach Ansicht des dies schreibenden Sekretärs wohl schlicht an grundsätzlicher Begeisterung für das 5. Element oder womöglich an entsprechendem Durst. 

Ein wunderbarer Abend, mit einem äußerst inspirierten und inspirierenden Gastredner, und dies alles gewürzt mit Anekdoten, Esprit und Witz, aus dem Stegreif und mit reicher Erfahrung präsentiert. Schön für den, der anwesend war, bedauerlich für die Abwesenden.